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Gesetzliche Erbfolge: Wer ist beim Erben der oder die Erste?

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 11.06.2026

Jeder Schrank ist durchsucht, jeder Teppich hochgehoben, jedes Kleidungsstück abgetastet – und doch ist weder ein Testament noch ein Erbvertrag der verstorbenen Person aufgetaucht. Damit stehen die Hinterbliebenen vor der Frage, was mit dem Nachlass passieren soll. Wer hat darauf eine Antwort? Der Staat. Er löst das Problem mit der gesetzlichen Erbfolge. Und die funktioniert ähnlich wie die Thronfolge in den Königshäusern: Wer am nächsten mit dem*der Verstorbenen verwandt ist, erbt zuerst.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt: Gesetzliche Erbfolge

  • Gibt es kein Testament oder keinen Erbvertrag, regelt die gesetzliche Erbfolge, wer was vom Nachlass erhält.
  • Zuerst erben die engsten Verwandten – Kinder und Enkelkinder erben deshalb vor Eltern, Geschwistern oder Großeltern.
  • Hinterlässt die verstorbene Person keine Kinder, erben zunächst die Angehörigen der 2. Ordnung, etwa Eltern oder Geschwister. Großeltern und deren Abkömmlinge stehen an letzter Stelle.
  • Innerhalb einer Ordnung erben näher verwandte Personen vor weiter entfernten Angehörigen derselben Familie.
  • Zwar sind Ehepartner*innen keine Verwandten, sie besitzen aber ein eigenes gesetzliches Erbrecht. 
Gesetzliche Erbfolge Schaubild

Erbfolge: Was sagt das Gesetz?

Hat eine verstorbene Person ihren Nachlass nicht geregelt, gilt die gesetzliche Erbfolge. Diese und der Pflichtteil vom Erbe sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgelegt, und zwar in den Paragrafen 1924 bis 1936. Dabei gilt das Motto „Blut ist dicker als Wasser“ – denn die Erbfolge richtet sich nach dem Grad der Abstammung innerhalb einer Familie.

Aber wo genau stehen Geschwister in der gesetzlichen Erbfolge? Wo Ehegatt*innen und Kinder? Um das zu regeln, hat der Staat ein abgestuftes, dreiteiliges System entwickelt. Es unterteilt die Erbberechtigten in Gruppen, die sogenannten Ordnungen. Sie sortieren, wer besonders „eng“ mit dem verstorbenen Menschen verwandt ist und wer weniger. Gleichzeitig regeln sie, wer zuerst erbberechtigt ist.

Die drei Ordnungen der gesetzlichen Erbfolge in Deutschland
1. OrdnungAbkömmlinge der erblassenden Person (Kinder, Enkelkinder, Urenkelkinder usw.) 
2. OrdnungEltern der erblassenden Person sowie deren Abkömmlinge (Geschwister, Nichten und Neffen der erblassenden Person, außerdem deren geschiedene Elternteile) 
3. OrdnungGroßeltern der erblassenden Person sowie deren Abkömmlinge (Tanten und Onkel, Cousinen und Cousins der erblassenden Person) 

Video: Wie funktioniert das deutsche Erbrecht?

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© Bayern 

Wie funktioniert die Erbfolge im Detail?

Das System der drei Ordnungen hat direkten Einfluss auf die Erbreihenfolge. Doch wie wird der Nachlass verteilt? Bekommen die Mitglieder der 1. Ordnung alles? Oder erhalten auch die anderen etwas vom Nachlass? Auch darauf gibt der Staat eine klare Antwort: Das Erbe bekommen diejenigen Angehörigen, die gemäß der gesetzlichen Ordnung oben in der Rangfolge stehen. 

Gesetzliche Erbreihenfolge nach Ordnungen
SituationErbanteil
Es gibt Erbberechtigte der 1. Ordnung*.Die Erbberechtigten 1. Ordnung bekommen den gesamten Nachlass beziehungsweise teilen ihn unter sich auf. Wer zur 2. oder 3. Ordnung gehört, hat keinen Erbanspruch.
Es gibt keine Erbberechtigten der 1. Ordnung*.Die Erbberechtigten der 2. Ordnung bekommen den gesamten Nachlass beziehungsweise teilen ihn unter sich auf. Wer zur 3. Ordnung gehört, hat keinen Erbanspruch.
Es gibt keine Erbberechtigten der 1. und 2. Ordnung*.Die Erbberechtigten der 3. Ordnung bekommen den gesamten Nachlass beziehungsweise teilen ihn unter sich auf.
Es gibt überhaupt keine erbberechtigten Hinterbliebenen.Das Erbe geht an das Bundesland, in dem die verstorbene Person ihren letzten Wohnsitz hatte. Lebte die verstorbene Person im Ausland, bekommt der Staat den Nachlass („Staatserbschaft“).
*oder sie lehnen das Erbe ab

