Ein älterer Mann telefoniert zu Hause mit seinem Handy und blickt nachdenklich aus dem Fenster
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Enkeltrick enttarnen: Keine Chance für die falschen Verwandten

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 17.07.2020

„Rate mal, wer dran ist…!“ Wer mit diesen Worten am Telefon begrüßt wird, hat möglicherweise einen Trickbetrüger an der Strippe. Sein Ziel: Als Enkel oder Neffe erkannt werden und mit Omas – oder Tantchens – Geld aus einer vermeintlichen Notlage befreit werden. Den sogenannten Enkeltrick gibt es in verschiedenen Spielarten – hier erfahren Sie, wie Sie sich oder ältere Verwandte schützen.

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Wie funktioniert der Enkeltrick?

Beim Enkeltrick beginnt alles mit dem Anruf bei einem älteren Menschen. Diesen begrüßt der Trickbetrüger mit „Hallo Opa/Oma!“ oder „Na, weißt du, wer hier ist?“ und lässt ihn den Namen eines jungen Familienmitglieds raten. Ist der Senior erst einmal überzeugt, dass er es mit seinem Verwandten zu tun hat, rückt der Trickbetrüger mit seinem Anliegen heraus: Er braucht viel Geld, und zwar umgehend und in bar.

Es gibt zahlreiche Vorwände, unter denen sich die falschen Verwandten Geld erschleichen wollen, doch handelt es sich bei ihren Geschichten immer um eine Notlage oder eine einmalige Chance, sodass es schnell gehen muss. Typische Szenarien sind:

  • Die Kosten für eine lebenswichtige Behandlung müssen bezahlt werden.
  • Es besteht die einmalige Möglichkeit, ein Schnäppchen zu machen, etwa beim Wohnungs- oder Autokauf.
  • Der Anrufer wird bedroht und muss sich freikaufen.

Gelegentlich verknüpfen die Betrüger ihre Geschichte mit aktuellen Anlässen: In der Corona-Krise ist es ein teures Gegenmittel, das sie bezahlen müssen. Nach einer Überschwemmung brauchen sie Geld für Notreparaturen. Wichtig ist den Betrügern zudem, dass der Angerufene nicht mit anderen spricht, deshalb erfinden sie Gründe, weshalb es notwendig ist, die Begebenheit geheim zu halten.

Um Druck aufzubauen, rufen die Telefonbetrüger meistens sehr oft innerhalb von ein paar Stunden an. Die Geldübergabe soll dann unbedingt am selben Tag erfolgen. Dafür erscheint jedoch ein Komplize, weil der vermeintliche Enkel oder Neffe angeblich verhindert ist. Der Mittäter nimmt das Geld als Freund entgegen oder als Mitarbeiter einer Firma, die eine Rolle in der erfundenen Geschichte hat. Hat er die Scheine eingesteckt, macht er sich zügig aus dem Staub und es gibt keinen weiteren Kontakt.

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Welche anderen Betrugsmaschen gibt es?

Neben dem Enkeltrick haben Betrüger noch weitere Methoden, mit denen sie versuchen, die Hilfsbereitschaft und zum Teil auch Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen auszunutzen. Diese Betrugsmaschen sollten Sie kennen:

Falsche Polizisten

Trickbetrüger nutzen gern die Autorität der Polizei oder anderer offizieller Stellen wie dem Ordnungsamt oder der Staatsanwaltschaft, um Druck aufzubauen. Leider sind die Nummer der örtlichen Polizeidienststelle auf Ihrem Telefondisplay oder ein vorgezeigter Dienstausweis keine Garantie, dass Sie es mit einem echten Polizisten zu tun haben. Beides kann gefälscht sein.

Worauf Sie sich verlassen können: Polizisten werden niemals an der Haustür oder am Telefon Geld von Ihnen fordern oder Sie um die Herausgabe von Passwörtern bitten. Ebenso werden Sie kein Bargeld und auch keine Wertgegenstände abholen, um sie „in Sicherheit“ zu bringen. Suchen Sie sich im Zweifelsfall die Nummer der Behörde heraus und rufen Sie an, während Ihr Besucher vor der Haustür wartet. Ein echter Beamter wird so viel Vorsicht löblich finden und Sie nicht davon abbringen wollen.

Falsche Microsoft-Mitarbeiter

Bei dieser Form des Telefonbetrugs kontaktiert Sie ein angeblicher Mitarbeiter von Microsoft oder einem ähnlichen bekannten Technologie-Unternehmen mit der Behauptung, Ihr Computer sei von Viren befallen. Er fordert Sie dann auf, ein bestimmtes Programm zu installieren, das Ihren PC schützt. Tatsächlich gibt es dem Betrüger aber Zugriff auf Ihren Rechner und damit auf alle Konten. Erhalten Sie einen solchen Anruf, legen Sie einfach auf – Microsoft & Co. kontaktieren ihre Kunden nicht auf diese Weise.

