Zwei junge Leute sitzen im Café und bezahlen mit Bitcoin per Smartphone
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Mit Bitcoin bezahlen: Wie geht das? Wo geht das?

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 21.09.2021

Immer wieder steigt der Bitcoin-Kurs auf neue Höchstmarken. Dadurch ist die älteste und bekannteste Kryptowährung vor allem zum Spekulationsobjekt geworden. Dabei war der Bitcoin doch ursprünglich als digitales Zahlungsmittel gedacht. Aber kann man überhaupt mit Bitcoin bezahlen? Und wenn ja, wie? Und wo wird die Kryptowährung als Zahlungsmittel überhaupt akzeptiert? Die KlarMacher verraten es Ihnen.

Themen in diesem Artikel

Wie bezahle ich mit Bitcoins?

Ganz egal, ob Sie in einem Onlineshop oder im Restaurant um die Ecke mit Bitcoin bezahlen wollen – Sie müssen sich vorbereiten:

Schritt 1: Bitcoins kaufen

Zuerst benötigen Sie natürlich Bitcoins, die Sie bei einer sogenannten Kryptobörse im Internet kaufen können. Was sich hinter dem Begriff Kryptobörse verbirgt und welche sich speziell für Einsteiger*innen eignen, erfahren Sie in unserem Artikel „Kryptowährung kaufen? Das müssen Sie wissen“.

Zum Start benötigen Sie ein Kundenkonto. Wie Sie damit Bitcoin & Co. erwerben, hängt von der Kryptobörse ab. Bei den meisten müssen Sie vorab Fiatgeld (= herkömmliches Geld wie Euro oder US-Dollar) auf ihr Kundenkonto einzahlen – in der Regel per Kreditkarte oder Banküberweisung. Zum Umtausch genügt dann ein einfacher Knopfdruck.

Bei einigen Anbietern können Sie Kryptowährungen direkt kaufen, ohne zuvor Geld einzuzahlen. Wie in einem Onlineshop wählen Sie eine Kryptowährung sowie die gewünschte Menge aus und bezahlen direkt per Kreditkarte oder Sofortüberweisung.

Außerdem gibt es noch Kryptobörsen, die wie klassische Handelsplattformen funktionieren. Hier zahlen Sie erst Geld ein und platzieren dann eine Kauforder. Anders ausgedrückt: Sie geben ein Angebot ab, welche Kryptowährung Sie zu welchem Preis erwerben wollen. Dann warten Sie, bis ein*e Verkäufer*in die Konditionen akzeptiert. Bei dieser Methode fallen meist die niedrigsten Gebühren an – sie setzt jedoch voraus, dass Sie bereits erste Erfahrungen mit Handelsplattformen gesammelt haben.

Vorsicht: Versteckte Kosten bei Kryptobörsen!

Vorsicht: Versteckte Kosten bei Kryptobörsen!

Achten Sie bei der Wahl Ihrer Kryptobörse genau auf die Kosten! Obwohl manche Anbieter mit Gebühren im Promillebereich werben, trifft das in der Realität nur selten zu. Oft fallen Zusatzkosten an, beispielsweise wenn Sie eine bestimmte Zahlungsmethode verwenden. Darüber hinaus berechnen Ihnen manche Kryptobörsen einen überteuerten Bitcoin-Kurs oder verdienen an einer hohen Differenz zwischen An- und Verkaufspreis (auch Spread genannt). Andere Anbieter verlangen knackige Gebühren für die Auszahlung der frisch erstandenen Bitcoins und Co.

KlarMacher-Video: Kryptowährung, Bitcoin und Co.? Einfach erklärt von der Hanseatic Bank

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Schritt 2: Eigenes Wallet anlegen

Fast alle Kryptobörsen bieten ein integriertes Online-Wallet an. Das ist eine Art digitaler Geldbeutel, in dem Ihre Bitcoins nach dem Kauf automatisch landen. Wallets bestehen aus einer öffentlichen Adresse (auch: Public Key) und einem privaten Schlüssel (auch: Private Key). Der Public Key ist mit der IBAN Ihres Bankkontos vergleichbar, während der Private Key am ehesten der TAN beim Online Banking entspricht.

