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„Sind Sie es wirklich?“: So funktionieren Postident und Videoident

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 27.09.2019

Die richtige Kreditkarte ist per Online-Suche gefunden, also nur noch die persönlichen Daten eingeben und den Antrag abschicken. Aber Moment! Ihren Namen, das Geburtsdatum und Ihre Adresse kennen doch so einige. Woher will das Kreditkartenunternehmen wissen, dass wirklich Sie der Antragsteller sind – und nicht irgendein Spaßmacher? Oder sogar ein Betrüger? Keine Sorge. Postident und Videoident sorgen für Klarheit.

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Postident: So geht die Identifizierung in der Postfiliale

Wenn Sie nicht persönlich bei dem Kreditkarteninstitut vorbeikommen können, um sich auszuweisen, dann machen Sie es stattdessen doch in der nächsten Postfiliale. Das ist die Idee hinter dem Postident-Verfahren mit der Identifizierung am Schalter. Das ist für Sie völlig kostenlos und funktioniert so:

  1. Wenn Sie online einen Vertrag abschließen, sendet Ihnen der Anbieter einen sogenannten Postident-Coupon zu – zum Beispiel online als PDF oder per Post. Dem Coupon per Post können die Vertragsunterlagen beiliegen, die Sie unterschreiben und zurücksenden sollen.
  2. Mit dem Coupon, Ihrem Personalausweis oder Reisepass sowie gegebenenfalls den Vertragsunterlagen gehen Sie in die nächste Postfiliale. Achtung: Falls Ihre nächstgelegene Postfiliale kein Postident-Verfahren anbietet, können Sie auf dieser Webseite nach einer geeigneten Filiale suchen.
  3. Der Mitarbeiter in der Postfiliale scannt den Coupon. So weiß er, um welchen Vertragsabschluss bei welchem Anbieter es sich handelt.
  4. Sie zeigen Ihren Personalausweis beziehungsweise Reisepass vor.
  5. Der Post-Mitarbeiter prüft, ob Sie wirklich die Person sind, die in den Vertragsdaten genannt ist.
  6. In der Regel müssen Sie noch eine Unterschrift leisten, entweder auf einem Papierdokument oder auf einem Signpad (einem kleinen Bildschirm).
  7. Der Post-Mitarbeiter sendet eine Bestätigung an den Anbieter, mit dem Sie den Vertrag geschlossen haben.
  8. Sofern vorhanden, sendet der Post-Mitarbeiter gleich die Vertragsunterlagen mit zurück. Ab dem 30. September 2020 ist dieser Rückversand zusätzlicher Unterlagen im Rahmen des Postident-Verfahrens aber nicht mehr möglich.

Der große Vorteil des Postident-Verfahrens: Im Unterschied zu Videoident müssen Sie keinerlei technische Voraussetzungen erfüllen.

Frau blickt auf einen großen Bildschirm, auf dem ihr eine andere Frau zuwinkt
© gettyimages/Maskot  Beim Videoident-Verfahren chatten Sie mit einem realen Menschen.

Videoident: So geht die Identifizierung online.

Diese Methode zur Online-Identifikation wird je nach Anbieter auch Video-Ident-Verfahren oder VideoIdent genannt.

In der Regel ist es nicht Ihr Vertragspartner selbst, der die Identifikation durchführt. Sondern Sie erhalten einen Link zu einem Partnerunternehmen. Bei der Hanseatic Bank ist es zum Beispiel der Dienst WebID, der für die Identifikation zuständig ist. Für Sie als Kunde ist Videoident immer kostenlos.

Für das Videoident-Verfahren brauchen Sie:

  • eine stabile Internetverbindung, am besten über WLAN, damit es bei der Übertragung nicht ruckelt. Optimal ist eine Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 0,5 MBit pro Sekunde.
  • einen Browser, der eine „Web-Echtzeitkommunikation“ ermöglicht, auch WebRTC genannt. Dieses ist bei den gängigen Browsern Google Chrome, Mozilla Firefox und Opera der Fall.
  • eine Videokamera, zum Beispiel eine Webcam oder die Kamera von Ihrem Smartphone oder Tablet.
  • ausreichend Licht, damit man Sie über die Videoverbindung gut erkennen kann.
  • Ihren gültigen Personalausweis oder Reisepass.

