Ein Mann sitzt mit Unterlagen und einem Laptop am Schreibtisch
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Steuererklärung selber machen: So gehen Sie vor

Bianca Sellnow
von Bianca Sellnow, 28.04.2021

Die Steuererklärung selber zu machen kann zwar durchaus mehrere Stunden dauern. Bei einfachen finanziellen Verhältnissen ist es aber nicht besonders kompliziert. Und die Mühe kann sich durchaus lohnen. Wie hoch die Erstattung im Schnitt ausfällt, wo Sie die Formulare für die Erklärung finden und wie Sie die Bögen ausfüllen, erfahren Sie hier.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Viele Arbeitnehmer*innen sind nicht verpflichtet dazu, eine Steuererklärung abzugeben.
  • Das freiwillige Einreichen lohnt sich jedoch oft.
  • Im Schnitt liegt die Steuererstattung bei rund 1.000 Euro.
  • Bei einfachen finanziellen Verhältnissen ist der Aufwand überschaubar. 
  • Weitergehende Unterstützung bieten etwa das Bundesfinanzministerium und Vereine.

Warum überhaupt eine Steuererklärung machen?

Angestellte sind nur in bestimmten Fällen dazu verpflichtet, eine Steuererklärung für das vergangene Jahr abzugeben. Zum Beispiel wenn sie

  • beim Finanzamt Freibeträge eingefordert haben
  • Nebeneinkünfte hatten, die einen bestimmten Betrag überschreiten 
  • mindestens 410 Euro Kurzarbeitergeld erhalten haben
  • einen Ehepartner haben, der eine Steuererklärung abgibt

Dazu kommen einige weitere Fälle. Neben diesen Arbeitnehmer*innen sind zudem mehrere weitere Gruppen grundsätzlich dazu verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Zum Beispiel Selbstständige oder Rentner. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel „Steuererklärung abgeben – Pflicht oder Kür?“ 

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie eine Steuererklärung machen müssen, sollten Sie unbedingt beim zuständigen Finanzamt nachfragen. Das Amt fordert nur in bestimmten Fällen von sich aus dazu auf, eine Steuererklärung abzugeben. Auch wenn Sie keine Aufforderung bekommen, können Sie also durchaus zur Steuererklärung verpflichtet sein.

Die linke Hand einer Frau hält einen Taschenrechner und die rechte Hand tippt auf die Zahlen
© istock/erdikocak/2019  Eine Steuererklärung zu machen rechnet sich oft, auch wenn Sie nicht dazu verpflichtet sind.

Freiwillige Steuererklärung lohnt sich häufig

Selbst wenn Sie wie viele Arbeitnehmer*innen nicht dazu verpflichtet sind, kann sich die Mühe einer Steuererklärung lohnen. 13,7 Millionen Steuerpflichtige hatten laut Statistischem Bundesamt etwa für 2016 eine Steuererklärung abgegeben. Der größte Teil davon, immerhin 12 Millionen, bekam eine Erstattung. Im Schnitt lag die Steuererstattung bei 1.027 Euro.

Der zu erwartende Betrag reicht häufig allerdings nicht aus, um davon eine*n Steuerberater*in zu engagieren, die*der die Arbeit übernimmt. Bei unkomplizierten finanziellen Verhältnissen ist es deshalb meist ratsam, die Steuererklärung selber zu machen. Das bedeutet zwar etwas Aufwand. Es ist aber nicht so schwierig, wie viele befürchten. Worauf dabei zu achten ist, erklären die folgenden Abschnitte.

Papierform oder digital: Wie erstellen Sie die Erklärung?

Sie können die Steuererklärung entweder auf Papier oder digital anfertigen und versenden. Für die Papierform ist es nötig, dass Sie die Unterlagen von der Seite Ihres zuständigen Finanzamtes herunterladen. Wenn Sie noch nicht wissen, welches Amt das genau ist, können Sie es über die Suche beim Bundeszentralamt für Steuern herausfinden. Sie erhalten die Formulare aber auch als Download auf der Webseite vom Bundesministerium der Finanzen. Nach dem Herunterladen drucken Sie die für Sie zutreffenden Unterlagen aus und füllen die entsprechenden Formulare aus. Ist die Steuererklärung fertig, können Sie diese per Post an das zuständige Finanzamt versenden.

Eine Frau und ein Mann sitzen sich am Schreibtisch im Büro gegenüber und reden
© istock/pixelfit/2020  Hatten Sie im vergangenen Jahr berufliche Kosten, zum Beispiel für Bewerbungen? Dann können Sie diese unter Umständen von der Steuer absetzen.

