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Finanzwissen

Bitcoin & Co.: Kryptowährungen einfach erklärt

Symbolbild Leuchtturm
von Redaktion KlarMacher, 06.02.2019

Sie lesen Nachrichten im Netz. Schon wieder Neuigkeiten über diese Bitcoins. Am Flughafen Amsterdam kann man nun an Automaten sein Restgeld dagegen eintauschen. Ein anderes Wirtschaftsportal schreibt ein Porträt über jemanden, der sogar Bitcoin-Millionär geworden ist. Die Kurse scheinen rasant zu steigen. Vielleicht sollten Sie auch in digitale Währung investieren? Allerdings ist Ihnen noch nicht ganz klar: Was ist ein Bitcoin genau? Und wie funktioniert eine Kryptowährung überhaupt? Antworten finden Sie hier.
 

Themen in diesem Artikel

Mysterium Bitcoin: Was ist das und wer hat’s erfunden?

Um das Phänomen Bitcoin besser zu verstehen, lohnt es sich, den Begriff einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: Das Wort setzt sich aus den Begriffen Bit (eine digitale Speichereinheit) und Coin (englisch für Münze) zusammen. Es handelt sich also um eine „digitale Münze“. Dies beschreibt sehr gut, worum es sich hier handelt: um virtuelles Geld. Münzen oder Geldscheine zum Anfassen gibt es in diesem Zahlungssystem nicht. Alles ist rein digital.

Der grundlegende Unterschied zwischen Kryptowährungen wie dem Bitcoin und herkömmlichem Geld ist, dass die digitalen Zahlungsmittel komplett unabhängig von Banken oder Staaten funktionieren. Normalerweise bestimmen Staats- und Zentralbanken wie die Deutsche Bundesbank oder die Europäische Zentralbank (EZB) über das Geld. Sie legen zum Beispiel fest, wie viel Geld im Umlauf ist und nehmen Einfluss auf den Wert einer Währung.

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Bei Kryptowährungen gibt es keine solche Organisation, die die Kontrolle über das digitale Geld besitzt. Alles findet in digitalen Netzwerken statt. Jeder, der einen Computer und die entsprechende Software besitzt, kann sich daran beteiligen.

Wer genau die erste Kryptowährung erfunden hat, ist bis heute nicht geklärt. Im Jahr 2008 veröffentlichte jemand unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ein Dokument, das eine digitale Währung beschreibt. 2009 wurde die dazugehörige Bitcoin-Software öffentlich gemacht.

Vom Nerd-Gimmick zur Geldanlage: Der rasante Aufstieg des Bitcoins

Was als Spielerei einiger Computerexperten begann, wurde zu einer gigantischen Erfolgsgeschichte. Folgende Anekdote verdeutlicht den rasanten Aufstieg des Bitcoins:

Im Mai 2010 bot der Programmierer Laszlo Hanyecz aus Florida in einem Internetforum demjenigen 10.000 Bitcoins, der ihm eine Pizza bestellt. Ein Brite ging auf den Deal ein und bestellte online zwei Pizzen für Hanyecz. Dafür bekam er wie versprochen 10.000 Bitcoins, die zu der Zeit einen Wert von 30 Euro besaßen.
Der Programmierer machte den Mann damit zum Millionär: Heute entsprechen 10.000 Bitcoins, je nach Kurs, dem Wert von 50 bis 150 Millionen Euro!

Nahaufnahme von Pizza im Karton
© iStock/franckreporter/2017  5.000 Bitcoins bezahlte Laszlo Hanyecz 2010 für eine Pizza. Hätte er sich das verkniffen, wäre er heute um mindestens 25 Millionen Euro reicher.

Die erste Kryptowährung: Wozu Bitcoins?

Bitcoin ist die erste sogenannte Kryptowährung, der viele weitere folgten. Aber was ist Kryptowährung? Das Wort klingt geheimnisvoll – und das passt auch zu seiner Bedeutung. Denn der Begriff Kryptographie kommt aus dem Griechischen und bedeutet Geheimschrift. Also eine Verschlüsselung von Informationen.

Bei Bitcoin & Co. geht es vor allem um Informationssicherheit. Niemand soll die digitale Währung manipulieren können. Deshalb ist sie sehr kompliziert verschlüsselt. Laut Definition ist Kryptowährung also verschlüsseltes, digitales Geld. Ein Vorteil von Kryptowährungen ist, dass sie anonyme Zahlungen ermöglichen. Das machte Bitcoins & Co. anfänglich vor allem bei kriminellen Geschäften im Darknet zu einem beliebten Zahlungsmittel.

Infografik Bezahlen mit Bitcoins

Das Kassenbuch für Bitcoins: Die Blockchain

Wenn von Bitcoins die Rede ist, ist der Begriff Blockchain, übersetzt Block-Kette, meist nicht weit. Die Blockchain ist quasi das Kassenbuch oder Journal einer Kryptowährung. Alle Bitcoin-Transaktionen werden in dieser Datenbank festgehalten. Es wird gespeichert, wer wann wie viel Krypto-Geld besessen hat und wohin es überwiesen wurde – natürlich alles verschlüsselt.

Weil es jeden Tag unzählige Bitcoin-Transaktionen gibt, würde eine normale Datenbank schnell an ihr Limit kommen. Deshalb werden die Informationen in einzelnen Blöcken gespeichert. Ist ein solcher Block voll, wird er versiegelt, damit er nachträglich nicht mehr verändert werden kann. Dann wird ein neuer Block gestartet an den alten angehängt – eben wie bei einer Kette.

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Zwei Kettenglieder sind durch einen bestimmten Code verbunden, der aus jedem abgeschlossenen Block erstellt wird. So bezieht sich jeder Block auf den vorherigen. Und in der Kette sind alle Transaktionen, die jemals mit der Kryptowährung ausgeführt worden sind, zurückzuverfolgen.

Die Besonderheit dabei: Die Blockchain ist nicht nur auf einem Computer gespeichert, sondern auf allen Rechnern im Bitcoin-Netzwerk. Deshalb ist sehr schwierig, das System zu manipulieren. All diese Computer arbeiten mit, die Transaktionen in verschlüsselte Datenblöcke umzuwandeln – also quasi das Bitcoin-Kassenbuch zu führen. Computerfreaks weltweit helfen so mit, das Bitcoin-Netzwerk zu sichern. Als Belohnung erhalten diese sogenannten “Miner” eine Belohnung in Form von Bitcoin-Anteilen. So werden neue Bitcoins geschaffen.

Ein Bitcoin kostet Unmengen an Strom

Ein Bitcoin kostet Unmengen an Strom

Wer überlegt, seinen Job zu kündigen und als Bitcoin-Miner reich zu werden, wird jetzt enttäuscht: Es wird mittlerweile extrem viel Strom und eine enorme Rechenleistung benötigt, um neue Bitcoins zu schaffen. 140 Terawattstunden, also ca. 0,6 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs, könnte das sogenannten Bitcoin-Mining im Jahr 2018 verbrauchen, so eine Studie von Morgan Stanley. Bewahrheitet sich diese Prognose, verbraucht das Erzeugen von Bitcoins jährlich mehr Strom als Argentinien. Als Privatperson rechnet sich das Bitcoin-Mining also kaum.

On- und offline: So wird mit Bitcoins bezahlt

Zum Bezahlen werden digitale Währungen natürlich vor allem online benutzt. Das kann man zum Beispiel über den Bitcoin-Client – der Software, bei der Sie Ihr Bitcoin-Konto führen – erledigen. Jeder Bitcoin-Nutzer hat hier eine Art Kontonummer, die aus einem kryptischen Code besteht. Über diese Adressen kann man ganz einfach digitales Geld an andere Bitcoin-Nutzer überweisen – in etwa so wie bei Online-Zahlungsdiensten.

Nicht nur bei Privatleuten, auch im Online-Handel steigt die Akzeptanz für die Währung. Selbst große Unternehmen wie Expedia, airBaltic und Edeka akzeptieren Bitcoins als Zahlungsform. In welchen Restaurants und Geschäften in der realen Welt Sie mit der Kryptowährung zahlen können, darüber finden Sie zum Beispiel hier Auskunft:
BTC-ECHO: Datenbank für Bitcoin-Akzeptanzstellen im DACH-Raum.
Coinmap: Internationale Landkarte, auf der bitcoinfreundliche Läden verzeichnet sind

Wenn Sie im Geschäft mit Bitcoin zahlen möchten, brauchen Sie ein sogenanntes Wallet (englisch für Geldbörse). Das ist eine App, die auf dem Smartphone installiert wird und als digitales Portemonnaie dient. Damit können Sie Ihr digitales Geld verwalten und es im Laden ausgeben. An der Kasse wird dazu ein QR-Code erstellt, den Sie mit Ihrer Handykamera scannen. Danach wird genau dieser Betrag auf das Bitcoin-Konto des Empfängers überwiesen.

Wichtig: Einmal ausgegeben, ist das Geld unwiederbringlich weg. Die Rückbuchung einer Zahlung ist nicht möglich.

Ein Zahlungsterminal auf dem Tresen eines Cafés, an dem mit Bitcoins gezahlt werden kann
© iStock/weedezign/2018  Immer mehr Restaurants und Händler akzeptieren Kryptowährungen als Zahlungsmittel.

Los geht’s: Kryptowährung kaufen und verwalten

Es gibt mehrere digitale Plattformen, an denen Kryptowährungen gehandelt werden. Bezahlt wird entweder mit herkömmlichem Geld, beispielsweise in Euro oder Dollar. Es kann aber auch gegen eine andere Kryptowährung getauscht werden. Welchen Händlern Sie vertrauen können, erfahren Sie im Artikel Kryptowährung kaufen? Diese 5 Händler sind seriös!.

Manche Handelsplattformen bieten gleich ein integriertes Wallet, in dem Sie Ihr digitales Geld erst einmal “parken” können. Das bietet sich zum Beispiel an, wenn Sie auf dieser Krypto-Plattform wie an der Börse spekulieren wollen.

Oder Sie laden die Kryptowährung in eine externe Wallet-App. Damit haben Sie ihr Kryptogeld quasi selbst in der Hand und können es auch unterwegs zum Bezahlen benutzen. Wichtig dabei: Das Wallet sollte gut gesichert sein. Kopieren Sie die wallet.dat-Datei unbedingt auf einen zweiten Datenträger, zum Beispiel auf einen USB-Stick. So schauen Sie nicht in die Röhre, wenn Ihr Smartphone samt Wallet-App verloren geht oder Ihre Festplatte den Dienst quittiert.

Behalten Sie immer im Hinterkopf: Für Ihr digitales Geld sind allein Sie selbst verantwortlich. Eine externe Absicherung, wie sie zum Beispiel beim Missbrauch der Kreditkarte üblich ist, gibt es für Kryptowährungen nicht.

Hand tippt auf einer Wallet-App auf dem Smartphone
© iStock/hocus-focus/2018  Wer Bitcoins kauft, speichert den Schlüssel dazu in seiner digitalen Geldbörse, dem Wallet.

Mega-Hype: Welche Kryptowährungen gibt es?

Neben Bitcoin gibt es verschiedene Kryptowährungen. Einige der bekanntesten sind ...

  • Ethereum (kostete im Sommer 2018 zwischen 250 und 400 Euro),
  • Ripple (schwankt um 30 Cent pro Einheit) und
  • Litecoin (kostete im Juli 2018 bis zu 80 Euro)

Und wie viele Kryptowährungen gibt es eigentlich? Die Zahl schwankt ebenso wie der Kurs. Heute, im Jahr 2018, werden etwa 4.500 unterschiedliche Kryptowährungen verwendet. Welche davon man im Auge behalten sollte, erfahren Sie im KlarMacher-Artikel Digitales Geld der Zukunft: 8 Kryptowährungen mit Potenzial.

Kryptowährung: Vorteile und Risiken auf einen Blick

Vorteile der Kryptowährung:

  • Kryptowährungen sind weltweit verfügbar und länderübergreifend gültig.
  • Transaktionen gehen schnell und einfach.
  • Die Blockchain-Technologie gilt als sehr sicher.
  • Bezahlen ist unabhängig von Geldinstituten möglich.

Doch es gibt auch Risiken:

  • Geht Ihr privater Schlüssel aus dem Wallet verloren, ist das digitale Geld weg.
  • Der Kurs schwankt extrem.
  • Trotz hoher Sicherheit besteht die Möglichkeit von Hackerangriffen.
  • Es bestehen keine rechtlichen Ansprüche oder Absicherungen.
  • Der rechtliche Status ist weitgehend ungeklärt.
  • Die Verbreitung und Akzeptanz von Kryptowährungen sind eingeschränkt. Sollte das Internet zusammenbrechen, wäre die Währung nutzlos.

Fazit: Kryptowährungen sind eine faszinierende Sache. Allerdings sollten Sie nur Bitcoins kaufen, wenn Sie das Geld übrig haben. Wirklich sicher aufgehoben ist Ihr Geld anderswo, zum Beispiel in einem Sparbrief der Hanseatic Bank.

KlarMacher-Video: Was ist eine Kryptowährung?

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