Ein freundlicher Mann mittleren Alters steht vor der Haustür und zeigt der Hausbewohnerin seinen Dienstausweis
© istock/sturti/2017  Ein Dienstausweis kann gefälscht sein – bleiben Sie bei unerwartetem Besuch misstrauisch.

Betrüger an der Haustür

Haustürbetrug kann sehr unterschiedliche Formen annehmen:

  • Ein aufdringlicher Verkäufer nötigt Sie, ihm Ware abzunehmen oder einen Vertrag zu unterschreiben. Sagen Sie bestimmt nein oder fragen Sie – falls das Angebot interessant ist –, wie Sie ihn nach etwas Bedenkzeit kontaktieren können. Seriöse Vertreter müssen ihr Geschäft nicht umgehend abschließen und sind über die Firmenzentrale erreichbar.
  • Ein Unbekannter braucht Hilfe, möchte die Toilette benutzen, ein Glas Wasser trinken oder benötigt etwas zum Schreiben. Falls Sie ihn in die Wohnung lassen, verschafft sich meist eine zweite Person Zutritt, die Geld und Wertgegenstände mitgehen lässt. Wenn Sie gerne helfen möchten, gehen Sie trotzdem kein Risiko ein. Beschreiben Sie den Weg zur nächsten öffentlichen Toilette oder holen Sie das Wasserglas beziehungsweise Stift und Papier, während der Unbekannte vor der fest verschlossenen Haustür wartet.
  • Ein Techniker will eine Wartung oder dringende Reparatur durchführen. Wissen Sie von nichts, lassen Sie sich seinen Ausweis zeigen und rufen Sie sicherheitshalber bei der Hausverwaltung an, während er draußen wartet.

Gewinnversprechen

Die Aussicht auf einen großen Gewinn oder vielleicht auch ein Erbe ist verlockend. Vergessen Sie in der Vorfreude jedoch nicht die Vorsicht: Trickbetrüger machen sich die Hoffnungen ihres Opfers zunutze, indem sie große Summen in Aussicht stellen – für die der Glückliche jedoch erst einmal selbst etwas zahlen soll. Das können Bearbeitungsgebühren sein, eine Notarrechnung, Transportkosten oder Ähnliches. Oder eine Telefonnummer, die Sie anrufen sollen, führt Sie in eine teure Warteschleife.

Wenn Sie – zurecht – nicht darauf eingehen, lassen die Betrüger nicht immer sofort locker. Beispielsweise behaupten sie, dass Sie zu einer Zahlung verpflichtet seien, weil Sie an dem besagten Gewinnspiel teilgenommen hätten. Die Kosten würden steigen, wenn Sie nicht sofort überweisen, unter Umständen drohen sie sogar mit einer Anzeige. Lassen Sie sich auf keinen Fall einschüchtern und kontaktieren Sie die Polizei.

Die Ping-Masche

Hier erhalten Sie einen Anruf, doch noch bevor Sie das Telefon erreichen, wird wieder aufgelegt. Dieses kurze Anrufen nennt sich  „anpingen” – daher der Name der Masche. Das Ziel: Sie sollen die Nummer auf dem Display zurückrufen. Wenn Sie das tun, landen Sie jedoch schnell bei einer Nummer im Ausland oder einer kostenpflichtigen Sonder-Telefonnummer. Entsprechend hoch fällt die Telefonrechnung aus – und die Betrüger erhalten einen Anteil davon.

Prüfen Sie deshalb, ob Sie die Telefonnummer kennen. Falls nicht, warten Sie einfach ab. Wenn es sich um eine wichtige Angelegenheit handelt, wird sich der Anrufer von sich aus noch einmal melden.

Vertrag per „Ja“ am Telefon

Ein unbekannter Anrufer bringt Sie am Telefon dazu, auf eine Frage mit „Ja“ zu antworten. Dieses Ja zeichnen die Betrüger auf und schneiden das Gespräch neu zusammen. Plötzlich klingt es so, als hätten Sie per Telefon einem Vertrag zugestimmt. Prompt erhalten Sie Rechnungen, Vertragsunterlagen oder Waren, die Sie bezahlen sollen. Überweisen Sie kein Geld! Verträge dieser Art sind unwirksam.

