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Wechseln und Sparen? Was Sie beim Stromanbieterwechsel beachten müssen

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 08.07.2021

Schon gewusst? Nirgends auf der Welt ist der Strompreis höher als in Deutschland. Das heißt aber auch: Hier gibt es besonders viel zu sparen. Etwa indem Sie möglichst wenig Energie verbrauchen. Und Sie können prüfen, ob Sie den Stromanbieter wechseln. Andere Lieferanten haben vielleicht günstigere Tarife, oder sie locken mit einem Wechselbonus. Wann sich ein Wechsel lohnt, was Sie beachten müssen und welche Fallstricke es gibt – die KlarMacher verraten es Ihnen.

Themen in diesem Artikel

Lohnt sich ein Stromanbieterwechsel für mich?

Wenn Sie wissen wollen, wie viel Sie durch einen Stromanbieterwechsel sparen können, müssen Sie Ihren Jahresverbrauch kennen. Den finden Sie auf Ihrer letzten Jahresabrechnung. Darauf stehen zum einen die verbrauchten Kilowattstunden sowie der zugehörige Arbeitspreis. Und zum anderen alle weiteren Kosten, inklusive der Grundgebühr – dem sogenannten Grundpreis. 

Der nächste Schritt führt Sie ins Internet: Sie finden eine Vielzahl an Tarifrechnern und Vergleichsportalen, die auf den Stromanbieterwechsel spezialisiert sind. Dort geben Sie Ihre Postleitzahl sowie den ermittelten Jahresverbrauch ein. Wenige Sekunden später wird Ihnen eine Liste mit den günstigsten Energieversorgern für Ihre Region angezeigt.

So verdienen Vergleichsportale ihr Geld

So verdienen Vergleichsportale ihr Geld

Die Nutzung von Vergleichsportalen ist für Sie kostenlos. Die Portale finanzieren sich über Provisionen von Anbietern oder über Werbung. Beachten Sie, dass Sie einen Energieliefervertrag mit dem Stromanbieter abschließen, nicht mit dem Vergleichsportal. Folglich sollten Sie Tarife und Konditionen vor Abschluss eines Vertrags mit den Angaben auf der Internetseite des Anbieters abgleichen.

Mehr dazu finden Sie im Artikel „Vergleichsportale: So sparen Sie damit wirklich!“

Vergleichen Sie die berechneten Kosten des Vergleichsportals mit ihrer letzten Jahresabrechnung. So sehen Sie, wie viel Sie bei welchem Stromanbieter sparen würden. Aber: Auf keinen Fall sofort zuschlagen! Denn es gibt einiges, worauf Sie beim Wechseln des Stromanbieters achten müssen, damit sich der vermeintliche Spareffekt nicht in Luft auflöst.

Was muss ich beim Stromanbieter-Vergleich beachten?

Die meisten Vergleichsportale haben voreingestellte Filter, sodass nicht immer die besten Angebote ganz oben erscheinen. Deshalb sollten Sie bei den folgenden Punkten ganz genau hinzuschauen.

Boni und Wechselprämien

Es herrscht ein reger Konkurrenzkampf unter den Stromanbietern. Deshalb locken viele Energieversorger mögliche Neukund*innen mit einmaligen Boni oder Wechselprämien. Doch bezüglich Bonuszahlungen beim Stromanbieterwechsel sollten Sie auf der Hut sein. 

Oft ziehen die Vergleichsportale die Wechselprämien vom angezeigten Strompreis ab. Das heißt: Die wahren Strompreise sind höher. Denn die Boni gelten meistens ausschließlich im ersten Vertragsjahr, ab dem zweiten Vertragsjahr kann der Tarif dafür umso teurer sein.

Vorsicht: Belieferungszeit ist nicht dasselbe wie Vertragslaufzeit!

Vorsicht: Belieferungszeit ist nicht dasselbe wie Vertragslaufzeit!

Selbst wenn Sie Ihren Stromvertrag erst nach der geforderten Mindestlaufzeit von zwölf Monaten kündigen, kann der Neukundenbonus unter Umständen trotzdem verfallen. Denn die Bonuszahlung gilt oftmals nicht bei einer Vertragslaufzeit, sondern einer Belieferungszeit von zwölf Monaten. Der Vertrag wird aber in der Regel abgeschlossen, bevor tatsächlich der Strom des neuen Anbieters fließt.

Lesen Sie also unbedingt die Bonusbedingungen im Kleingedruckten, bevor Sie ihren Stromanbieter wechseln. Ist der Bonus an die Vertragslaufzeit gebunden, ist Ihnen die Auszahlung nach zwölf Monaten sicher.

Stellen Sie den Filter auf dem Vergleichsportal Ihrer Wahl so ein, dass Bonuszahlungen nicht bei der Preisberechnung berücksichtigt werden. Dann können Sie die tatsächlich anfallenden Kosten einfach und unkompliziert vergleichen – auch über das erste Jahr hinaus.