Theoretisch können Sie bereits direkt aus einem solchen Wallet mit der Kryptowährung bezahlen. Empfehlenswert ist dies jedoch nicht. Denn Kryptobörsen und deren Kundenkonten sind ein beliebtes Ziel von Hackerangriffen. Im Extremfall können Sie dabei Ihr gesamtes digitales Vermögen verlieren. Deshalb ist es besser, ein eigenes Wallet anzulegen. Es gibt zwei Arten von Wallets:

  • Hot-Wallets (auch: Soft-Wallets) sind unter anderem Desktop-Programme oder Smartphone-Apps, die mit dem Internet verbunden sind. Sie sind eher unsicher, weil sich Hacker*innen Zugriff auf Ihren PC oder Ihr Handy verschaffen können und die Private Keys entwenden. Ohne Private Key kommen Sie aber nicht mehr an Ihre Bitcoins heran. Andererseits erleichtern Hot-Wallets den täglichen Umgang mit Kryptowährungen, zum Beispiel wenn Sie unterwegs mit Bitcoin bezahlen möchten.
  • Cold-Wallets (auch: Hard-Wallets) sind physische Speicher für Kryptowährungen, die nicht mit dem Internet verbunden sind, wodurch sie für Hacker*innen unerreichbar bleiben. Meist handelt es sich dabei um USB-Sticks, auf denen Ihre Private Keys gespeichert sind. Allerdings müssen Sie ein Cold-Wallet jedes Mal mit Ihrem Computer und einer speziellen Software verbinden, wenn Sie Kryptowährungen verschicken oder empfangen wollen.

Wenn Sie sowohl in Geschäften vor Ort als auch in Onlineshops mit Bitcoin bezahlen wollen, dann brauchen Sie ein sogenanntes Hot-Wallet. Ein geeignetes Wallet finden Sie zum Beispiel hier bei bitcoin.org.

Am besten ist, Sie kombinieren beide Arten von Wallets: Parken Sie den Großteil Ihres virtuellen Vermögens sicher auf einem Cold-Wallet. Bei Bedarf schicken Sie kleinere Beträge auf ein Hot-Wallet, um damit schnell und einfach mit Bitcoin zu bezahlen. Bildlich gesprochen: Das Hard-Wallet entspricht einem sicheren Safe im Keller, und das Soft-Wallet gleicht einem Portemonnaie, das Sie unterwegs bei sich tragen.

Wo kann ich an der Kasse mit Bitcoin bezahlen?

Mal eben den Wocheneinkauf mit Bitcoin bezahlen? Mancherorts ist das bereits möglich. Denn in vielen Geschäften vor Ort können Sie auch mit der Kryptowährung bezahlen. Dafür müssen die Bitcoins von Ihrem Wallet an das Wallet des Verkäufers*der Verkäuferin geschickt werden. Das funktioniert dank eines QR-Codes, den Sie mit Ihrer Handykamera scannen. Grundsätzlich kommen zwei Methoden in Frage:

  1. Sie erhalten einen statischen QR-Code – darin ist lediglich die Wallet-Adresse des Verkäufers*der Verkäuferin gespeichert. Die Höhe des zu zahlenden Betrags legen Sie in Ihrem Wallet fest, bevor Sie die Zahlung bestätigen.
  2. Sie erhalten einen dynamischen QR-Code – darin ist sowohl die Wallet-Adresse des Verkäufers*der Verkäuferin als auch der zu zahlende Betrag gespeichert. Sie müssen die Zahlung nur noch in Ihrem Wallet bestätigen.

Eine vollständige Liste, wo man in Deutschland mit Bitcoin bezahlen kann, gibt es bisher nicht. Den besten Überblick bietet die Website coinmap.org – dort finden Sie eine übersichtliche Karte mit weltweiten Akzeptanzstellen aller Art.

Wo kann ich online mit Bitcoin bezahlen?