Sie sollten den Vorgang aber auch nicht ignorieren. Schreiben Sie dem Absender einen Brief, dass Sie die Forderung ablehnen und keinem rechtsgültigen Vertrag zugestimmt haben. Wenn nötig, wenden Sie sich an einen Anwalt oder die Verbraucherzentrale.

Eine ältere Dame sitzt mit einem Mann am Wohnzimmertisch und hört interessiert zu
© gettyimages/Dobrila Vignjevic/2020  Eine Vertrauensperson hilft Ihnen, die Lage einzuschätzen und stärkt Ihnen den Rücken.

Checkliste: Wie kann ich mich vor Trickbetrügern schützen?

Betrüger haben vor allem einen Feind: gesundes Misstrauen. Natürlich müssen Sie nicht allen Mitmenschen böse Absichten unterstellen. Doch wenn es um Ihre Sicherheit oder Ihr Geld geht, dürfen Sie ruhig vorsichtig sein, kritische Nachfragen stellen und Angebote ablehnen. Um einen Betrugsversuch zu erkennen, hilft es, die zuvor skizzierten Abläufe sowie folgende Verhaltensregeln zu kennen: 

  • Übergeben Sie niemals Geld an Personen, die Sie nicht kennen.
  • Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung, die unerwartet vor der Haustür stehen. 
  • Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und haben Sie keine Angst, dass Sie unhöflich sein könnten. Legen Sie im Zweifelsfall einfach auf beziehungsweise schließen Sie die Haustür.
  • Geben Sie Fremden keine Informationen zu Ihren persönlichen Verhältnissen und verraten Sie insbesondere keine PIN-Nummern oder Passwörter.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen: Nehmen Sie sich Zeit, die Forderung beziehungsweise das Angebot zu überdenken und besprechen Sie die Angelegenheit mit einer Vertrauensperson.
  • Wenn sich ein angeblicher Verwandter bei Ihnen meldet, soll dieser selbst seinen Namen nennen oder Ihnen Informationen geben, die seine Identität bestätigen. Rufen Sie ihn gegebenenfalls unter der Nummer zurück, unter der Sie ihn sonst auch erreichen (nicht unter einer neuen Nummer, die Sie während des Gesprächs bekommen).
  • Wenn Sie davon ausgehen, dass ein Betrüger mit Ihnen Kontakt aufgenommen hat, scheuen Sie sich nicht, sich bei der Polizei zu melden – es ist nicht schlimm, falls es sich um einen Fehlalarm handelt. Im besten Fall notieren Sie sich die Telefonnummer auf Ihrem Display und die Gesprächsinhalte.
  • Auch die Verbraucherzentrale ist ein guter Ansprechpartner: Sie gibt Informationen zu aktuellen Fällen.
  • Wenn Sie einen Vornamen haben, der in jüngeren Generationen nicht mehr üblich ist – beispielsweise Gertrud oder Friedhelm –, kürzen Sie diesen im Telefonbuch und auf dem Türschild ab. So können Trickbetrüger, die es auf Senioren abgesehen haben, gar nicht erst auf Sie aufmerksam werden.

Sie sind sich sicher, dass Sie einen Trickbetrüger enttarnen würden? Bestens! Sprechen Sie aber auch mit Verwandten oder Freunden, die möglicherweise nicht so gut informiert sind und sich leichter täuschen ließen. Von einem vertrauten Menschen lässt sich eine solche Warnung oft besonders gut annehmen.

Eine ältere Frau sitzt am Küchentisch und schaut auf ein Notizbuch, während sie ihr Handy in der Hand hält
© istock/Dobrila Vignjevic/2019  Zögern Sie nicht, die Polizei anzurufen, wenn Sie es mit einem Trickbetrüger zu tun hatten.

Was soll ich tun, wenn ich auf einen Betrug hereingefallen bin?

Manchmal passiert es doch: Der Trickbetrüger ist besonders überzeugend, der Druck zu handeln groß – und das Geld ist futsch. Zu dem finanziellen Verlust kommen dann oft Scham und Selbstvorwürfe: Wie konnte ich nur darauf reinfallen? Die Antwort ist einfach: Die Betrüger sind Profis und wissen genau, was sie tun. Hätten sie damit nicht immer wieder Erfolg, wäre ihr krimineller Beruf längst ausgestorben.

Betroffene sollten deshalb nicht zu hart mit sich ins Gericht gehen und sofort Anzeige bei der Polizei erstatten. Dort kümmern sich Spezialisten um den Fall und verhindern mit ihren Ermittlungen und Informationskampagnen oftmals, dass es noch weitere Opfer gibt. Das verlorene Geld gibt es leider eher selten zurück, doch je schneller sich Betroffene bei der Polizei melden, desto besser sind ihre Chancen.

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