Zur Sicherheit prüfen Sie, ob Ihr Virenscanner auf dem neuesten Stand ist, bevor Sie sich auf der Videoident-Seite einloggen. Das Videoident-Verfahren gilt zwar als sehr sicher, aber es gibt auch unseriöse Anbieter und Kriminelle, die ein Risiko darstellen können.

Nun kann es losgehen:

  • Rufen Sie die Webseite auf, von der Ihr Vertragspartner Ihnen einen Link geschickt hat. Geben Sie gegebenenfalls die erforderlichen Login-Daten ein, die Sie zusammen mit dem Link bekommen haben.
  • Sie werden von einem Mitarbeiter des Unternehmens begrüßt, das mit der Identifizierung beauftragt ist.
  • Der Mitarbeiter führt Sie durch den Identifizierungsprozess. Dabei müssen Sie unter anderem Ihren Personalausweis oder Reisepass gut sichtbar in die Kamera halten.
  • In der Regel erhalten Sie zum Abschluss eine TAN per SMS. Mit der Eingabe dieser Zahlenkombination schließen Sie den Vorgang ab.
  • Der Mitarbeiter bestätigt, dass Sie der genannte Vertragspartner sind.
Frau blickt neugierig-skeptisch auf einen Computerbildschirm
© gettyimages/Luis Alvarez  Bei Stellenangeboten mit Videoident-Verfahren sollten Sie misstrauisch werden.

Vorsicht Falle: So erkennen Sie betrügerische Videoident-Verfahren

Kriminelle haben das Videoident-Verfahren für sich entdeckt, um Konten im Namen ihrer Opfer zu eröffnen. Diese Konten nutzen sie zum Beispiel zur Geldwäsche oder für Onlineshops, die dann niemals die Ware versenden.

Doch wie bringen die Kriminellen andere Personen dazu, per Videoident ein Konto zu eröffnen? Eine ihrer Methoden ist gefälschte Stellenanzeigen im Internet zu platzieren. Wer sich darauf bewirbt, muss beim angeblichen Online-Bewerbungsverfahren seine persönlichen Daten angeben und womöglich auch ein Foto seines Personalausweises senden. Mit diesen Informationen bereiten die Betrüger den Antrag für ein Konto vor, auf das sie dann selber Zugriff haben, für das aber ihr Opfer geradestehen muss.

Jetzt müssen ihre Opfer „nur“ noch das Videoident-Verfahren durchlaufen, um die Kontoeröffnung zu bestätigen. Dafür gaukeln die Täter zum Beispiel vor, dass es sich bei dem Job um einen Heimarbeitsplatz handelt. Für den Zugang aufs angebliche Firmennetzwerk sei eine Online-Identifikation bei einer Partneragentur nötig. Oder das Verfahren sei ein Testauftrag, um zu prüfen, ob alles technisch richtig läuft.

So schützen Sie sich vor Betrügern:

  • Geben Sie bei Online-Bewerbungen keine sensiblen Daten preis, zum Beispiel Ihre Ausweisnummer.
  • Lehnen Sie Videoident-Verfahren im Rahmen einer Job-Bewerbung ab. Beide haben nichts miteinander zu tun.
  • Sollen Sie ein Videoident-Verfahren testen, benutzen Sie keinesfalls Ihre eigenen Daten.
  • Wenn Sie Zweifel bekommen, erkundigen Sie sich, ob es das Unternehmen wirklich gibt. Ist es ein großer Firmenname, fragen Sie in der Zentrale nach, ob es das Stellenangebot wirklich gibt.
  • Erstatten Sie sofort Anzeige bei der Polizei, wenn Sie glauben, dass Sie Opfer eines Betrugs geworden sind.

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