Ein Mann gibt bei einem Ober im Nobelrestaurant eine Bestellung auf
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Edelmetall statt Plastik: Die 6 teuersten Kreditkarten der Welt

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 07.08.2019

Für den Besuch im Nobelrestaurant haben Sie lange gespart. Da bezahlt jemand am Nebentisch mit einer schwarz-silbernen Kreditkarte. Es ist die Centurion Card von American Express – ein sehr exklusives Zahlungsmittel. Und was da silbern schimmert, ist wertvolles Titan. Die schwarze Amex ist eine der teuersten Kreditkarten der Welt. Sie und einige andere dieser Top-Liga bieten ihren Besitzern exquisite Vorzüge.

Themen in diesem Artikel

Luxus-Kreditkarten – damit bezahlen die richtig Reichen

Kreditkarten machen den Alltag leichter. Statt mit viel Bargeld lassen sich damit größere Beträge einfach und schnell bezahlen. Und sie haben oft noch weitere Funktionen „eingebaut” wie zum Beispiel die Rabatte und Gutschriften bei der GenialCard und der GoldCard der Hanseatic Bank.

Manche Anbieter versprechen allerdings noch mehr. Wer besonders viel mit der Kreditkarte bezahlt, wird mit bestimmten, teils ausgefallenen Services belohnt. Als äußeres Zeichen gibt es dann eine Kreditkarte, die sich von anderen, preiswerteren Karten deutlich unterscheidet.

Das macht sie für viele Nutzer zu einem Statussymbol, das neidische Blicke auf sich zieht. Vor allem, wenn es ein besonders exklusives Exemplar ist, das sich nur ein sehr gut betuchter Kreis leisten kann. Dazu zählen die folgenden teuersten Kreditkarten der Welt. Wobei „teuer” mal die fälligen Gebühren meint, mal die erforderlichen Umsätze und mal das Material, aus dem die Karte besteht. Oder alles zusammen.

Eine Platte aus silber-schimmerndem Metall, in deren Mitte das Wort „Titanium” steht
© istock/enot-poloskun/2014  Titan statt Plastik: Bei den teuersten Kreditkarten zeigt sich der Luxus schon im Material

AMEX Centurion Card: Nicht für Geld und gute Worte

Sie ist schwarz. Sie ist aus Titan (handgefertigt, versteht sich). Sie ist dreimal schwerer als eine normale Plastikkarte. Und sie ist für kein Geld der Welt zu haben. Jedenfalls nicht direkt. Was zählt, ist der Umsatz damit. Eine ganze Menge Umsatz. Die Rede ist von mindestens 250.000 US-Dollar, jeweils erzielt über mehrere Jahre hinweg mit einer AMEX Platinum- oder einer AMEX Gold-Kreditkarte. 

Doch nicht mal das genügt, um die AMEX Centurion Card – auch bekannt als American Express (AMEX) Black Card – zu bekommen. Erforderlich ist außerdem eine fünfjährige Mitgliedschaft bei American Express sowie ein millionenschweres Einkommen beziehungsweise Vermögen. Und dann muss man noch auf das Wichtigste hoffen: eine persönliche Einladung der Geschäftsführung von American Express. Die haben in Deutschland angeblich zwischen 10.000 und 99.999 Menschen bekommen. Konkreter wird das Unternehmen nicht.

Die AMEX Centurion Card gibt es schon seit 1991. Damit ist sie der Oldtimer unter den Luxus-Kreditkarten. Ihre Besitzer zahlen im ersten Jahr einen einmaligen „Eintrittspreis” von 7.500 US-Dollar und danach eine Jahresgebühr von 2.500 US-Dollar. Und was haben sie davon? Abgesehen vom Prestigegewinn durch eine der teuersten Kreditkarten? Eine Menge!

  • Besonders standesgemäß ist der persönliche Concierge-Service der Centurion Card. Er verspricht, sogar ausgefallenste Wünsche wahr werden zu lassen. Beispiele gefällig? Die AMEX-Mitarbeiter ergattern womöglich noch Tickets für längst ausverkaufte Konzerte oder Sportveranstaltungen. Sie organisieren Treffen mit bekannten Persönlichkeiten und komplette, individuelle Weltreisen. Oder sie finden Menschen, deren Aufenthaltsort unbekannt ist, die die Kartenbesitzer aber einfach mal wiedersehen möchten. Die persönlichen Berater, Detektive, Sekretäre und Mädchen für alles stehen jederzeit zur Verfügung, sogar für einen profanen Einkauf.
  • Reise-Services wie ein Parkdienst an den größten Flughäfen, beschleunigte Abfertigung bei Check-in und Check-out, Zugang zu exklusiven Airport-Lounges. Das entspannt.
  • Rabatte von bis zu 50 Prozent auf Tausenden Golfplätzen weltweit
  • Versicherungspaket mit Kfz-Schutzbrief und Reiseversicherungen mit allem Pipapo
  • Hotel- und Mietwagenangebote
  • Mitgliedschaft in exklusiven Clubs

Diese und weitere Vorteile klingen wirklich sehr exklusiv. Sie sind es aber nicht. Sie decken sich weitgehend mit jenen der anderen Luxus-Kreditkarten. Allerdings gilt die Centurion Card als Prototyp und Vorbild der Branche. Deshalb steht das gute Stück Titan hier an erster Stelle.

