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Kredit und Darlehen: Gibt’s da eigentlich einen Unterschied?

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 21.03.2019

Wer sich fremdes Geld leiht und es später mit Zinsen zurückzahlt, der nimmt einen Kredit auf. Oder nennt man das ein Darlehen? Im normalen Sprachgebrauch gehen beide Begriffe oft durcheinander. Aber haben sie wirklich die gleiche Bedeutung? Oder gibt es doch einen Unterschied, den aber nur Experten kennen und verwenden? Gute Frage. Hier kommt die Antwort.

 

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Klar ist: In jedem Fall geht es um geliehenes Geld

Banken, Sparkassen und andere Geldinstitute rühren ihre Werbetrommeln oft für Kredite oder Darlehen. Mal preisen sie einen preiswerten Autokredit an, mal ein zinsgünstiges Immobiliendarlehen. Aber warum heißt es in dem einen Fall so und in dem anderen so? Ist es egal, ob es um einen Kredit oder um ein Darlehen geht? Oder gibt es einen Unterschied zwischen den Begriffen? Und wenn ja, ist er für die Kunden wichtig?

So viel jedenfalls ist sicher: Um einen Kredit beziehungsweise ein Darlehen geht es, wenn sich jemand vorübergehend einen gewissen Betrag borgt – etwa von einer anderen Person oder von einer Bank. Zum Beispiel dann, wenn er sich einen Wunsch erfüllen will, für den er selbst gerade kein Geld übrig hat.

Die geliehene Summe zahlt er irgendwann zurück. Hinzu kommen Zinsen. Wie lange die Rückzahlung dauert und wie hoch die Zinsen sind, steht im entsprechenden Vertrag. Wer sich das Geld leiht, nimmt damit einen Kredit oder ein Darlehen auf. Anders ausgedrückt: Er macht Schulden, die er später vereinbarungsgemäß begleicht. Das wäre damit geklärt. Der Unterschied zwischen Kredit und Darlehen aber noch nicht.

Kredit aufnehmen? Das sollte jeder dazu wissen! 

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Das Gesetz kennt nur “Darlehen”

Ein Blick ins Bürgerliche Gesetzbuch hilft kaum weiter. Dort ist in den diesbezüglichen Paragrafen 488 bis 490 nur von Darlehen beziehungsweise Darlehensvertrag die Rede. Der Begriff „Kredit“ taucht darin überhaupt nicht auf.

Trotzdem gilt der Kredit im allgemeinen Sprachgebrauch als Oberbegriff für das zinspflichtige Leihen und Zurückzahlen von Geld. Die Bezeichnung Darlehen hingegen wird oft als Unterbegriff verwendet. Das bedeutet: Ein Darlehen ist immer ein Kredit, doch ein Kredit ist nicht immer ein Darlehen. Eine amtliche Begründung oder juristische Regel gibt es dafür jedoch nicht.

Laufzeit und Höhe der Geldaufnahme – ist das der Unterschied?

Ebenfalls wie von selbst eingebürgert haben sich zwei weitere Unterschiede. Sie betreffen zum einen die Laufzeit, und zum anderen die Höhe einer Geldaufnahme. Eine inoffizielle Richtschnur dazu sieht so aus:

Oft verwendeter Unterschied zwischen Kredit und Darlehen

Art der GeldaufnahmeDauer der GeldaufnahmeHöhe der Geldaufnahme
Krediteher kurzfristig und mittelfristig; bis zu vier, fünf Jahregering
Darleheneher langfristig; ab vier, fünf Jahrenhoch
   

Weil es aber auch für diese Einteilung weder eine gesetzliche noch eine andere konkrete Leitlinie gibt, ist sie Auslegungssache. Das heißt, der Übergang zum Beispiel zwischen kurzfristig, mittelfristig und langfristig lässt sich nicht richtig dingfest machen. Als Faustregel gilt aber häufig: Bis zu einer Laufzeit von vier bis fünf Jahren spricht man von einem Kredit. Was auf eine längere Dauer für die Rückzahlung ausgelegt ist, wird Darlehen genannt.

Ähnlich unscharf sieht es bei der Höhe des geliehenen Gelds aus. Wer es für einen neuen Fernseher oder ein Auto braucht, nimmt gemeinhin einen Kredit auf. Will er damit eine Wohnung oder ein Haus finanzieren, beansprucht er ein Immobilien-Darlehen. Manche Banken bezeichnen das allerdings auch als Immobilienkredit. Laufzeit und Summe einer solchen Vereinbarung taugen also auch nicht, um einen klaren Unterschied zu finden.

Ein jüngerer Mann im Business-Outfit sitzt gut gelaunt am Steuer eines Autos.
© iStock/nd3000/2017  Guter Grund für einen Kredit oder Darlehen: ein neues Auto

Den Kredit macht(e) die Unterschrift, das Darlehen erst die Überweisung

Aber einen Unterschied gibt es doch. Oder genauer gesagt: Es gab ihn. Und zwar bis Ende 2001. Zuvor basierte ein Darlehen im Gegensatz zum Kredit auf einem sogenannten Realkontrakt. Das bedeutete: Für den Gesetzgeber war ein Darlehen erst dann gültig, wenn die vereinbarte Summe auf dem Konto einging. Ein Kredit dagegen war es sofort, wenn der entsprechende Vertrag unterschrieben war. Womöglich liegt es daran, dass jedes Darlehen auch ein Kredit ist, ein Kredit aber nicht immer ein Darlehen.

Doch wie auch immer: Diese Unterscheidung zwischen Unterschrift und Geldüberweisung existiert heute nicht mehr. Seit dem 1. Januar 2002 kommt es nur noch auf den Vertragsabschluss an.

Fazit: Ob es Kredit oder Darlehen heißt, macht im normalen Sprachgebrauch keinen Unterschied. Beide Varianten sind zulässig und werden sogar von Banken oder Sparkassen uneinheitlich verwendet. Und für die Kunden ist es unterm Strich ebenfalls egal, ob sie einen Kredit oder ein Darlehen aufnehmen.

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