Helfer verteilen aus einem Karton Lebensmittelkonserven an bedürftige Kinder
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Spendensiegel – garantiert für den guten Zweck

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 30.09.2020

Bestimmt haben Sie schon mal Briefe, E-Mails oder Anrufe mit der Bitte um Hilfe für einen guten Zweck bekommen. Warum auch nicht? Spenden ist sinnvoll! Doch Vorsicht: Nicht alle Aufrufe sind seriös. Spendensiegel sind eine gute Möglichkeit, eine vertrauenswürdige Organisation zu erkennen. Wer sie nach welchen Kriterien verleiht und was Sie davon haben, verrät Ihnen dieser KlarMacher-Ratgeber.

Themen in diesem Artikel

Spendensiegel: Erkennungsdienst für die gute Tat

Die Bundesbürger spenden gern und reichlich. Jeder Vierte hat im Jahr 2019 etwas vom eigenen Geld an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen abgegeben. Insgesamt 5,1 Milliarden Euro kamen dabei zusammen. Das entspricht einer durchschnittlichen Einzelspende von rund 37 Euro. Diese Zahlen hat der Deutsche Spendenrat e. V. veröffentlicht. Demnach ging das meiste Geld (75,3 Prozent) an humanitäre Projekte, vor allem für Not- und Katastrophenhilfe sowie an Menschen mit Krankheiten und Behinderungen.

Seriöse Hilfsorganisationen sorgen dafür, dass Ihre Spenden die bedürftigen Adressaten zuverlässig erreichen. Allerdings gibt es auch Betrüger, die Ihre Nächstenliebe ausnutzen wollen, um sich die finanzielle Unterstützung lieber in die eigene Tasche zu stecken. Und das oft so gewieft, dass die Täuschung für Laien nur schwer zu erkennen ist.

Hinzu kommt, dass sich gemeinnützige Spendenorganisationen bei ihrer Arbeit nur an wenige gesetzliche Regeln halten müssen. Das soll den Verwaltungsaufwand möglichst gering halten. Allerdings kann man dadurch von außen schwer erkennen, was die Initiativen konkret mit dem Geld tun. Deshalb wurden mehrere Spendensiegel eingeführt, die Ihnen garantieren sollen, dass Ihre Spende an die richtige Adresse geht. Für dieses Versprechen müssen Spendensammler bestimmte, überprüfbare Voraussetzungen erfüllen.

In der Regel wird dabei abgeklopft, ob ...

  • … ihre Satzungen transparent sind.
  • … sie ehrliche und öffentliche Arbeitsberichte herausgeben.
  • … ihre eingesammelten Spenden wirklich bei den bedürftigen Empfängern ankommen.
  • … ihre Verwaltungskosten angemessen sind und kontrolliert werden.
  • … sie das eigene Projekt fair bewerben – auch gegenüber anderen Spendenorganisationen.
  • … sie Korruption verhindern.
  • … ihre Projekte eine nachweisbare Wirkung erzielen.
  • … sie ihre interne Leitung und Aufsicht voneinander trennen.

Manche Anbieter verlangen für den Check Geld, andere verleihen ihre Siegel kostenlos an die Hilfsorganisationen. Oft geschieht das unter der Aufsicht, Trägerschaft oder Beteiligung von Bundes- und Landesministerien sowie anderweitigen politischen Verbänden. Im Hintergrund sind häufig auch gesellschaftliche, kulturelle, karitative oder wirtschaftliche Institutionen und Stiftungen.

Eine Frau sitzt am Schreibtisch und füllt einen Scheck aus
© istock/AndreyPopov/2019  Geldspenden sind wie hier per Scheck oder mit einer Überweisung und auch in bar möglich.

DZI: Ein Spendensiegel mit Tradition

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin stellt seit 1922 Spendensiegel aus. Sie gehen nur an Hilfsorganisationen mit Sitz in Deutschland.

Diese müssen unter anderem belegen, dass sie …

  • … transparent arbeiten.
  • … nachvollziehbar und sparsam wirtschaften.
  • … interne Abläufe und Geldflüsse kontrollieren.
  • … ihre Aufsichtsgremien überwachen.

Gut ein Drittel der Bewerber (30 Prozent) scheitert mit einem Erstantrag an diesen Voraussetzungen. Derzeit besitzen rund 230 Hilfsorganisationen das DZI-Spendensiegel. Zu finden sind sie in einer Online-Datenbank

Wenn Aktionsgruppen das DZI-Spendensiegel führen möchten, müssen sie dafür pauschal 500 Euro pro Jahr bezahlen. Außerdem wird noch ein Teil ihrer jährlichen Gesamteinnahmen fällig (0,035 Prozent). Die Höchstgrenze für beide Beträge zusammen liegt bei 12.000 Euro plus Mehrwertsteuer (MwSt.). Für einen Erstantrag kommen noch 1.000 Euro plus MwSt. obendrauf.

Klicken Sie hier, um die Inhalte von YouTube anzuzeigen.

Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.