Direkter geht es mit der Online-Steuererklärung: Hierfür gibt es unterschiedliche Programme für den Computer oder auch das Smartphone. Die können Sie verwenden, um Ihre Steuerunterlagen digital auszufüllen und zu versenden. Die Programme unterscheiden sich im Design und der Nutzerfreundlichkeit. Manche führen mit besonders einfachen Fragen durch die Steuererklärung. Nach dem Beantworten können Sie mit wenigen Klicks die Steuererklärung absenden. Die meisten dieser Programme sind jedoch kostenpflichtig. 

Von der Regierung kostenlos zur Verfügung gestellt wird die Software ELSTER – eine Abkürzung für elektronische Steuererklärung. Um dieses Programm zu verwenden, müssen Sie sich online bei ELSTER registrieren. Anschließend erhalten Sie die nötigen Aktivierungsdaten per E-Mail und Post. Damit können Sie sich auf dem Computer in dem Programm einloggen. Danach können Sie direkt loslegen, die Steuerformulare auszufüllen. ELSTER unterstützt Sie dabei mit vielen Hilfestellungen und Informationen zu den jeweiligen Formularen.

Fristen beachten: Bis wann müssen Sie abgeben?

Bei den Fristen für die Abgabe der Steuererklärung kommt es darauf an, ob Sie diese freiwillig machen oder dazu verpflichtet sind. Wenn Sie können, aber nicht müssen, haben Sie bis zu vier Jahre Zeit für die Abgabe. Die Steuererklärung für 2020 muss demnach erst bis Ende 2024 beim Finanzamt eingehen.

Wenn Sie zu einer Steuererklärung verpflichtet sind, müssen Sie die Unterlagen bis spätestens 31. Juli des Folgejahres einreichen. Diese Frist sollten Sie auch nicht versäumen. Eine verspätete Abgabe kann schnell zu relativ hohen Geldstrafen führen. Wenn Sie es aus wichtigen Gründen nicht schaffen, die Steuererklärung bis zu dieser Frist abzugeben, können Sie jedoch eine Verlängerung beim Finanzamt beantragen. Mögliche Gründe sind beispielsweise fehlende Unterlagen, eine längere Krankheit oder eine über längere Zeit sehr hohe Arbeitsbelastung. Allerdings muss der Antrag dafür rechtzeitig vor Ende der Juli-Frist eingehen. Einen Anspruch auf eine Fristverlängerung haben Sie jedoch nicht. Sie müssen dabei also auf das Entgegenkommen des Finanzamtes hoffen.

Kassenbelege auf einem Tisch verteilt die von einem Paar angesehen werden
© istock/Ridofranz/2018  Für Ihre Angaben in der Steuererklärung brauchen Sie Belege – diese müssen Sie aber meist nicht mit einsenden.

Vorbereitung: Welche Daten und Belege brauchen Sie?

Um Ihre Steuererklärung auszufüllen, sollten Sie Ihre steuerliche Identifikationsnummer (IdNr) kennen. Diese finden Sie in zurückliegenden Einkommensteuerbescheiden oder auch auf Ihrer Lohnsteuerbescheinigung vom Arbeitgeber. Wenn Sie die Nummer nicht kennen und auch nicht finden können, lässt sie sich beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) anfordern. Sie können die Steuererklärung im Zweifelsfall aber auch ohne die IdNr abgeben. Das Finanzamt ordnet Ihre Formulare dann Ihrer Identifikationsnummer zu.

Darüber hinaus benötigen Sie Belege für alle Einnahmen aus dem betreffenden Jahr. Und Belege für alle Ausgaben, die Sie von der Steuer absetzen können. Hier ein Überblick über häufig anfallende Nachweise:

  • jährliche Lohnsteuerbescheinigung vom Arbeitgeber
  • Quittungen über Spenden
  • Quittungen für berufliche Kosten (z. B. für Bewerbungen oder Arbeitsmittel)
  • Belege für absetzbare Versicherungen (mehr dazu im Artikel „Welche Versicherungen kann ich von der Steuerabsetzen?“)
  • Jährliche Nebenkostenabrechnung für gemietete Wohnung oder Haus
  • Belege für Gesundheitskosten (z. B. Eigenkostenanteil für Arztbesuche, selbst gezahlte Medikamente)
  • Belege für Zinserträge bzw. -kosten sowie Kapitalerträge oder Lohnersatzleistungen
  • Bescheinigung für Riester-Vertrag
  • Schwerbehindertenausweis

Die gute Nachricht: Sie müssen in der Regel beim Versenden der Steuererklärung keine Belege mit einreichen. Einzige Ausnahme: Nachweise, die im entsprechenden Formular der Erklärung ausdrücklich verlangt werden.