Der Strompreis pro Kilowattstunde und der Grundpreis sind auch langfristig und ohne Boni günstiger als Ihr jetziger Tarif? Dann können Sie nun danach gucken, wer Ihnen zusätzlich noch eine Prämie für den Wechsel anbietet – und wie hoch diese ausfällt. Achten Sie aber darauf, dass im Kleingedruckten keine weiteren Bedingungen stehen, die Ihnen in den Folgejahren – im wahrsten Sinne des Wortes – einen Strich durch die Rechnung machen. 

Kündigungsfrist und Vertragslaufzeit

Apropos Folgejahre: Es bringt Ihnen keinen Vorteil, wenn Sie sich von vornherein besonders lange an einen Energieanbieter binden. Eine lange Vertragsdauer bedeutet keine günstigeren Strompreise. Es gibt keinen „Treuerabatt“ wie zum Beispiel bei manchen Club-Mitgliedschaften, die bei längeren Laufzeiten niedrigere Monatsbeiträge nehmen.

Ein Mann und zwei Frauen trainieren auf Laufbändern in einem Fitnessstudio
© istock/Tempura/2019  Im Fitnessstudio gilt: Je länger der Vertrag läuft, desto günstiger. Beim Stromanbieter gilt das nicht.

Die Strompreise beim neuen Anbieter sind in etwa gleich – Sie wollen aber von den Wechsel-Boni profitieren? Dann suchen Sie am besten nach Tarifen mit einer Mindestvertragslaufzeit von maximal zwölf Monaten. Des Weiteren sollte die Kündigungsfrist höchstens einen Monat betragen, sodass Sie stets flexibel bleiben.

Hinweis: Falls Sie in den Sucheinstellungen eines Vergleichsportals nicht die Bedingungen zu Mindestvertragslaufzeit und Kündigungsfrist filtern können, entscheiden Sie sich besser für ein anderes Vergleichsportal.

Zahlungsfrequenz und Abschlagszahlungen

In der Regel verlangen Stromanbieter zwölf monatliche Zahlungen, die sogenannten Abschläge. Die Höhe der Abschlagszahlung richtet sich nach dem Jahresverbrauch, wie Sie ihn im Voraus angeben. Dabei bedeuten niedrige Abschläge nicht, dass auch der Strompreis niedrig ist. Denn am Ende des Jahres gibt es eine Endabrechnung. Zu der ist jeder Stromanbieter verpflichtet.

In der Jahresabrechnung werden die Abschlagszahlungen dem tatsächlichen Verbrauch gegenübergestellt. Wenn Sie Ihren Jahresverbrauch bei Vertragsabschluss zu niedrig angesetzt haben, müssen Sie den Rest nachzahlen. Das heißt im Umkehrschluss: War Ihr tatsächlicher Stromverbrauch niedriger als geplant, erhalten Sie eine Rückzahlung.

Achtung: Bei manchen Anbietern zahlen Sie nicht für einen Monat, sondern für einen längeren Zeitraum im Voraus. Wenn Sie ihre Stromkosten in nur einer Zahlung für ein gesamtes Jahr vorschießen sollen, spricht man von einem Vorkasse-Tarif.

Das Problem: Wenn ein Energieanbieter insolvent geht, erhalten Sie Ihre Abschlagszahlung in der Regel nicht zurück. Deshalb sollten Sie unnötige Vorauszahlungen oder Vorkasse-Tarife vermeiden, indem Sie auf Vergleichsportalen ausschließlich nach Stromtarifen mit einer monatlichen Abschlagszahlung suchen. Übrigens: Ihre Stromversorgung ist bei der Pleite Ihres Anbieters gesichert – die übernimmt der örtliche Grundversorger.

Video: Entwicklung der Stromkosten für private Haushalte

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© Verbraucherzentrale Bundesverband 

Darf der Stromanbieter meinen Wechsel ablehnen?

Kurz und schmerzlos: Ja. Stromanbieter dürfen Neukund*innen ablehnen – und sie machen von diesem Recht durchaus Gebrauch. Zum Beispiel aus den folgenden Gründen:

  1. Laufende Verträge: Wenn Ihr bestehender Energieliefervertrag eine Restlaufzeit von mehreren Monaten hat, wird ein neuer Stromanbieter den Wechsel vermutlich ablehnen.
  2. Verpasste Fristen: Die Frist zum Wechsel des Stromanbieters ist in Ihrem bestehenden Vertrag festgehalten. Wechseln Sie zu spät, verlängert sich ihr Vertrag, und der neue Stromanbieter lehnt den Wechsel ab.
  3. Mangelnde Bonität: Der Stromanbieter darf die Bonität von potenziellen Neukund*innen prüfen. Kund*innen mit schlechtem Schufa-Score können abgelehnt werden.
  4. Falsche Angaben: Sie haben einen Tippfehler bei Ihrer Anschrift oder Zählernummer gemacht und Ihr Stromanschluss konnte nicht gefunden werden? Wenn dem Energieversorger die falschen Daten vorliegen, kann der Wechsel nicht erfolgen. Durch Korrektur der fehlenden oder falschen Angaben ist dieses Problem meist schnell behoben.

Was passiert, wenn ein Stromanbieter den Wechsel ablehnt?

