Mann im Geschäftsanzug trägt Kopfhörer und tanzt auf der Straße
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Schaltjahr: Warum sich darüber meistens nur der Chef freut

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 22.01.2020

Alle vier Jahre ist es wieder soweit: Im Kalender steht ein Tag mehr als sonst, nämlich der 29. Februar. Was man alles an diesem Tag machen kann ... Erst recht, wenn es – wie 2020 – ein Samstag ist, an dem viele nicht arbeiten müssen. Doch die Freude kann verfrüht sein. Zwar gibt es in dem Schaltmonat einen Tag mehr zum Geldausgeben. Aber nicht mehr Gehalt. Das Budget für den Februar muss sogar 24 Stunden länger reichen als sonst. Der Zusatztag hat also nicht nur Vorteile. Die KlarMacher zeigen: Wer profitiert und wer zahlt drauf in einem Schaltjahr?

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Arbeitnehmer: Der Monatslohn bleibt derselbe

Die Verlierer des zusätzlichen Tages sind schnell ausgemacht: Arbeitnehmer mit einem festen  Monatsgehalt. Denn das bleibt dasselbe, egal, wie lang der Monat ist. Das heißt: Extra arbeiten ohne extra Lohn. Das gilt auch 2020, obwohl der 29. Februar ein Samstag ist, an dem viele Arbeitnehmer frei haben. Denn er schiebt alle folgenden Tage um einen Tag nach hinten: Was normalerweise ein Sonntag gewesen wäre, ist dann ein Montag. Am Ende des Jahres steht deshalb unterm Strich ein Werktag mehr.

Aber zum Trost: Trotz Schaltjahr ist der Februar immer noch kürzer als alle anderen Monate. Sie brauchen also weniger Werktage für Ihr Gehalt zu arbeiten.

Übrigens: Am längsten müssen Arbeitnehmer durchschnittlich im Juli und August für ihren Lohn ran. Denn beide Monate haben 31 Tage und keine bundesweiten Feiertage (allerdings regionale wie Mariä Himmelfahrt oder das Hohe Friedensfest in  Augsburg).

Automechaniker wischt sich den Schweiß von der Stirn
© istock/skynesher/2019  Für die Arbeit am zusätzlichen Tag erhalten Angestellte normalerweise keinen Cent extra.

Arbeitgeber: Die Lohnstückkosten sinken

Grund zur Freude an einem Schaltjahr haben vor allem viele Chefs. Sie sparen zwar nicht an Gehalt, denn das bleibt ja gleich. Aber ihre Angestellten kommen immerhin einen Tag mehr zur Arbeit. Und deshalb werden mehr Turnschuhe hergestellt, Kundenkontakte geknüpft, Stahl produziert, Kilometer Straße gebaut, Texte wie dieser geschrieben. Das heißt: Pro Arbeitsstunde, pro Turnschuh, Kundentelefonat, Tonne Stahl, Straßenkilometer und Text zahlen die Unternehmen unter dem Strich weniger. Oder wie die Experten es ausdrücken: Die Lohnstückkosten, also die Preise pro Produkt oder Dienstleistung, sinken.

Auch Selbstständige, Freiberufler und Angestellte mit Stundenlohn profitieren von einem Schaltjahr, weil sie einen Tag mehr zum Geldverdienen haben. Das hilft ihnen und den Unternehmen aber nur, wenn sie die zusätzlichen Waren und Dienstleistungen auch verkaufen können. Sicher ist das nicht: Die Arbeitnehmer haben im Schaltjahr zwar einen Tag mehr Zeit zum Ausgeben, aber nicht mehr Geld zum Ausgeben. Ihr Monatsgehalt bleibt ja schließlich gleich.

Warum eigentlich gibt es ein Schaltjahr?

Warum eigentlich gibt es ein Schaltjahr?

Astronomisch betrachtet dauert ein Jahr 365 Tage plus einen knappen viertel Tag. So lange nämlich braucht die Erde für eine komplette Runde um die Sonne. Unser Kalender kennt aber normalerweise nur 365 Tage. Nach vier Jahren mit vier überschüssigen Vierteltagen geht er also um einen Tag nach. Das wird mit dem zusätzlichen Tag im Schaltjahr wieder ausgeglichen.

Geburtstagskinder: Endlich mal ein „richtiger“ Geburtstag

Auch wer an einem 29. Februar geboren ist, kann jubeln. Zwar landet in seinem Portemonnaie nicht mehr Geld als sonst. Aber wenigstens kann er mal am „richtigen“ Tag Geburtstag feiern. Älter wird er allerdings auch in den übrigen Jahren. Für das Gesetz gilt dann der 1. März als Stichtag – zum Beispiel für die Volljährigkeit.

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