Ein Kleinkind badet in einem Spülbecken
Sparen

Am falschen Ende gespart: Warum geringer Verbrauch die Wasserkosten in die Höhe treibt

Symbolbild Leuchtturm
von Redaktion KlarMacher, 06.02.2019

Kinder lernen es von klein auf: Beim Zähneputzen wird das Wasser ausgestellt, beim Einseifen unter der Dusche sowieso. Und wer gönnt sich noch den Luxus eines entspannten Bades? Was viele nicht wissen: Wassersparen ist in Deutschland sinnlos. Außerdem trägt es dazu bei, dass die Kosten pro Liter steigen. Wer der globalen Wasserkrise entgegenwirken will, sollte sich auf einen anderen Aspekt konzentrieren: den virtuellen Wasserverbrauch.

 

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Paradoxe Rechnung: Geringer Wasserverbrauch führt zu Preiserhöhungen

Der Wasserverbrauch in Deutschland ist in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gesunken: von 150 Litern pro Tag und Kopf auf aktuell weniger als 130 Liter. Wir sammeln Regenwasser, um damit den Garten zu gießen, tauschen Waschmaschinen und Geschirrspüler gegen neue, wassersparende Modelle und wundern uns: Unsere Wasserrechnung sinkt nicht. 

Das hat einen einfachen Grund: Mit unserer Rechnung zahlen wir nämlich nicht nur die Menge an Wasser, die wir verbrauchen. Wir zahlen auch für die Erhaltung der Infrastruktur, die Wasseraufbereitung und das Personal, was dafür notwendig ist. Und diese Kosten sinken nicht etwa mit dem abnehmenden Wasserverbrauch, sie steigen eher noch an!

Teurer Planungsfehler: Wasserversorgungsnetz ist überdimensioniert

Um das zu verstehen, muss man die Hintergründe kennen: Das gesamte deutsche Wasserversorgungsnetz, die Wasserwerke, Kläranlagen und die Kanalisation wurden nach Prognosen aus den 1970er Jahren geplant. Damals ging man davon aus, dass der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch etwa auf das Doppelte von dem ansteigt, was wir heute tatsächlich verbrauchen. 

Und nicht nur hinsichtlich des privaten Verbrauchs lagen die Vorhersagen daneben: Im industriell-gewerblichen Bereich wurde der Wasserverbrauch noch radikaler gesenkt. In deutschen Unternehmen wird ein Tropfen Wasser viel effizienter genutzt als vor 40 Jahren, nämlich im Schnitt fast sechsmal. 

Die Prognosen haben sich also nicht bewahrheitet und in der Folge ist das Wasserversorgungsnetz aus heutiger Sicht vollkommen überdimensioniert.

Riesige blaue Rohre in einem Wasserwerk
© iStock/AvailableLight/2015  Die Wasserwerke wurden auf Basis der Prognosen aus den 1970er Jahren gebaut. Für den heutigen Verbrauch sind sie überdimensioniert.

Nun könnte man meinen, zu große Leitungen seien doch besser als zu kleine und eigentlich sei es doch sowieso egal, wie viel Wasser durch die Rohre fließt. Doch dem ist nicht so:

  • Bei zu langsamer Fließgeschwindigkeit können sich Keime in den Leitungen bilden.
  • Stehendes Wasser führt zu Korrosion in den Rohren.
  • Zu geringe Abwassermengen spülen nicht mehr alle Ablagerungen aus der Kanalisation. Die Folge: Bildung von Schwefelsäure. Daraus resultieren Schäden und ein unangenehmer Fäulnisgestank.
  • In manchen Gegenden wird so wenig Grundwasser entnommen, dass der Grundwasserspiegel steigt und sogar von unten in Häuser drückt.

Um diesen Auswirkungen vorzubeugen, spülen die Wasserversorger Rohre und Kanäle regelmäßig mit großen Mengen an Trinkwasser durch. Besser wäre es natürlich, das gesamte Wasserversorgungsnetz rückzubauen und dem tatsächlichen Verbrauch anzupassen. Aber: Das ist teuer!