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MasterCard World Elite: Fast ein Schnäppchen

Im Vergleich zur Centurion Card wirkt dieses Modell schon fast wie ein Schnäppchen. Zu haben ist die schwarze MasterCard World Elite nämlich für eine Jahresgebühr von „nur” 800 Euro. Damit würde sie selbst für Normalverdiener erschwinglich … wenn da nicht der Jahresumsatz wäre. Wie hoch der sein muss, verrät MasterCard nicht. Nur mal so als Anhaltspunkt: Angeblich geben die Kartenbesitzer im Schnitt zwischen 500.000 und 1.000.000 Euro aus. Jedes Jahr!

Im Gegenzug gewährt die Top-Karte aus dem Hause MasterCard ihren Nutzern luxuriöse Vorteile. Auch sie bekommen – natürlich – einen 24-Stunden-Concierge-Service, der sich um viele Belange kümmert. Ebenfalls dabei: exklusive VIP-Services an rund 500 Flughäfen inklusive Reiseversicherungen plus Beratung in rechtlichen Angelegenheiten.

Außerdem gehören Sonderkonditionen hinsichtlich Shopping, Unterhaltung oder Restaurants dazu. Ein Priority Pass sorgt für vorrangige Abfertigung der betuchten Klientel bei Reisen und Betreuung in vielen erstklassigen Flughafen-Lounges.

Ein gut gekleideter Mann lehnt sich herunter zu seiner Frau, die neben ihrem Reisegepäck in einem teuren Hotelzimmer sitzt
© istock/Robert Daly/2008  Entspannt und exquisit auf Reisen: Die teuersten Kreditkarten versprechen weltumspannenden Service.

HypoVereinsbank Visa Infinite Card: Die Eine-Million-Euro-Karte

Auch Anbieter Visa mischt bei den teuersten Kreditkarten mit. Partner ist die HypoVereinsbank (HVB). Kunden des Geldinstituts bekommen die Karte für recht human wirkende 800 Euro pro Jahr. Der Haken: Sie müssen mindestens 1.000.000 Euro bei der HypoVereinsbank angelegt haben. Damit verkleinert sich der Kundenkreis dann doch erheblich.

Mit der Millionen-Karte profitiert man vom HVB Concierge-Service, der stets zu Diensten ist. Er hilft tatkräftig bei der Reiseplanung und -abwicklung, bei alltäglichen Problemen (z. B. Vermittlung von Handwerkerarbeiten und Reparaturen) und ungewöhnlichen Anliegen (etwa exklusive Tickets, ausgefallene Geschenke für die Liebsten oder Geschäftspartner).

Natürlich gehört zur HypoVereinsbank Visa Infinite Card auch ein umfangreiches Versicherungspaket sowie der Zugang zu mehr als 1.000 Airport-Lounges in 300 Städten. Ein Priority Pass macht es möglich. Spezielle Konditionen für Luxus-Herbergen in aller Welt sind ebenfalls inklusive. Auch Superreiche sparen gern.

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J. P. Morgan Chase Reserve Card: Edelmetall-Kombi für die High Society

Für diese Luxus-Kreditkarte liegt die Hürde noch ein wenig höher. Sie wird nur ausgewählten Menschen gewährt, die bei der US-Bank J. P. Morgan Chase sehr viel Geld auf der hohen Kante haben. Richtig viel.

Wie viel – darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Die niedrigste liegt bei 10.000.000 US-Dollar. An der unklaren Informationslage erkennt man: Diese Karte ist wirklich sehr exklusiv. Jeder ihrer Besitzer soll im Durchschnitt ein Vermögen von 30.000.000 US-Dollar besitzen. Gerüchteweise hat Ex-US-Präsident Barack Obama eine der Karten bekommen. Dessen Privatvermögen wird auf rund 35.000.000 US-Dollar geschätzt. Das nötige Kleingeld für die Karte dürfte also auf seinem Konto sein.

Dann dürfte er sich über die vergleichsweise günstige Jahresgebühr von derzeit 595 US-Dollar gefreut haben. Außerdem ist die J. P. Morgan Chase Reserve Card ein regelrechtes Schmuckstück. Sie besteht aus den Edelmetallen Palladium und Gold. Die Mischung ist nicht gerade billig: rund 1.000 Euro. Damit das gute Stück im strapaziösen Alltag nicht verschleißt, erhalten die Nutzer eine Variante aus Plastik. Die muss neben dem kostbaren Metall-Mix auch ohne die Lasergravur mit den persönlichen Angaben ihres Besitzers auskommen.

