Nahaufnahme vom Gesicht eines bärtigen Mannes, in dessen Brille sich der Kursverlauf einer Aktie spiegelt
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Wie funktioniert die Börse?

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 23.11.2022

Der Kurs eines Unternehmens sinkt, der Dax steigt – solche Meldungen von der Börse sind in den Nachrichten alltäglich. Dazu kommen Bilder aus Filmen, in denen Menschen hektisch telefonieren oder auf Bildschirme zeigen. Aber wie funktioniert die Börse wirklich? Hier erfährst du mehr. 

Themen in diesem Artikel

Was ist die Börse?

Die Börse ist, kurz gesagt, ein Marktplatz. Gehandelt werden an der Börse allerdings keine Lebensmittel oder Kleidung, sondern Wertpapiere. Zu den Wertpapieren gehören zum Beispiel Aktien, also Anteile an Unternehmen. Die Börse handelt aber nicht selbst mit Aktien, sondern sie organisiert den Handel. Sie bietet die Infrastruktur, damit Verkäufer*innen und Käufer*innen zusammenkommen können.

Aber was bringt der Handel mit Wertpapieren überhaupt? Du kannst mit Aktien Geld verdienen, zum Beispiel mit Dividenden, also mit den Gewinnen, die Unternehmen an ihre Aktionär*innen ausschütten. Oder du machst Profit, indem du Aktien möglichst billig kaufst und teurer verkaufst.

Außerdem: Mit Aktien erwirbst du ein Mitspracherecht auf der jährlichen Hauptversammlung. Da kommen Aktionär*innen und die Führungsriege des Unternehmens zusammen. Du darfst dann beispielsweise über die Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats mitentscheiden. Mehr zum Thema Aktien erklären wir dir in unserem Artikel: „Wie funktionieren Aktien?“.

In Deutschland gibt es insgesamt acht Wertpapierbörsen, zum Beispiel in Hamburg, Düsseldorf oder Stuttgart. Die wichtigste Börse ist aber die Frankfurter Börse. Außerdem gibt es zum Beispiel noch diese international wichtigen Börsen:

  • New York Stock Exchange (NYSE), meist bekannt nach dem Straßennamen ihres Sitzes in der Wall Street.
  • London Stock Exchange
  • Tokyo Stock Exchange 
Touristen fotografieren die Frankfurter Börse
© gettyimages/Manfred Gottschalk  Bereits im Jahr 1820 wurde an der Frankfurter Börse die erste Aktie gehandelt.

Eine kurze Geschichte der Börse

Wieso heißt ein Handelsplatz für Wertpapiere eigentlich „Börse“? Nun, der Begriff Börse im Sinne von „Geldbörse“ stammt ursprünglich aus dem Griechischen: býrsa (βύρσα) beschreibt das Fell oder die abgezogene Haut eines Tieres. Im Mittellateinischen wurde daraus bursa: der (Leder)beutel.

Vom lateinischen bursa leitet sich wohl auch der Name der Kaufmannsfamilie Van der Beurse ab (auch Beurze oder Buerse geschrieben): Ihr Familienwappen zieren drei Geldbeutel. Vor dem Haus dieser Familie in Brügge fanden ab der Mitte des 13. Jahrhundert regelmäßig geschäftliche Treffen statt – gewissermaßen die erste Börse. Und genau diesem Haus „ter Beurse“ haben wir unsere heutige Bezeichnung „Börse“ zu verdanken.

Als Gründungstag der Frankfurter Börse gilt übrigens der 9. September 1585: An diesem Datum legten Frankfurter Kaufleute zum ersten Mal gemeinsam einheitliche Wechselkurse fest. Diese Absprache war bedeutsam, weil es im 16. Jahrhundert im Deutschen Reich keine einheitliche Währung gab. Die erste Aktie wurde in Frankfurt im Jahre 1820 gehandelt, und zwar Anteile der Österreichischen Nationalbank.

Informationen in Echtzeit

Informationen in Echtzeit

Die Börse war schon immer auf schnelle, möglichst aktuelle Informationen angewiesen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts stand in der alten Frankfurter Börse deswegen ein Telegrafenbüro. Heutzutage sind die Kurse natürlich online einsehbar, und zwar in Echtzeit.

An der Börse handeln

Wenn die Börse in Filmen vorkommt, dann sind da oft Menschen vor vielen Bildschirmen, die mal mehr und mal weniger hektisch telefonieren. Diese Szenen spielen auf dem sogenannten Börsenparkett – und das gibt es auch in Frankfurt. Im Gebäude der Frankfurter Börse beaufsichtigen Spezialist*innen den Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Allerdings gibt es seit dem Jahr 2011 in Frankfurt keinen Parketthandel (auch Präsenzhandel genannt) mehr. Als Privatperson kannst du vor Ort in Frankfurt also keine Aktien kaufen.

Mittlerweile finden nämlich etwa 90 Prozent des Aktienhandels in Deutschland nicht auf dem Parkett statt, sondern online. Dazu dient der virtuelle Börsenhandelsplatz Xetra. Von montags bis freitags von 9:00 bis 17:30 kannst du bequem von zu Hause aus über Xetra alle Arten von Wertpapieren kaufen oder verkaufen.

Wo wir gerade beim Kaufen sind: Wie kommen denn die Preise für Aktien zustande? Das geschieht durch Angebot und Nachfrage: Wenn besonders viele Menschen Aktien eines bestimmten Unternehmens kaufen, sind weniger Aktien des Unternehmens an der Börse verfügbar. Dann ist die Nachfrage groß, aber das Angebot ist klein, der Preis der Aktie steigt – und damit auch der Kurs. Das Gegenteil passiert, wenn weniger Menschen Interesse daran haben, Aktien eines Unternehmens zu kaufen, und deswegen mehr dieser Aktien an der Börse verfügbar sind. In diesem Fall gibt es ein großes Angebot, aber geringe Nachfrage: Die Aktie ist dann weniger wert und der Kurs sinkt. 