Auf den ersten Blick sortiert dieses System die Erbreihenfolge zwar recht eindeutig: Ist eine Person kinderlos, sind in der gesetzlichen Erbfolge die Erbberechtigten der 2. Ordnung dran. Trotzdem sind damit nicht immer alle Fragen beantwortet. Was zum Beispiel passiert, wenn es mehrere Generationen von Erbberechtigten in einer Ordnung gibt? Also gleichzeitig Kinder, Enkelkinder und Urenkelkinder? Wer von ihnen hat dann das Vorrecht auf den Nachlass? 

Fünf Matroschka-Puppen stehen hintereinander auf einem Tisch
© istock/dapetheape/2013  Die gesetzliche Erbfolge regelt auch, wer innerhalb einer gleichartigen Ordnung Vorrang hat.

Auch das hängt wieder vom Grad der Verwandtschaft ab: Je kürzer die „Blutlinie“ von Hinterbliebenen zum Verstorbenen ist, desto eher haben sie Zugriff auf ihr Hab und Gut. Sprich: Innerhalb einer Ordnung kommen erst die Älteren, dann die Jüngeren an die Reihe. 

Beispiele zur Erbreihenfolge innerhalb einer Ordnung
SituationErbreihenfolge
Die verstorbene Person hinterlässt mehrere Generationen von Erbberechtigten der 1. Ordnung.Hatte die verstorbene Person Kinder, geht ihr Nachlass an sie. Können oder wollen die Kinder das Erbe nicht annehmen, sind die Enkelkinder begünstigt. Können oder wollen auch die Enkelkinder das Erbe nicht annehmen, sind die Urenkelkinder begünstigt. Und so weiter. 
Die verstorbene Person hinterlässt mehrere Generationen von Erbberechtigten der 2. Ordnung.Leben die Eltern der verstorbenen Person noch, geht ihr Nachlass an sie. Können oder wollen die Eltern das Erbe nicht annehmen, sind die Geschwister der erblassenden Person begünstigt. Können oder wollen auch die Geschwister das Erbe nicht annehmen, sind Nichten und Neffen begünstigt. Und so weiter. 
Die verstorbene Person hinterlässt nur mehrere Generationen von Erbberechtigten der 3. Ordnung.Leben die Großeltern der verstorbenen Person noch, geht deren Nachlass an sie. Können oder wollen die Großeltern das Erbe nicht annehmen, sind Tanten oder Onkel begünstigt. Können oder wollen auch die Tanten oder Onkel das Erbe nicht annehmen, sind Cousinen oder Cousins der erblassenden Person begünstigt. Und so weiter.
  

Die gesetzliche Erbfolge ändern – geht das?

Mit einem Testament oder einem Erbvertrag lässt sich die gesetzliche Erbfolge ändern. Bei der Verteilung des Erbvermögens müssen jedoch die gesetzlichen Pflichtteile beachtet werden. Einen festgelegten Anspruch haben beispielsweise Kinder, Ehegatt*innen oder die Eltern der*des Erblassenden. Auch mit einer Schenkung zu Lebzeiten lässt sich das Erbe in gewissem Rahmen gestalten.

Gehören Ehepartner*innen auch zur gesetzlichen Erbfolge?

Wie bereits erwähnt, gehören Ehegatt*innen und eingetragene Lebenspartner*innen nicht zur direkten Verwandtschaft. Dennoch haben sie einen gesetzlichen Anspruch auf einen Erbteil (§ 1931 ff. BGB). Wie hoch der ausfällt, hängt von der Ordnung anderer erbberechtigter Personen ab. Grundsätzlich sieht die Verteilung so aus: 

Gesetzlicher Erbanspruch von Ehepartner*innen
SituationErbanteil
Es gibt Erbberechtigte 1. Ordnung.Ehegatt*innen bzw. eingetragene Lebenspartner*innen erben ein Viertel des Nachlasses. Der Rest geht an die anderen erbberechtigten Personen.
Es gibt nur Erbberechtigte 2. Ordnung oder die Großeltern des Verstorbenen.Ehegatt*innen bzw. eingetragene Lebenspartner*innen erben die Hälfte des Nachlasses. Der Rest geht an die anderen erbberechtigten Personen.
Es gibt weder Erbberechtigte 1. Ordnung und 2. Ordnung noch Großeltern.Ehegatt*innen bzw. eingetragene Lebenspartner*innen erben den kompletten Nachlass.
  

Für den Erbanteil spielt auch der Güterstand eine Rolle. Der regelt die finanziellen Verhältnisse unter den Ehepartner*innen. Wurde nichts anderes vereinbart, so gilt automatisch die sogenannte Zugewinngemeinschaft. Danach behält jede*r Ehegatt*in oder Lebenspartner*in das eigene Vermögen, das er oder sie vor der Partnerschaft hatte. Stirbt eine*r der beiden, findet ein „Zugewinnausgleich“ statt. Das heißt: Alles, was beide zusammen an Kapital angesammelt haben, wandert in einen gemeinsamen Topf. Welche Folgen hat das? 

Einfluss der Zugewinngemeinschaft auf den Erbanteil
SituationErbanteil
Es gibt Erbberechtigte 1. Ordnung.Es gibt Erbberechtigte der 1. Ordnung. Ehegatt*innen bzw. eingetragene Lebenspartner*innen erben die Hälfte des Nachlasses. Der Rest geht an die anderen erbberechtigten Personen.
Es gibt nur Erbberechtigte der 2. Ordnung oder die Großeltern des Verstorbenen.Ehegatt*innen bzw. eingetragene Lebenspartner*innen erben drei Viertel des Nachlasses. Der Rest geht an die anderen erbberechtigten Personen.
Es gibt weder Erbberechtigte der 1. Ordnung und 2. Ordnung noch Großeltern. Ehegatt*innen bzw. eingetragene Lebenspartner*innen erben den kompletten Nachlass.
  

Ein weiterer Güterstand ist die Gütertrennung. Sie gilt nicht automatisch, sondern muss von den Partner*innen vertraglich vereinbart werden. Dann behält jede Partei ihr selbst angeschafftes Vermögen. Also auch das, was er oder sie während der Beziehung verdient hat. Und wenn nun einer der Eheleute verstirbt? Dann gilt dasselbe wie bei der Zugewinngemeinschaft – es sei denn, die verstorbene Person hatte Kinder. In diesem Fall funktioniert es so: 

Einfluss der Gütertrennung auf den Erbanteil
SituationErbanteil
Die erblassende Person hinterlässt Ehegatt*in und ein Kind.Ehegatt*in bzw. eingetragene*r Lebenspartner*in und Kind erben jeweils die Hälfte des Nachlasses.
Die erblassende Person hinterlässt Ehegatt*in und zwei Kinder.Ehegatt*in bzw. eingetragene*r Lebenspartner*in und Kinder erben jeweils ein Drittel des Nachlasses.
Die erblassende Person hinterlässt Ehegatt*in und drei Kinder. Ehegatt*in bzw. eingetragene*r Lebenspartner*in und Kinder erben jeweils ein Viertel des Nachlasses. Und so weiter.
  

Übrigens: Wer vom Erbe wie viel Steuern an den Staat zahlt, erfährst du im KlarMacher-Beitrag „Erbschaftssteuer: Wie hoch ist der Freibetrag?”.

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FAQ: Häufige Fragen und Antworten

Haben Geschwister automatisch Anspruch auf das Erbe?

Geschwister erben nach der gesetzlichen Erbfolge nur dann, wenn es keine Erbberechtigten der 1. Ordnung gibt. Hinterlässt die verstorbene Person Kinder oder Enkelkinder, gehen Geschwister leer aus.

Erben Ehepartner*innen automatisch alles?

Nein. Sie haben aber einen eigenen gesetzlichen Erbanspruch außerhalb der gesetzlichen Erbfolge. Wie hoch dieser ausfällt, hängt davon ab, wie viele weitere Erbberechtigte es gibt und welcher Güterstand in der Ehe galt.

Kann man die gesetzliche Erbfolge ändern?

Ja. Mit einem Testament oder Erbvertrag lässt sich die gesetzliche Erbfolge anpassen. Pflichtteile für nahe Angehörige wie Kinder oder Ehepartner*innen müssen jedoch berücksichtigt werden. Auch Schenkungen zu Lebzeiten können Einfluss auf die spätere Verteilung des Erbes haben. 

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