Falsche Annahme: Wasserverbrauch bestimmt die Kosten nur zum Teil

Tatsächlich bestimmt der Wasserverbrauch die Wasserrechnung nur zu einem Drittel. Der Rest sind feste Kosten für die Infrastruktur, Wasseraufbereitung und Personalkosten und fallen immer an. Wird weniger Wasser verbraucht, müssen die Rohre öfter mit Trinkwasser gespült werden – und das Geld dafür holen sich die Wasserversorger über einen höheren Kubikmeterpreis einfach von den Verbrauchern zurück. So verrückt es klingt: Der Wasserpreis bleibt stabil, solange der Wasserverbrauch stabil bleibt.

Zwei Kinder angeln bei Regen am See
© iStock/marcduf/2015  In Deutschland regnet es genug, deshalb brauchen wir kein Wasser zu sparen.

Gegenteiliger Effekt: Wassersparen in Deutschland ist noch sinnlos

Ja, Wasser ist kostbar. Und nein, Wasser sollte nicht unnütz verschwendet werden. Alles richtig. Aber: Deutschland ist keine Wüste und hat genug Wasser. Wasserknappheit, wie sie im Dürresommer 2018 in einigen Regionen Deutschlands aufgetreten ist, gehört zu den historischen Ausnahmen. Im Schnitt fallen bei uns im Jahr knapp 190 Milliarden Kubikmeter Wasser in Form von Niederschlag, von denen nur ein geringer Anteil in den Haushalten landet. Der weitaus größte Teil versickert als Grundwasser im Boden und kehrt damit wieder in den Wasserkreislauf zurück.

Es wäre ein großer Schritt, wenn man dieses reichlich vorhandene Nass in weniger begünstigte Gegenden umleiten könnte. Leider ist das (noch) nicht möglich: Nach dem langen Weg durch eine Pipeline wäre das Wasser verschmutzt und mit Keimen belastet und müsste vor dem Gebrauch aufwendig aufbereitet werden. Trotzdem sollte nun niemand Wasser unsinnig verschwenden. Aber den Genuss eines Vollbades kann man sich hin und wieder ohne schlechtes Gewissen durchaus gönnen.

Virtueller Wasserverbrauch: Strategischer Konsum hilft global

Viel mehr Aufmerksamkeit verdient ein ganz anderer Aspekt: der sogenannte virtuelle Wasserverbrauch. Dabei geht es darum, wie viel Wasser für die Herstellung von Produkten genutzt wird, die wir kaufen. Und die möglicherweise in Regionen produziert werden, wo Wasser eine knappe Ressource darstellt. Tomaten aus Spanien, der tägliche Fleischgenuss oder auch das Baumwoll-T-Shirt: All das kostet in der Herstellung eine Menge Wasser. Bis zu 4.000 Liter “verbrauchen” wir auf diese Art – pro Tag!

Chinesische Frauen sitzen in einer Textilfabrik und nähen
© iStock/kzenon/2013  Die Textilindustrie in China verbraucht (zu) viel Wasser, denn gerade im Reich der Mitte ist diese Ressource knapp.

Der WWF (World Wildlife Fund) hat in seiner Studie “Das importierte Risiko” identifiziert, welche Branchen in welchen Ländern das Wasserrisiko erhöhen. Dazu gehören die ...

  • Textil- und Bekleidungsindustrie in China, Bangladesch und Indien,
  • Rohstoffe und Metalle in Russland, Libyen und Südafrika,
  • Landwirtschaft in Äthiopien, Indonesien und Argentinien,
  • Chemikalien in China, Indien und Marokko.

Wer einen Beitrag zur Entschärfung der globalen Wasserkrise leisten will, sollte also vor allem eines: aufmerksam einkaufen! Eine Hilfestellung dabei kann die App Virtual Water leisten. Mit der Anwendung können Sie den virtuellen Wasserverbrauch von 33 Lebensmitteln berechnen und so einen Eindruck davon bekommen, wie wassersparender Konsum funktionieren kann. Verfügbar für iOS 4.3 oder höher. Kostenpunkt: 2,29 Euro.

Sie besitzen ein Android-Smartphone? Dann hilft Ihnen die App Go Robot – Save Virtual Water weiter. Auch hier sehen Sie den Wasserverbrauch der Artikel auf Ihrer Einkaufsliste. Außerdem gibt das Programm wertvolle Tipps und lädt zu einem Quiz ein.

Video: Virtuelles Wasser einfach erklärt

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