Mehrere Menschen beobachten Finanzdaten auf Bildschirmen und telefonieren
© istock/Rawpixel/2016  Kann schon mal hektisch werden: Spezialist*innen reagieren innerhalb von Sekunden auf Veränderungen an der Börse.

Besonders wichtig ist, dass es bei den Preisen an der Börse fair und transparent zugeht. Zum Beispiel soll so Insider-Handel verhindert werden. Insider-Handel bedeutet, dass Menschen interne Informationen aus Unternehmen nutzen oder weitergeben, um sich einen unfairen Vorteil an der Börse zu verschaffen.

Das kann zum Beispiel passieren, wenn Angestellte schon wissen, dass ein neues Projekt nicht den gewünschten Gewinn bringt und die Aktie an Wert verlieren wird, sobald diese Information öffentlich wird. Um diese Fairness und Transparenz zu garantieren, unterliegen Börsen der Börsenaufsicht der Bundesländer – für die Frankfurter Börse ist also Hessen zuständig.

Übrigens: Es gibt auch Handel mit Wertpapieren außerhalb der Börse, den sogenannten OTC-Handel (OTC steht für „over the counter“: über den Tresen). Dabei fallen zwar manchmal niedrigere Gebühren an, aber der außerbörsliche Handel unterliegt nicht der strengen staatlichen Kontrolle und ist deswegen oft intransparent. 

Wenn Unternehmen an die Börse gehen

Wenn Unternehmen an die Börse gehen

Ein großes Ereignis an der Börse sind immer sogenannte Börsengänge (oder, auf Englisch, IPOs: Initial Public Offerings). Ein Börsengang bedeutet, dass ein Unternehmen zum ersten Mal an der Börse Aktien anbietet. Im Jahr 2022 ist zum Beispiel Porsche an die Börse gegangen.

Unternehmen erhoffen sich vom Aktienverkauf in erster Linie frisches Geld, mit dem sie beispielsweise teure Projekte umsetzen oder sich neue Absatzmärkte erschließen wollen. Bei einem Börsengang stellt sich deswegen immer die spannende Frage: Wie begehrt werden diese neuen Aktien? Kann das Unternehmen viel Geld einnehmen, weil viele Investor*innen sich schnell Aktien sichern wollen, oder versauern die Aktien in den virtuellen Regalen?

Aktien kaufen für Anfänger*innen: Eine Order aufgeben

Was machen nun Privat-Anleger*innen, die an der Börse handeln möchten? Bevor du online auf Xetra loslegen kannst, benötigst du ein Wertpapierdepot. Das ist eine Art Konto, nur für Aktien. Darüber kannst du Aktien kaufen und verkaufen – oder, in der Sprache der Börse: eine Order aufgeben.

Um eine Order aufzugeben, musst du ein paar Dinge eintragen: Zunächst brauchst du die eindeutige Identifikation der Aktie, die du kaufen möchtest. Das ist entweder die Wertpapierkennnummer (WKN) oder die Identifikationsnummer (ISIN). Beides kannst du über dein Depot oder auch über Xetra finden.

Außerdem musst du dir die Stückzahl überlegen, also wie viele Aktien du kaufen oder verkaufen möchtest, und an welcher Börse du die Order konkret durchführen willst.

Video: Die erste Order aufgeben

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© Börse Frankfurt 

Weitere Informationen zur Frage, wie du am besten in den Aktienhandel einsteigen kannst, zum Beispiel auch zum Thema Gebühren, findest du in unserem Artikel: „Gewusst wie: Aktien kaufen für Anfänger“.

Dax: Der deutsche Leitindex

Die tagesaktuellen Entwicklungen an der Börse sind nicht nur für interessierte Privat-Anleger*innen wichtig. In den Nachrichten spielt die Frage, wie es an der Börse gerade steht, oft eine große Rolle. Aber woher kommen solche generellen Einschätzungen?

Zentral für die Antwort nach dem Zustand der Börse ist der Dax. „Dax“ steht für „Deutscher Aktienindex“. In einem Index (Mehrzahl: Indizes) sind die Aktien mehrerer Unternehmen zusammengefasst. Beim Dax handelt es sich um Aktien der 40 größten und umsatzstärksten Unternehmen am deutschen Aktienmarkt. Zu diesen Unternehmen gehören zum Beispiel Siemens oder Volkswagen.

Gemessen wird der Dax in Punkten – im Sekundentakt: Wenn Einzelaktien im Dax an Wert gewinnen, steigt auch die Punktzahl des Dax an, bei Verlusten sinkt sie. Die Aktien dieser 40 Unternehmen bilden etwa 90 Prozent der Börsenumsätze in deutschen Aktien. Deswegen gilt der Dax als der deutsche „Leitindex“ – seine Punktzahl zeigt stellvertretend, ob die Aktien der wichtigsten deutschen Unternehmen an der Börse gerade gut im Kurs stehen – oder eben nicht.

Auch andere Länder haben einen oder mehrere wichtige Indizes, deren Namen du vielleicht schon einmal in den Nachrichten gehört hast, zum Beispiel der US-amerikanische Dow Jones, der britische FTSE 100, der japanische Nikkei 225 oder der weltweite MSCI World. Wenn du solche Indizes im Auge behältst, hast du immer einen guten Überblick darüber, wie sich der Handel an der Börse aktuell entwickelt. 

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