Ein Mann betankt sein Auto
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Energiesteuer: Wie hoch ist sie und wer bezahlt sie?

Anna Ostrowska
von Anna Ostrowska, 15.11.2022

Über die Preise für Energieträger wie Benzin, Diesel und Gas wird aktuell viel geredet: Krisen und Inflation treiben die Kosten in die Höhe, Tanken und Heizen sind deutlich teurer als zuvor. Das liegt aber nicht allein an den angestiegenen Preisen auf den Rohstoffmärkten. Einen wesentlichen Anteil daran hat auch die Energiesteuer. Was diese Steuer genau ist und wie sie sich in deinem Geldbeutel bemerkbar macht, erfährst du hier. 

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Was sind Energiesteuern?

Immer, wenn du an der Zapfsäule tankst oder der Abschlag auf deine Gasheizung abgebucht wird, bezahlst du die Energiesteuer. Und zwar automatisch. Fällig wird sie in erster Linie für Kraftstoffe wie Benzin oder Diesel und Heizstoffe wie Erdgas oder Heizöl. 

Die Energiesteuer ist eine indirekte Steuer. Das heißt: Du führst sie als Konsument*in nicht selbst ab, sondern die Anbieter müssen sie bezahlen. In der Praxis aber schlagen die die Steuer einfach auf deine Rechnung auf. Und damit steigt für dich der Preis an der Tankstelle oder beim Gasversorger doch um die Energiesteuer. Deren Einnahmen gehen übrigens an den Bund. 

Innerhalb des deutschen Steuerrechts gehört die Energiesteuer zu den sogenannten Verbrauchssteuern. Die werden – der Name verrät es schon – auf den Verbrauch von bestimmten Produkten erhoben. Dazu zählen neben Sprit, Gas und Heizöl beispielsweise auch Tabak (Tabaksteuer) und Kaffee (Kaffeesteuer).  Mehr zu den unterschiedlichen Steuerarten liest du in dem Artikel „Steuerarten: Welche Steuern gibt es in Deutschland?“ 

Die EU-Energiesteuerrichtline

Die EU-Energiesteuerrichtline

Vor 2006 galt in Deutschland die sogenannte Mineralölsteuer. Die heutige Energiesteuer wurde geschaffen, um die Energiesteuerrichtlinie der Europäischen Union (EU) von 2003 umzusetzen. Sie legt Mindeststeuerbeträge für alle EU-Staaten fest. Diese Vereinheitlichung soll unter anderem Wettbewerbsverzerrung verhindern. 

Wie hoch ist die Energiesteuer?

Geregelt ist die Höhe der Steuer im Energiesteuergesetz, das seit 2006 in Deutschland gilt. Demnach gibt es unterschiedliche Steuersätze, deren Höhe maßgeblich von der Energieart abhängt und von deren Verwendung.  

Im Energiesteuergesetz sind aktuell 21 verschiedene Steuersätze gelistet (und einige weitere, die nur in einem bestimmten Zeitraum gelten – dazu gleich mehr). Beispiel Kraftstoffe: Dabei wird nicht nur zwischen Benzin, Erdgas oder Flüssiggas unterschieden, sondern auch innerhalb der einzelnen Sorten. Ausschlaggebend ist dabei der jeweilige Schwefelgehalt. 

Hier ein paar Energiesteuersteuersätze, die für den privaten Verbrauch relevant sind (Stand: 2022): 

  • Benzin: 65,45 Cent pro Liter
  •  Diesel: 47,04 Cent pro Liter
  • Heizöl: 6,14 Cent pro Liter
  • Kohle: 0,33 Euro pro Gigajoule

Ein Beispiel für zeitlich befristet geltende Steuersätze ist der Steuersatz auf Erdgas. Er wurde von 31,30 Euro auf 13,90 Euro je Megawattstunde reduziert. Das gilt aber nur für Erdgas, das zum Autofahren verwendet wird. Der Grund: Weil Erdgas besser für die Umwelt ist als Benzin oder Diesel, soll es als Kraftstoff preislich attraktiver werden. Die befristete Vergünstigung gilt zunächst bis zum 31. Dezember 2023. Danach wird der Steuersatz Jahr für Jahr neu festgelegt – und teurer. 

Übrigens: Für Strom gilt die Stromsteuer – diese ist allerdings in einem eigenen Stromsteuergesetz geregelt.  

Benzin, Diesel und Gas in der Krise

Benzin, Diesel und Gas in der Krise

Aufgrund der anhaltenden Gaspreiskrise hat die Bundesregierung im Oktober 2022 Entlastungen beschlossen. Diese Maßnahmen haben allerdings nichts mit der Energiepreissteuer zu tun. Beschlossen wurde nämlich, die Umsatzsteuer auf Gas zu senken. Vom 1. Oktober 2022 bis zum 31. März 2024 gilt für Gas nicht mehr der reguläre Umsatzsteuersatz von 19 Prozent, sondern der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent.  

Welchen Anteil hat die Energiesteuer am Tankpreis?

Ist deine Tankfüllung also wegen der Energiesteuer so teuer? Jein, denn sie ist nur ein Faktor von mehreren, die die Kosten beeinflussen. Da ist zunächst der Preis des Treibstoffs selbst, der sogenannte Produktpreis: Er wird vom freien Markt bestimmt und ist maßgeblich vom aktuellen Kurs für Rohöl abhängig. Der Produktpreis macht etwa 40 Prozent des Gesamtpreises aus.  

Daneben fallen Kosten wie Transport an, die etwa zehn Prozent zum Gesamtpreis beitragen. Die verbleibenden 50 Prozent entfallen auf Steuern: Hier macht die festgelegte Energiesteuer pro Liter einen wesentlichen Anteil aus. Eine andere wichtige Steuer für den Benzinpreis ist die Umsatzsteuer (oft Mehrwertsteuer genannt). 

Eine Frau dreht am Regler ihrer Heizung
© istock/Vlad Yushinov/2021  0,64 Cent pro Liter: So viel Energiesteuer zahlst du für dein Heizöl

Ermäßigung und Befreiung bei der Energiesteuer

Nicht immer fällt die volle Energiesteuer an. So gibt es günstigere Steuersätze für vergleichsweise umweltschonende Energiearten. Das gilt zum Beispiel für den befristet reduzierten Steuersatz auf Erdgas (siehe oben). Weniger bezahlt auch, wer die Energie mittels der sogenannten Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) verwendet: Das sind Anlagen, die sowohl Strom (Kraft) als auch Wärme erzeugen, zum Beispiel Gasturbinen. 

Außerdem unterscheiden sich die Steuersätze – wie erwähnt – je nach Verwendungszweck der Energieträger: So ist zum Beispiel Gasöl zum Verheizen, also Heizöl, geringer besteuert als anderes Gasöl. Auch Unternehmen mit einem (zwangsläufig) sehr hohen Energieverbrauch – wie in der chemischen Industrie – zahlen eine vergünstigte Energiesteuer. 

Und es gibt sogar Fälle, in denen gar keine Energiesteuer gezahlt werden muss. Das betrifft laut Gesetz zum Beispiel einen Teil der Luftfahrt: Auf das Kerosin, das Airlines für die Beförderung von Personen oder Güter verwenden, fällt keine Energiesteuer an. 

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