Was passiert, wenn ein Stromanbieter den Wechsel ablehnt?

Beim Anbieterwechsel besteht kein Risiko, dass Sie plötzlich im Dunkeln sitzen. Lehnt ein Stromanbieter den Wechsel ab oder kommt es aus anderen Gründen zur Verzögerung, werden Sie vom sogenannten Grundversorger Ihres Ortes beliefert.

Darüber hinaus kann es vorkommen, dass ein Stromanbieter den Wechsel unbegründet ablehnt. Und das darf er auch. Denn in Deutschland gilt „Vertragsfreiheit“, das heißt: Es besteht kein Abschlusszwang, der Energieversorger muss einen Auftrag also nicht annehmen.

Laut Stiftung Warentest werden insbesondere Kund*innen mit einem sehr hohen Jahresverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden abgelehnt. Des Weiteren seien Rückkehrer*innen überdurchschnittlich oft betroffen. Zudem sollen Bonusjäger*innen, die jährlich ihren Stromanbieter wechseln, nicht bei jedem Energieanbieter mit offenen Armen aufgenommen werden.

Gehören Sie zu den Kund*innen, die jährlich wechseln und die größtmöglichen Prämien mitnehmen wollen? Dann können Sie einer Ablehnung beim Wechsel des Stromanbieters vorbeugen: Kündigen Sie Ihren aktuellen Vertrag fristgerecht und fordern Sie den ehemaligen Versorger auf, personenbezogenen Daten zu löschen und intern zu sperren. Somit kann und darf ein neuer Stromanbieter Ihre Daten nicht zur Kundenauswahl verwenden.

Häufige Fragen: Worauf muss ich beim Stromanbieterwechsel achten?

Mit dem Strompreis allein ist es nicht immer getan. Auch diese Fragen stellen sich rund um das Thema Stromanbieterwechsel:

Wie wechsle ich meinen Stromanbieter? 

Wenn Sie sich für einen Stromanbieter entschieden und dort einen Vertrag geschlossen haben, läuft alles Weitere von selbst. Ihr neuer Anbieter übernimmt sowohl die Kündigung des alten Vertrags als auch die Ummeldung beim Netzbetreiber.

Der Wechsel des Stromanbieters ist ein rein formaler Vorgang. Es muss weder ein*e Techniker*in kommen noch der Stromzähler oder die Verkabelung ausgetauscht werden. Sie benötigen lediglich Ihre Zählernummer sowie den Zählerstand zum Wechselzeitpunkt.

Muss ich beim Stromanbieterwechsel auf eine Preisgarantie achten? 

Nein. Ein Stromtarif mit Preisgarantie bietet Ihnen keinen entscheidenden Vorteil – vor allem rechtfertigt er keinen teureren Tarif. Im Fall einer Preiserhöhung haben Sie immer ein Sonderkündigungsrecht und können zu einem günstigeren Anbieter wechseln. 

Wie lange dauert der Wechsel des Stromanbieters?

Der Wechsel sollte nicht länger als zwei bis drei Wochen dauern. Doch selbst wenn sich der Stromanbieterwechsel hinauszögert, sitzen Sie nicht plötzlich im Dunkeln. Im Zweifel springt der Grundversorger in der Übergangszeit ein. 

Welche Kündigungsfristen gibt es beim Stromanbieterwechsel?

Die Kündigungsfrist ist im Stromvertrag mit Ihrem Anbieter geregelt. Je nach Tarif und Stromanbieter gibt es unterschiedliche Vertragsmodelle, Laufzeiten und Kündigungsfristen. Sehen Sie in Ihrem Vertrag nach welche Kündigungsfrist für Sie gilt. Davon unabhängig haben Sie immer ein Sonderkündigungsrecht, wenn ihr Stromanbieter die Preise erhöht. 

Mit dem Wechsel des Stromanbieters Geld sparen | Mein Nachmittag | NDR

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Stromanbieterwechsel nach Umzug: Wie lang ist Kündigungsfrist?

Wenn Sie gerade in eine neue Wohnung gezogen oder ihren Anbieter noch nie gewechselt haben, werden sie höchstwahrscheinlich durch den Grundversorger Ihres Wohnorts beliefert. In diesem Fall garantiert der Gesetzgeber eine Kündigungsfrist von 14 Tagen.

Funktioniert der Wechsel des Stromanbieters auch automatisch? 

Es gibt Dienste, die sich auf Wunsch eigenständig um die Optimierung Ihres Stromtarifs kümmern. Solche Dienste nennen sich Wechselservice oder Wechselbot. Zu den bekanntesten zählen Switch Up oder Wechselpilot. Ihr Angebot reicht von unverbindlichen Tarifvorschlägen bis hin zum jährlichen automatisierten Stromanbieterwechsel.

Ein Wechselservice ist bequem, weil Sie sich nicht selbst um den Anbietervergleich, Kündigungsfristen und Vertragsabwicklung kümmern müssen. Die größten Ersparnisse beim Stromanbieterwechsel erzielen Sie jedoch, wenn Sie selbstständig regelmäßig wechseln.

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