Weil Kryptowährungen von vornherein digital sind, eignen sie sich ideal fürs Bezahlen im Internet. Dabei funktioniert die Zahlungsabwicklung in den meisten Fällen wie im Laden vor Ort – mithilfe eines QR-Codes, den Sie mit Ihrer Handykamera scannen. Alternativ erhalten Sie die Wallet-Adresse des Händlers*der Händlerin sowie den zu zahlenden Betrag per E-Mail.

Bezahlen mit Bitcoin: Die Zahlung wird in der Regel mithilfe eines QR-Codes abgewickelt, den Sie mit der Handykamera scannen.
© istock/Nicholas77/2021  Bezahlen mit Bitcoin: Die Zahlung wird in der Regel mithilfe eines QR-Codes abgewickelt, den Sie mit der Handykamera scannen.

Aktuell gibt es nur wenige Unternehmen, bei denen Sie online mit Bitcoin bezahlen können. Das war nicht immer so: In den letzten Jahren erprobten mehrere namhafte Unternehmen wie Tesla, Expedia, Microsoft oder Greenpeace die neumodische Zahlungsmethode. Außerdem konnten Sie für einige Zeit bei Wikipedia und Twitch – über den Zahlungsdienstleister bitpay – mit der Kryptowährung bezahlen. Allerdings haben alle genannten Unternehmen diesen Service mittlerweile wieder eingestellt.

Doch es gibt eine Ausnahme: Bereits seit mehreren Jahren können Sie Pizza und Co. über Lieferando mit Bitcoins bezahlen. Ansonsten werden Bitcoins überwiegend von Privatpersonen verwendet, zum Beispiel für Einkäufe im Darknet. Allerdings dominieren hier alternative Kryptowährungen wie Monero, die für kleine Transaktionen besser geeignet sind und mehr Anonymität bieten.

Ausblick: Können wir bald überall mit Kryptowährung bezahlen?

Trotz der zunehmenden Bedeutung des Bitcoins als Finanz- und Spekulationsobjekt nimmt die Zahl der Akzeptanzstellen in Deutschland eher ab. Das könnte sich bald schlagartig ändern. Der Grund: PayPal bietet amerikanischen und britischen Nutzer*innen schon jetzt die Möglichkeit, Kryptowährungen wie Bitcoin und Etherium zu kaufen und zu verkaufen. In den USA erprobt PayPal bereits das Bezahlen mit Kryptowährungen in ausgewählten Shops (Stand: September 2021).

Die zugehörige Funktion „Checkout with Crypto“ soll es PayPal-Nutzer*innen ermöglichen, in Millionen von Geschäften mit Kryptowährung zu bezahlen. Die Zahlungen werden dafür zunächst in US-Dollar umgerechnet und dann ausgeführt. Einkäufe werden wahlweise mit Bitcoin oder den alternativen Kryptowährungen Ethereum, Litecoin oder Bitcoin Cash bezahlt (mehr zu den Bitcoin-Konkurrenten lesen Sie im Artikel „Digitales Geld mit Zukunft: 8 Kryptowährungen mit Potenzial“). 

Ein glückliches Pärchen sitzt gemütlich mit dem Laptop auf dem Sofa
© istock/Peopleimages/2021  Zahlungsdienstleister wie PayPal arbeiten an neuen Funktionen, die das Bezahlen mit Kryptowährungen komfortabler machen sollen.

Im nächsten Schritt soll die neue Funktion für Nutzer*innen in Großbritannien freigeschaltet werden. Wann wir in Deutschland via PayPal mit Kryptowährungen bezahlen können, ist bisher nicht bekannt. Allerdings sollen auch andere Tech-Riesen wie Amazon, Apple und Google an ähnlichen Lösungen arbeiten. Deshalb ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis wir fast überall mit Kryptowährungen wie Bitcoin oder Etherium bezahlen können.

Mit Bitcoin bezahlen: Das sind die Vorteile und Nachteile

Das Bezahlen mit Bitcoin bietet einige Vorteile:

  • Unabhängigkeit: Kryptowährungen sind weltweit verfügbar und überall gültig. Die Bezahlung funktioniert unabhängig von Geldinstituten. Daher können Sie jederzeit Bitcoins an jeden Ort auf der Welt senden. Sie benötigen dafür weder ein Bankkonto noch eine Kreditkarte.
  • Transparenz: Bitcoin-Transaktionen werden mithilfe der Blockchain-Technologie durchgeführt. In der Blockchain wird jede Transaktion zwischen zwei Wallets festgehalten – inklusive des Transaktionszeitpunktes, der Höhe des Betrages, der gezahlten Gebühren und der beteiligten Wallet-Adressen. Diese Informationen können nicht gelöscht oder manipuliert werden. Außerdem sind sie jederzeit öffentlich einsehbar. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel „Einfach erklärt: Wie eine Blockchain funktioniert“.
  • Sicherheit: Grundsätzlich gelten Blockchain-Transaktionen als sehr sicher. Transaktionen können nur vorgenommen werden, wenn der*die Absender*in auch wirklich im Besitz der benötigten Bitcoins ist. Außerdem können angewiesene Bitcoin-Zahlungen nicht manipuliert werden oder verloren gehen.
  • Geschwindigkeit: In der Regel dauert eine Bitcoin-Transaktion nur wenige Sekunden. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie Bitcoins im Wert von einem Euro oder im Wert von einer Milliarde Euro verschicken. Aber: Wenn das Netz stark belastet ist, weil viele Nutzer*innen gerade darauf zugreifen, kann eine Transaktion schon mal mehrere Minuten dauern. Dann wird die Transaktionsgeschwindigkeit zwischendurch auch zum Nachteil.

Doch insbesondere bei kleinen Transaktionen überwiegen die Nachteile:

  • Schlechte Benutzungsfreundlichkeit: Aktuell ist es noch aufwendig, mit Bitcoins zu bezahlen. Bereits die Wahl der Kryptobörse und eines geeigneten Wallets kostet viel Zeit und Nerven. Die manuelle Eingabe von Bitcoin-Beträgen und unhandlichen Wallet-Adressen ist fehleranfällig.
  • Geringe Akzeptanz: Der Bitcoin als Zahlungsmethode ist bisher noch keine Selbstverständlichkeit. Es gibt nur wenige Akzeptanzstellen.

Video: Was macht Bitcoin so fälschungssicher? - Gut zu wissen

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© Bayerischer Rundfunk 
  • Transaktionsgebühren: Eine Zahlung per Bitcoin kostet immer dieselbe Gebühr, egal ob ein einziger Bitcoin das Konto wechselt oder eine Million. Außerdem steigen die Gebühren mit zunehmender Netzwerkauslastung. Deshalb lohnt es sich, eher hohe Beträge mit Bitcoin zu bezahlen – bei kleinen Geldsummen ist der Anteil der Gebühren zu groß.
  • Unveränderlichkeit: Durch die Blockchain sind Bitcoin-Zahlungen wie in Stein gemeißelt. Wenn Sie einen zu hohen Betrag eingeben oder Bitcoins an die falsche Adresse senden, kann die Transaktion nicht mehr rückgängig gemacht werden. Dementsprechend gibt es auch keinen Käuferschutz.
  • Schwankende Kurse: Der Preis von Kryptowährungen gleicht oft einer Berg- und Talfahrt. Bereits innerhalb eines Tages kann der Bitcoin-Kurs – und damit auch Ihr digitales Vermögen – um 20 Prozent und mehr schwanken.
  • Hackerangriffe: Trotz hoher Sicherheit besteht die Möglichkeit von Hackerangriffen. Nutzer*innen von Kryptobörsen und Wallets werden schnell Opfer von Social-Engineering-Attacken wie Phishing-Angriffen.
  • Absicherung: Wenn Sie Ihren privaten Schlüssel oder das Cold-Wallet verlieren, dann ist ihr digitales Vermögen unwiderruflich verloren. Es bestehen keine rechtlichen Ansprüche oder Absicherungen.
  • Fehlende Regulierung: Der rechtliche Status von Bitcoin ist in Deutschland weitgehend ungeklärt. Folglich könnte es theoretisch passieren, dass Bitcoins verboten oder die Steuern auf Kryptowährungen erhöht werden. 

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