Ein Mann in einem Straßencafé legt gut gelaunt eine Kreditkarte mit NFC-Funktion auf ein Lesegerät
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Immer gut aufgelegt: Darum ist eine NFC-Schutzhülle überflüssig

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 16.03.2020

Bargeldloses Bezahlen ist gut, berührungsloses Bezahlen ist besser. Dafür brauchen Sie nur eine Kreditkarte mit NFC-Chip an ein kompatibles Lesegerät im Geschäft zu halten. Und schon ist die Rechnung per drahtlosem Datenaustausch beglichen. Komfortabel – aber auch sicher? Könnten nicht Kriminelle mit der Technik Geld klauen, wenn sie einem nur nahe genug kommen? Davor soll Sie eine spezielle Schutzhülle für Ihre Kreditkarte bewahren. Das tut sie auch. Warum sie trotzdem völlig überflüssig ist, zeigen Ihnen die KlarMacher.

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Sicherheitsdienst: Der Job einer NFC-Schutzhülle für Kreditkarten

Immer mehr Giro- und Kreditkarten tragen ein kleines Funkwellen-Symbol. Sie zeigen damit, dass sie einen eingebauten NFC-Chip haben. Er macht kontaktloses Bezahlen möglich. NFC – das ist die Abkürzung für den englischen Begriff Near Field Communication. Eingedeutscht wird daraus Nahfeldkommunikation. Das heißt nichts anderes, als dass Geräte mit dieser Technik auf kurzer Distanz – also ohne Berührung – Daten austauschen können. Das geht zum Beispiel auch mit entsprechend ausgestatteten Smartphones.

Doch bleiben wir bei den Kreditkarten mit NFC. Die bekommen Kunden der Hanseatic Bank bereits seit 2013. Mittlerweile hat jede GenialCard und GoldCard diese Funktion eingebaut. Vorteil: So ausgestattete Karten müssen fürs Bezahlen nicht mehr in die Lesegeräte geschoben werden. Es reicht, sie nah daran zu halten oder sie einfach locker aufzulegen. Bei Beträgen bis zu 25 Euro funktioniert Bezahlen auf diese Weise sogar ohne Ihre Unterschrift oder PIN.

Das geht schnell und ist sehr praktisch. Gleichzeitig ruft diese Art der Abbuchung Bedenken hervor. Gerade weil sie so einfach ist, befürchten Kritiker, dass die NFC-Funktion Verbrechern das Handwerk erleichtert. Denn die müssten das Plastikgeld nicht mehr stehlen, um die Daten darauf auszulesen und auf Kosten der Kartenbesitzer einzukaufen: Kriminelle bräuchten nur nah genug auf Tuchfühlung zu gehen.

Eine spezielle NFC-Schutzhülle soll den kontaktlosen Datenklau verhindern. Macht sie auch. Deshalb kaufen sich viele Nutzer eine. Doch die Kontoinformationen auf der Karte sind auch hüllenlos sicher.

Eine Kreditkarte mit Funkwellen-Symbol über dem Tastenfeld eines Kartenlesegeräts
© istock/ronstik/2018  Ein Funkwellen-Symbol verrät, dass eine Kreditkarte NFC-fähig ist.

Mission Impossible: Darum ist Datenklau per NFC nicht möglich

NFC-Betrug im Vorbeigehen? Ist das möglich? Bei Tests in einer Laborumgebung schon. Doch jenseits der Experimente, also in „freier Natur“, kann das nicht passieren. Dafür gibt es vor allem drei Gründe:

  • Die geringe Distanz: Der Datenaustausch zwischen Kreditkarte und Lesegerät funktioniert über ein gemeinsames elektromagnetisches Feld. Das wirkt allerdings nur innerhalb von höchstens vier Zentimetern. Ein Gauner muss deshalb genau wissen, wo Sie die Kreditkarte tragen. Steckt sie zum Beispiel in der rechten Gesäßtasche, muss er sein Lesegerät genau dort ansetzen. Versucht er es stattdessen an der linken, ist die Entfernung bereits zu groß.
  • Die große Störanfälligkeit: Jede Kreditkarte mit NFC-Chip hat eine individuelle Kennung. Haben Sie zwei Exemplare in Ihrem Portemonnaie, vermischen sich deren Signale sozusagen. Ein Lesegerät kann sie dann nicht mehr auseinanderhalten, zeigt eine Fehlermeldung an und verweigert die Abrechnung. Auch Münzen und andere Dinge, die Sie in Ihrer Geldbörse tragen, stören die Verbindung. Deshalb reicht es auch nicht, dass Sie einfach die Brieftasche an ein Lesegerät halten. Sie müssen die Kreditkarte schon herausnehmen, damit Sie kontaktlos bezahlen können.
  • Die fehlende Prüfziffer: Per NFC wird nicht die Prüfziffer übermittelt, die auf der Rückseite der Karte aufgedruckt ist. Die aber wird häufig beim Einkaufen im Internet abgefragt. Ohne sie kann ein Datendieb bei den meisten Online-Shops nichts auf Ihre Kosten erwerben. Für zusätzliche Sicherheit sorgt das 3D-Secure-Verfahren für Kreditkarten.

Die genannten Einschränkungen machen es in der Praxis schwierig bis unmöglich, eine Kreditkarte mit NFC-Chip auszulesen. Und falls doch mal etwas schiefgeht? Dann sollten Sie das so früh wie möglich Ihrer Bank mitteilen. Bis dahin haften Sie mit maximal 50 Euro für Schäden durch den Datendiebstahl – egal, wie viel unerlaubt von Ihrer Karte abgebucht worden ist. Übrigens: Als Kunde der Hanseatic Bank sind Sie von dieser Haftung befreit. Es sei denn, Sie sind grob fahrlässig mit der Karte umgegangen.

Fühlen Sie sich trotzdem mit kontaktlosem Bezahlen unwohl, können Sie es deaktivieren. Dafür bitten Sie den Herausgeber Ihrer Kreditkarte – beispielsweise Ihre Bank – die Funktion abzuschalten. Bei manchen Anbietern können Sie das auch selbst am Geldautomaten machen. Alternative: Sie bekommen eine neue Karte ohne oder mit einem gesperrten NFC-Chip.

NFC-Funktion per Kunden-App der Hanseatic Bank deaktivieren

NFC-Funktion per Kunden-App der Hanseatic Bank deaktivieren

Kunden der Hanseatic Bank können die NFC-Funktion ihrer Kreditkarte einfach selbst abschalten. Dafür brauchen sie lediglich die App „Hanseatic Bank Mobile“ auf ihrem Smartphone zu installieren und einzurichten. Es gibt sie im App-Store von Apple sowie im Google-Play-Store. Per Schieberegler lässt sich dann die NFC-Funktion ganz bequem deaktivieren.

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