Die inneren Werte sind natürlich für beide J. P. Morgan Chase Reserve Cards gleich: Concierge-Service für die kleinen und großen Dinge im Leben reicher Leute. Ein unbegrenztes Verfügungslimit, First-Class-Upgrade bei British Airways sowie weitere Vergünstigungen und Services für Urlaub und geschäftliche Trips. Mit dabei ist ein VIP-Status für Mietwagenunternehmen.

Was ist Palladium?

Was ist Palladium?

Das silberweiße Palladium wurde 1802 entdeckt und gehört zur Gruppe der Platinmetalle. Es wird unter anderem für Abgaskatalysatoren, als Zahnersatz in der Medizin oder für Schmuck verwendet. Und ist damit für die J. P. Morgan Chase Reserve Card gerade gut genug.

Die größten Vorkommen liegen in Südafrika, in den USA, in Russland und auf den Philippinen. Palladium wird unter dem Kürzel XPD an der Börse gehandelt. Eine Feinunze (31,1034768 Gramm) kostet rund 1.600 Euro (Stand Sommer 2019). Damit ist es teurer als Gold (rund 1.400 Euro/Unze).

Bank of Dubai First Royale Credit Card: Lohnendes Bonusprogramm

Darf’s ein bisschen mehr sein? Die Bank of Dubai First Royale Credit Card besteht aus purem Gold. Für besondere Strahlkraft sorgen eingelassene Diamanten. Um sie zu besitzen, müssen Sie sich besonders anstrengen: In ihren Genuss kommen Sie angeblich nur mit einem neunstelligen Kontostand. Das entspricht einem Vermögen von einer Milliarde US-Dollar aufwärts. Außerdem brauchen Sie noch eine persönliche Einladung. Das sorgt für angemessene Exklusivität. Immerhin fällt keine Jahresgebühr an.

Ein beschränkter Kreditrahmen dürfte in diesen Kreisen wohl als Beleidigung gelten. Deshalb gibt es keinen. Dafür aber individuelle Betreuung in praktisch allen Lebenslagen durch den VIP-Concierge-Service. Unsicher bei stilsicherem Benimm und angemessenem Outfit? Ein persönlicher Lifestyle-Assistent hilft gern weiter.

Außerdem punktet die Bank of Dubai First Royale Credit Card bei ihrer Klientel mit einem umfangreichen Bonusprogramm. Bei einem Cashback von vier Prozent lohnt sich das richtig: Wer 1.000.000 US-Dollar mit der Luxus-Kreditkarte umsetzt, bekommt dafür 40.000 US-Dollar zurück. Da zückt man sie gern öfter.

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Sberbank Visa Infinite Card: 65.000 US-Dollar Materialkosten

Geht es um die Jahresgebühr, so ist die Sberbank Visa Infinite Card das Maß aller Dinge: 100.000 US-Dollar. So viel müssen die Karteninhaber der Sberbank dafür in den ersten zwölf Monaten ihrer Mitgliedschaft investieren. Davon stecken allein 65.000 US-Dollar in der Karte selbst. Denn das Material besteht aus purem Gold und 26 Diamanten. Die restlichen 35.000 US-Dollar sind die Jahresgebühr.

Die Sberbank

Die Sberbank

Die Sberbank ist das größte Geldinstitut Russlands. Sie gehört zu einem Drittel dem Staat. Herausgeber der Visa Infinite Card ist allerdings nicht die Zentrale in Moskau, sondern seit 2012 die Sberbank-Filiale in Kasachstan. Angeblich besitzen nur die 100 reichsten ihrer superreichen Kunden ein Exemplar der teuren Karte.

Ihre Vorteile ähneln im Wesentlichen den anderen Modellen. Dazu zählen ein persönlicher Concierge-Service, VIP-Status in Hotels und Golfclubs, bevorzugte Behandlung auf Flugreisen. Aber sie hat auch ein spezielles Merkmal: Mit der Sberbank Visa Infinite Card haben ihre Inhaber gleichzeitig eine Lebensversicherung im Wert von 250.000 US-Dollar in der Tasche.

Eine Lifestyle-Expertin berät eine junge Frau in Modefragen
© istock/Weekend Images Inc./2016  Bei manchen Luxus-Kreditkarten gehört ein persönlicher Lifestyle-Assistent zum Service.

Die teuersten Kreditkarten: Lohnen sie sich wirklich?

Für Otto Normalverbraucher sind die Karten natürlich unerreichbar. Falls Sie einer sein sollten: Grämen Sie sich nicht. Klar, der Concierge-Service, den alle Luxus-Kreditkarten bieten, ist natürlich eine feine Sache. Aber wenn Sie zur solventen Zielgruppe gehören würden, könnten Sie sich sowas doch selbst leisten, oder? Dafür brauchten Sie doch keine Kreditkarte aus Titan oder Gold mit Diamanten. Das gilt ebenso für die anderen Vorzüge.

Aber hier geht es wohl eher nicht um finanzielle Vorteile wie ein Cashback-Programm. Im Gegenteil: Das Beste an den Karten dürfte mit Geld nur indirekt zu tun haben. Mit Centurion Card und Co. zeigt man einfach, was man hat. Das macht die Karten quasi unbezahlbar.

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