© Copyright: DZI 

Deutscher Spendenrat: Kandidaten-TÜV mit Wirtschaftsprüfern

Logo Deutscher Spendenrat

Der Deutsche Spendenrat e.V. wurde 1933 gegründet. Heute versteht er sich als “gemeinnütziger Dachverband Spenden sammelnder gemeinnütziger Organisationen in Deutschland”. Der Deutsche Spendenrat zählt derzeit rund 70 Mitglieder. Sie leisten soziale wie humanitäre Hilfe, engagieren sich für Umwelt und Tierschutz, Kunst und Kultur oder Denkmalschutz. Auch kirchliche Organisationen aller Konfessionen sind darunter.

Um sich das Spendenzertifikat zu verdienen, müssen Anwärter und Mitglieder eine Reihe von Qualitätsstandards einführen und beibehalten. Das gilt besonders für Transparenz und Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit. Neben ihren organisatorischen Strukturen, Einzelheiten zu ihrer Tätigkeit und ihren Projekten stehen die Finanzen im Fokus. Ihre Angaben fassen sie in Jahresberichten zusammen und legen diesen dem Deutschen Spendenrat vor. Der prüft die Informationen und lässt sie unter anderem von externen Wirtschaftsprüfern kontrollieren.

So spenden Sie richtig

So spenden Sie richtig

Auch Spenden will gelernt sein. Schließlich möchten Sie mit Ihrer Unterstützung Gutes tun. Überlegen Sie sich also gut, wie viel und über wen Sie spenden möchten. Was Sie sonst noch wissen sollten, hat der Deutsche Spendenrat in seinen „Goldenen Regeln“ festgehalten. Darin lesen Sie zum Beispiel, warum Geldspenden oft sinnvoller sind als Sachspenden. Außerdem gibt es vom Spendenrat noch „Tipps zum richtigen Spendenverhalten“.

In den KlarMacher-Artikeln finden Sie außerdem, wie Sie mit einer Spendenbescheinigung Ihre Spenden von der Steuer absetzen können.

Wirkt-Siegel von Phineo: Dem Effekt auf der Spur

PHINEO Logo

 

Ob ein Hilfsprojekt tatsächlich etwas bewegt, ist nicht immer einfach zu erkennen. Das will das sogenannte Wirkt-Siegel ändern. Es zeigt, dass seine Träger mit ihrem Engagement tatsächlich Gutes erreichen. Dafür müssen sie sich einer Prüfung von Phineo unterziehen. Dabei untersucht das 2009 gegründete Berliner Analyse- und Beratungshaus die Leistungsfähigkeit und die soziale Wirkung gemeinnütziger Organisationen. Das macht Phineo kostenlos.

Organisationen, die das Wirkt-Siegel bekommen wollen, müssen sich in regelmäßig stattfindenden Ausschreibungen dafür bewerben. Jede dieser Runden steht unter einer bestimmten Überschrift. Teilnehmen können alle Spendensammler, deren Sitz in Deutschland ist und deren Projekt:

  • zum jeweiligen Oberthema der Ausschreibung passt
  • im deutschsprachigen Raum umgesetzt wird
  • es bereits erste Wirkungen zeigt
  • noch mindestens zwei Jahre läuft
  • von ihnen nicht nur finanziell, sondern mittels eigener praktischer Hilfe gefördert wird
Junge Frauen sammeln Müll von einem Flussufer
© istock/Valeriy_G/2020  Eine Spende an Umweltorganisationen kann ganz konkrete Projekte in Ihrer Umgebung unterstützen.

Initiative Transparente Zivilgesellschaft: Offen und ehrlich

Gemeinnützige Organisationen in Deutschland brauchen nur wenige Informationen und Zahlen über ihre Arbeit zu veröffentlichen. Deshalb können sich potenzielle Spender oft nur schwer ein eigenes Bild von der Glaubwürdigkeit der Projekte machen. Hier setzt Transparency International Deutschland an. Zusammen mit einigen Partnern gründeten die Korruptionsbekämpfer 2010 die “Initiative Transparente Zivilgesellschaft” (ITZ). Sie soll prüfen, ob Spendenorganisationen offen und ehrlich handeln.

Anwärter auf das Zertifikat werden anhand von insgesamt zehn Kriterien untersucht. Darunter fallen nach Angaben der Initiative:

  • die Satzung
  • die Namen der wesentlichen Entscheidungsträger
  • Mittelherkunft
  • Mittelverwendung
  • Personalstruktur

Die Informationen dazu müssen Bewerber auf ihrer Website veröffentlichen und außerdem eine Selbstverpflichtung eingehen. Bestehen sie den Test, erhalten sie das ITZ-Logo. Ob sie die erforderlichen Voraussetzungen auf Dauer erfüllen, wird regelmäßig und systematisch überprüft.

Spendensammler selbst überprüfen

Spendensammler selbst überprüfen

Gemeinnützige Organisationen ohne ein Spendensiegel sind nicht zwangsläufig unseriös. Möchten Sie es im Einzelfall genauer wissen, dann können Sie die Vertrauenswürdigkeit in einem gewissen Rahmen selbst überprüfen. Gehen Sie dazu auf die Website der Spendensammler. Die sollten dort offen über Projekte sowie Ein- und Ausgaben informieren und/oder einen Jahresbericht veröffentlichen. Auch die Art und Weise, wie um Ihre Spende geworben wird, kann aufschlussreich sein. Seien Sie zum Beispiel misstrauisch, wenn mit sehr drastischen Worten und Bildern übertrieben mitleidheischend an Ihre Barmherzigkeit appelliert wird.

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