Wissen

Love Scamming: Achtung vor falschem Liebesglück im Internet

von Thorsten Schierhorn, 13.03.2023

Alleinsein macht manchmal traurig. Mit wem soll man auf Reisen gehen, ins Theater, ins Restaurant? Wer kuschelt mit einem abends auf der Couch? Wie sehr wünschen sich Alleinstehende da einen Schatz an ihrer Seite. Und sind froh, wenn sich auf einem Liebesportal der Traumprinz oder die Traumprinzessin meldet. Doch für manche endet das Glück in einem wahren Albtraum. Denn die neue Liebe hat es nur auf ihr Geld abgesehen. „Love Scamming“ nennt sich die fiese Masche. Hier liest du, was dahintersteckt. Und wie du dich schützen kannst.

Themen in diesem Artikel

 

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Der Begriff Love Scamming bezeichnet eine Betrugsmasche im Internet. 
  • Beim Love Scamming sollst du online dazu gebracht werden, dich in jemand Fremdes zu verlieben. 
  • Diese Person gibt es in Wirklichkeit gar nicht. 
  • Die Nachrichten und Telefonate übernehmen die Betrüger*innen, zu einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht kommt es nie. 
  • Die erfundene Person bittet dich schließlich immer wieder um Geld. Der Grund dafür ist ebenfalls ausgedacht. 
  • Beim Love Scamming kannst du sehr viel Geld verlieren, womöglich sogar deine gesamte Habe. 

Was ist Love Scamming?

Beim Love Scamming (auch Romance Scamming genannt) sind Liebesbetrüger*innen im Internet unterwegs. Sie gaukeln ihren Opfern die große Liebe vor, wollen aber eigentlich nur an deren Geld. Und das machen sie so: 

Zuerst erstellen die Täter*innen (oder Love Scammer) falsche Profile auf Datingportalen oder auf Plattformen wie Facebook und Instagram. Um attraktiver zu wirken, täuschen sie oft einen interessanten Beruf vor. Sie geben sich zum Beispiel als US-Soldat aus, als Ärztin oder Filmsternchen. Die passenden Bilder fürs Profil und ein paar Postings laden sie sich im Internet herunter. Manche engagieren auch Fotomodelle und schießen mit ihnen kleine Bilderserien.  

Dann schreiben sie Menschen an, die einen Partner oder eine Partnerin suchen. Wer anbeißt, fühlt sich zunächst im siebten Himmel. Aus einem harmlosen Chat per WhatsApp, aus Telefonaten und Nachrichten wird schnell eine Liebesbeziehung auf die Ferne. Zumindest sollen das die Opfer der Betrüger*innen glauben. 

Klicken Sie hier, um die Inhalte von YouTube anzuzeigen.

Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.

© WDR Doku 

Doch das Glück hält nicht lang. Plötzlich – oft vor einem geplanten ersten persönlichen Treffen – meldet die große Liebe Geldprobleme. Mal sei angeblich das Portemonnaie samt Kreditkarte gestohlen worden, mal sei jemand verhaftet oder entführt worden – die Liebesbetrüger*innen denken sich immer neue Geschichten aus. 

Am Ende läuft es immer auf dasselbe hinaus: Ob ihnen ihre Internetliebe nicht etwas leihen könnte? Wer zahlt, bekommt schon kurz darauf die nächste Geschichte aufgetischt, warum noch mehr Geld nötig ist. Manche Liebesopfer geben auf diese Weise nach und nach ihr gesamtes Vermögen her, nehmen sogar Kredite auf oder verkaufen ihr Haus. So geht es immer weiter – bis das Opfer die Märchen nicht mehr glaubt oder alles verloren hat. Dann ist die große Liebe von einem auf den anderen Tag weg. 

Wann du misstrauisch werden solltest

Warum fallen immer wieder Menschen auf die Masche herein? Vermutlich deshalb: Wer verliebt ist und sich ein Leben in Zweisamkeit erträumt, will oft die Warnzeichen gar nicht sehen. Außerdem gehen die Täter*innen sehr geschickt vor. Trotzdem gibt es zwei Probleme, die sie überspielen müssen. 

  • Love Scammer haben nicht viel Zeit. Je länger es dauert, bis Geld fließt, desto mehr Arbeit müssen sie in Nachrichten und Gespräche investieren. Und umso größer ist das Risiko, Fehler zu machen oder dass jemand misstrauisch wird. Entsprechend schnell kommen sie zur Sache. Vom ersten Kontakt bis zur großen Liebeserklärung vergehen oft nur wenige Wochen. Die Geldforderungen folgen nicht viel später. 
  • Täter*innen zeigen kein Gesicht. Klar, einige Bilder aus dem Internet kann man schnell herunterladen und so tun, als wären das die privaten Familienfotos. Aber ein Foto mit dem Geschenk, das du ihnen geschickt hast? Wäre bestenfalls mit einer Fotomontage drin. Und ein Gespräch über Video? Geht überhaupt nicht. 

Natürlich haben die Täter*innen für diese Fälle immer eine Erklärung parat. Warum sie so schnell so verliebt sind? Du wärst eben genau die Person, nach der sie gesucht haben, was sie an einem Bild, einer Äußerung, deinem Hobby erkannt hätten. Ein Videocall klappt nicht? Da streikt angeblich gerade die Kamera. 

