In einem Café tippt eine junge Frau ihre Kreditkarten-PIN in ein Lesegerät
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Zahlen mit Kreditkarte: Wann mit PIN, Unterschrift oder ohne?

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 26.11.2020

Manchmal scheinen die Mitarbeiter im Supermarkt oder Restaurant nicht zu wissen, was sie wollen. Da verlangten sie gestern von Ihnen eine PIN-Eingabe für die Kreditkartenzahlung. Aber heute pochen sie auf Ihre Unterschrift. Und an anderen Tagen wollen sie weder das eine noch das andere. Was denn nun? Woran liegt es, dass Sie beim Bezahlen mit Kreditkarte mal eine PIN brauchen, eine Unterschrift oder nichts von beidem? Die KlarMacher haben die Antwort. Und so viel ist sicher: Das Personal an der Kasse kann nichts für das Wirrwarr.

Themen in diesem Artikel

PIN oder Unterschrift – wovon hängt das ab?

Wenn Sie eine Kreditkarte beantragen, dann müssen Sie dem Anbieter gegenüber Ihre Identität nachweisen. Der weiß danach, dass Sie und sein Plastikgeld ein Team sind. Doch von außen sieht man Ihnen das nicht an. Deshalb müssen Sie sich beim Bezahlen mit der Kreditkarte als deren rechtmäßiger Besitzer zu erkennen geben (= identifizieren) – in der Regel per PIN-Eingabe oder Unterschrift.

Welche Art der Identifizierung erforderlich ist, hängt maßgeblich von folgenden Faktoren ab:

  • dem Kreditkartenanbieter (Bank, Sparkasse u. ä.)
  • dem Abbuchungsverfahren im Geschäft
  • der Höhe der Rechnung

Wenn eine Kreditkarte sowohl die PIN-Eingabe als auch die Unterschrift erlaubt, entscheidet womöglich der Zufall über die Art der Legitimation – je nach Bezahlterminal oder Geschäft

Kreditkartenzahlung mit Unterschrift

„Bezahlen Sie einfach mit Ihrem guten Namen.“ Mit diesem Slogan warb in den 1980er-Jahren ein Anbieter für seine Kreditkarten. Damals konnte man sich nur mit seiner Unterschrift als rechtmäßiger Besitzer von Plastikgeld ausweisen. Dafür musste zunächst ein sogenannter Imprinter die Hochprägung der Karten mechanisch auf einen speziellen Papierbeleg durchdrücken. Auf diesem Beleg hinterließ der Kreditkartenbesitzer dann seine Unterschrift.

Moderne Lösungen mit elektronischen Kartenlesegeräten haben diese Methode zwar längst abgelöst, doch die Identifizierung per Unterschrift gibt es immer noch. Und zwar beim Elektronischen Lastschriftverfahren (ELV). In diesem Fall erteilen die Kunden mit ihrer Signatur einem Geschäft eine Einzugsermächtigung für den Rechnungsbetrag. Die ist aber nur dann etwas wert, wenn auf dem Konto ausreichend Geld ist. Andernfalls lehnt die Bank die Zahlung ab. Ob es so kommt, kann der Händler im Moment der Unterschrift nicht wissen.

Denn die Einzugsermächtigung ist nicht sofort wirksam: Erst nach zwei bis drei Werktagen wird der Betrag vom Konto der Käufer abgebucht. Damit gewährt der Händler seiner Kundschaft einen Vertrauensvorschuss. Schließlich könnte das Konto nicht gedeckt sein. Oder ein Kartendieb hat die Unterschrift gefälscht. Oder die Kontobesitzer machen die Abbuchung und damit die Zahlung rückgängig. Das dürfen sie innerhalb einer Frist von acht Wochen und ohne Angaben von Gründen – wie bei anderen Lastschriften auch.

Eine junge Frau sitzt im Restaurant und unterschreibt ihre Rechnung für die Kreditkartenzahlung
© istock/SDI Productions/2014  Kreditkartenzahlungen per Unterschrift setzen Vertrauen gegenüber der Kundschaft voraus.

Warum geht ein Geschäft das Risiko eines Zahlungsausfalls trotzdem ein? Weil das ELV gebührenfrei ist. Jedenfalls in der ungesicherten Variante. Alternativ gibt es ein gesichertes ELV. Hier übernimmt ein zwischengeschalteter Dienstleister das Ausfallrisiko und garantiert dem Händler, dass der sein Geld bekommt. Für den Service werden allerdings 0,17 bis 0,24 Prozent des Rechnungsbetrags fällig.

Kreditkartenzahlung mit PIN

Eine andere Art der Identifizierung im bargeldlosen Zahlungsverkehr ist die Eingabe einer PIN (persönliche Identifikationsnummer). Sie kommt in Deutschland häufig zum Einsatz – vor allem bei Girocards, aber auch immer öfter bei Kreditkarten. Das liegt daran, dass das PIN-Verfahren für den Handel einen großen Vorteil gegenüber der Unterschriftslösung bietet: Über eine Datenverbindung prüft das Kartenlesegerät innerhalb weniger Sekunden, ob ...

  • die Kreditkarte echt ist.
  • die PIN korrekt eingegeben wurde.
  • eine Kartensperre besteht.
  • das Kreditkartenkonto für den Rechnungsbetrag ausreichend gedeckt ist.

Nur wenn alle Voraussetzung erfüllt sind, wird die Kartenzahlung akzeptiert. Da kann der Händler sicher sein, dass er sein Geld bekommt. Die Kosten für die Garantie: 0,23 bis 0,30 Prozent vom Rechnungsbetrag. Das ist zwar mehr als beim ELV, aber wegen der größeren Sicherheit entscheiden sich viele Geschäfte dennoch für das PIN-Verfahren.

Bezahlen mit Unterschrift – ein Auslaufmodell?

Bezahlen mit Unterschrift – ein Auslaufmodell?

Ob Sie mit Ihrer Kreditkarte mit PIN oder Unterschrift bezahlen können, bestimmen grundsätzlich die großen Kartenunternehmen – wie zum Beispiel Visa oder Mastercard. Noch sind beide Varianten möglich, aber das muss nicht so bleiben. In den USA gibt es bereits Bestrebungen, auf die Identifizierung per Unterschrift zu verzichten. 

Und auch die Kreditkartenanbieter haben dabei ein Wörtchen mitzureden. Beispiel Deutschland: Hier verteilt die Sparkassen-Finanzgruppe seit 2017 nur noch Kreditkarten, die mit PIN-Eingabe funktionieren. Und zwar, weil der Bezahlvorgang schneller und sicherer ist. Das heißt, dass zumindest bei den Sparkassen das Unterschriftsverfahren nach und nach verschwinden wird.

Mit Kreditkarte zahlen ohne PIN und Unterschrift

Wenn Ihre Kreditkarte mit der Technologie Near Field Communication, kurz NFC, ausgestattet ist, brauchen Sie Ihr Plastikgeld nicht mehr in ein Kartenlesegerät zu stecken. Stattdessen halten Sie die Karte nur kurz in die Nähe des Lesegeräts. Damit wird der Zahlungsverkehr nicht nur bargeldlos, sondern auch kontaktlos.

Und NFC bringt noch eine weitere Funktion mit: Bei kleineren Rechnungsbeträgen sind weder Unterschrift noch PIN-Eingabe erforderlich. Bis zu welcher Grenze das möglich ist, bestimmen die Kreditkartenunternehmen. Bei Mastercard liegt sie bei maximal 25 Euro, bei Visa Card mit bis zu 50 Euro doppelt so hoch (Stand: November 2020).

Übrigens: Sowohl die GenialCard als auch die GoldCard der Hanseatic Bank „beherrschen“ NFC.

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