Wichtig: Geben Sie in der Steuererklärung dennoch besser nichts an, was Sie nicht auch belegen können. Denn das Finanzamt kann jederzeit auf Sie zukommen und von Ihnen verlangen, dass Sie entsprechende Nachweise einreichen.

Los geht’s: Wie füllen Sie die Steuerformulare aus?

Egal ob elektronisch oder in Papierform, normalerweise beginnen Sie mit dem Hauptvordruck oder auch Mantelbogen. Hier kommen allgemeine Informationen zu Ihrer Person hinein. Dazu gehören

  • persönliche Daten wie Name und Adresse 
  • Geburtsdatum
  • Steueridentifikationsnummer
  • ausgeübter Beruf
  • Religionszugehörigkeit bzw. Angabe dazu, dass Sie nicht kirchensteuerpflichtig sind

Unbedingt zu beachten ist hierbei, wie auch im weiteren Verlauf der Steuererklärung: Wenn Sie verheiratet sind und Sie eine Steuererklärung zusammen mit Ihrer*Ihrem Ehepartner*in abgeben, müssen ihre*seine Daten im selben Formular eingetragen werden.

Nach dem Hauptvordruck folgen unterschiedliche Anlagen zur Steuererklärung. Dies sind zusätzliche Bögen, die Auskunft über bestimmte Ausgaben und Einnahmen geben, wie etwa Zahlungen an Versicherungen oder Einkünfte aus Vermietungen. Einige dieser Anlagen müssen Sie ausfüllen, andere können Sie auslassen.

Wichtig für das Ausfüllen sämtlicher Formulare: Lesen Sie jeden Punkt genau durch und tragen alle Daten gewissenhaft ein. Denn Fehler in der Steuererklärung sollten Sie vermeiden. Diese können nämlich teuer werden, allerdings nur in bestimmten Fällen. Etwa, wenn Sie steuerpflichtige Einnahmen auslassen. Wenn Sie einmal nicht genau wissen, wie Sie einen Punkt ausfüllen sollen, helfen im ersten Schritt die Anleitungen des Bundesministeriums der Finanzen. Diese finden Sie beispielsweise zusammen mit den Formularen für die Steuererklärung unter formulare-bfinv.de.

Hier erhalten Sie Hilfe bei Ihrer Steuererklärung

Hier erhalten Sie Hilfe bei Ihrer Steuererklärung

Wenn Sie bei Ihrer Steuererklärung an einem Punkt nicht weiterkommen, können Sie sich an verschiedene Stellen wenden, die Ihre Fragen beantworten. Dabei sind sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Angebote. Welche Möglichkeiten es gibt, erklärt unser Artikel „Hilfe für die Steuererklärung: Wer darf helfen und was kostet das?“.

Welche Anlagen sind die wichtigsten?

Den Hauptvordruck müssen Sie ausfüllen, wenn Sie Ihre Steuererklärung selber machen. Für die meisten zusätzlichen Formulare gilt das nicht oder nur bedingt – je nach Ihren Lebensumständen. Hier ein Überblick zu den wichtigsten Anlagen und was Sie dort eintragen:

Anlage N – für Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit: Das ist eine wichtige Anlage für Angestellte. Hier kommen die Angaben aus der jährlichen Lohnabrechnung Ihres Arbeitgebers hinein, wie etwa Bruttoarbeitslohn, Lohnsteuer, Kirchensteuer oder auch Kurzarbeitergeld. Zudem einige andere Lohnbezüge und Aufwandsentschädigungen, sofern sie auf Ihre Situation zutreffen.

Anlage Vorsorgeaufwand: Dieses Formular betrifft die meisten, darin tragen Sie nämlich die Kosten Ihrer gesetzlichen oder privaten Kranken- bzw. Pflegeversicherung ein. Und die Einzahlungen in die Rentenversicherung, wie sie auf Ihrer Lohnsteuerbescheinigung vom Arbeitgeber angegeben sind. Außerdem können Sie hier weitere Ausgaben für die Altersvorsorge angeben, wenn Sie diese steuerlich geltend machen möchten.

Anlage Außergewöhnliche Belastungen: Hier können Sie beispielsweise Ihre über das Jahr angesammelten Krankheitskosten eintragen, also was Sie etwa für Arzneimittel oder eine Kur ausgegeben haben. Aber auch Kosten, die bei Ihnen aufgrund einer Behinderung oder für eine Pflege angefallen sind, gehören in dieses Formular.

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