Vielleicht klingt das für den Moment plausibel. Aber in einer stillen Stunde kommt dir das doch komisch vor? Oder deine Freund*innen stellen unangenehme Fragen? Schieb das nicht beiseite. Sondern geh auf Nummer sicher, auch wenn sich der schöne Schein sooo gut anfühlt. 

 

Ein Mann spricht mit skeptischem Blick mit einem anderen Mann
© istock/kali9 /2012  Wenn dich Freund*innen und Verwandte auf Merkwürdigkeiten hinweisen, solltest du hellhörig werden.

So kannst du Love Scamming erkennen

Klar will man an die große Liebe so lange wie möglich glauben. Und vielleicht hat man ein schlechtes Gewissen, am Gegenüber zu zweifeln. Aber wäre es nicht viel furchtbarer, wenn die Liebe ohnehin platzt – und du bis dahin viele Euro verloren hast? 

Ein kleiner Check kann deshalb nie schaden. Zumal es wirklich nicht schwer ist, Betrüger*innen rechtzeitig zu entlarven. 

Prüfe die Fotos 

Love Scammer benutzen immer Bilder von anderen Personen. Prüf deshalb, ob die Fotos deiner Liebe aus dem Internet oder von einer Fotoagentur stammen. Das geht ganz einfach: 

  1. Speichere das Profilbild oder die Bilder ab, die du bekommen hast. 
  2. Gehe zur Google Bildersuche
  3. Klicke in der Suchleiste auf das Kamerasymbol („Suche anhand von Bildern“). 
  4. Du kannst das Bild direkt vom Desktop in das Suchfeld ziehen (per „Drag + Drop“ = Das Foto mit der linken Maustaste anklicken, Maustaste gedrückt halten und das Bild aufs Suchfeld ziehen) oder über den Link hochladen (= Link anklicken, Fotodatei vom Speicherort auswählen und auf „Öffnen“ klicken). 

Jetzt kannst du sehen, wo diese Bilder noch überall im Internet auftauchen. Sind das wirklich alles Orte für private Fotos? Oder gibt es auch Werbeanzeigen, Unternehmensseiten und Ähnliches mit diesen Bildern? Trägt deine Internetbekanntschaft vielleicht überall andere Namen? Mit diesen Fragen siehst du schnell, ob bei diesen Bildern alles mit rechten Dingen zugeht. 

Suche mögliche andere Opfer 

Liebesbetrüger*innen suchen sich immer neue Opfer. Vielleicht bist du nicht das erste? Gib seinen beziehungsweise ihren Namen bei Google ein, am besten mit dem Zusatz „Scammer“. Oft haben frühere Opfer eine Warnung hinterlassen. Die findest du meist auf bestimmten Portalen, in denen sich Betroffene zusammengetan haben. Bei manchen dieser Portale kannst du sogar die Geschichte oder die Fotos deiner Internetbekanntschaft prüfen lassen. 

Solche Portale sind zum Beispiel: 

Bestehe auf einem Treffen 

Wie gesagt haben professionelle Love Scammer die tollsten Geschichten parat, an denen ein Treffen scheitert. Aber wenigstens ein Videotelefonat sollte drin sein. Das kann einmal scheitern, zweimal … aber immer wieder? Spätestens dann sollte dir klar sein: Deinen Traummann oder deine Traumfrau gibt es leider nicht. Zumindest nicht auf diesem Weg. 

Klicken Sie hier, um die Inhalte von YouTube anzuzeigen.

Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.

© BR24 

Was kannst du tun, wenn du hereingelegt wurdest?

Nach der ersten Enttäuschung solltest du schnell handeln, um den Schaden kleinzuhalten. Außerdem gewinnst du auf diese Weise das Gefühl, nicht wehrlos zu sein. Du kannst etwas dazu beitragen, den Täter*innen das Handwerk zu legen. 

  • Brich sofort den Kontakt ab! Antworte nicht auf E-Mails und ignoriere Anrufversuche. Wenn möglich, legst du dir eine neue Mailadresse und Telefonnummer zu. So können die Täter*innen keine weiteren Tricks anwenden, zum Beispiel dir einen Computervirus unterjubeln. 
  • Sichere Beweismaterial! Speichere Nachrichten und Chat-Verläufe auf einer externen Festplatte, einem USB-Stick oder in einer Cloud. 
  • Melde die Täter*innen beim Seitenbetreiber, wo ihr euch begegnet seid, also bei dem Datingportal oder einem Social-Media-Kanal. 
  • Melde dich bei deiner Bank. Möglicherweise kann sie die eine oder andere Überweisung noch rückgängig machen. 
  • Erstatte Anzeige bei der Polizei. Sie kann dir auch helfen, Beweise zu sichern und weiß, wie du dich vor weiterem Schaden schützen kannst. 

Leider können viele Opfer nicht so einfach mit der Erfahrung abschließen. Neben dem finanziellen Verlust haben sie oft mit Scham, Depressionen, Panikattacken oder Schlafstörungen zu kämpfen. Erste Hilfe bietet in solchen Fällen das Opfer-Telefon des Weißen Rings sowie das Hilfetelefon für Frauen beziehungsweise das Hilfetelefon für Männer

Wie hat dir der Artikel gefallen?

3

Das könnte dich auch interessieren: