Eine junge Frau sitzt am Strand und sieht zuversichtlich dem Sonnenuntergang am Horizont zu
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Krise als Chance: Was wegen Corona jetzt besser ist

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 13.08.2020

Kontaktbeschränkung, Lockdown, Ansteckungsgefahr – diese unerfreulichen Dinge kommen vielen als erstes in den Sinn, wenn es um das Thema Corona geht. Kein Wunder, denn damit griff der Kampf gegen das Virus ebenso so tief wie unangenehm in den Alltag ein. Trotzdem: In mancher Hinsicht kann sogar diese große Krise eine Chance sein. Als Beispiele dafür stellen die KlarMacher fünf positive Erkenntnisse und Entwicklungen zur Diskussion, die es ohne Covid-19 so wohl nicht gegeben hätte.

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Sparen fällt leichter durch bewussteren Konsum

Die Kontaktbeschränkungen während des Lockdowns versetzten das öffentliche Leben weitgehend in den Pausemodus. So mussten von heute auf morgen Gaststätten, Kinos und Fitnessstudios schließen – um nur einige Beispiele zu nennen. Auch die meisten Geschäfte waren dicht. Und den Besuch von noch geöffneten Läden überlegte sich manch einer wegen der Ansteckungsgefahr mehr als einmal.

Gekauft wurde deshalb meistens nur, was wirklich wichtig war und das häufig streng nach Einkaufszettel. Allein schon, um keine Sekunde länger als nötig mit anderen Kunden an der Kasse warten zu müssen. Shoppingtouren waren nicht möglich, niemand geriet in Versuchung, spontan noch das witzige Shirt oder die reduzierten High Heels mitzunehmen, die man sowieso nie tragen würde. Wir bleiben zu Hause, das Auto in der Garage, Restaurantbesuche fielen flach und Konzertbesuche ins Wasser. Die Fernreise war ab- und dafür der Urlaub auf Balkonien angesagt. Kurzum: Die Möglichkeiten, Geld auszugeben hatten sich plötzlich erheblich verringert.

Was kaufe ich wo und wann ein? Diese Frage musste sich auf einmal praktisch jeder in Deutschland stellen. Das galt sogar für Menschen, die sonst nicht auf jeden Cent achten müssen. Und so verwandelte sich Konsum vom bloßen Shopping zu einem bewussten Vorgang. Dabei zeigte sich: Es geht auch mit weniger – oft sogar sehr gut. Das mag für die einen eine Bestätigung sein, für andere eine ganz neue Erkenntnis.

Hinter einer gläsernen Ladentür hängt ein “Geschlossen”-Schild.
© istock/Axel Bueckert/2020  Die Corona-Krise bot weniger Gelegenheit zum Geldausgeben.

Mehr Zeit für berufliche Weiterbildung

Eine Krise von Corona-Format kann die Chancen im Job verbessern. Auch das liegt indirekt am Lockdown. Warum? Weil er viele Menschen raus aus dem beruflichen Alltag riss. Und ihnen damit unverhofft Raum und Zeit bot, sich mehr um ihre Karriere zu kümmern.

Zum Beispiel, indem sie den durch Kurzarbeit geschaffenen Freiraum für die berufliche Fort- oder Weiterbildung nutzten und so ihre Fähigkeiten und/oder Qualifikationen erweiterten. Das geht mittlerweile auch online. Viele Arbeitgeber bieten inzwischen selbst entsprechende Möglichkeiten an, oder vermitteln und finanzieren sie.

Und wer bislang im täglichen Hamsterrad Jobfrust schob, konnte sich nun stärker auf seine grundlegenden beruflichen Bedürfnisse und Wünsche besinnen. Im besten Fall kam dabei die lang aufgeschobene (erfolgreiche) Bewerbung für den Traumjob heraus.

Eine junge Frau sitzt mit Kopfhörern an ihrem Schreibtisch und verfolgt an ihrem Laptop ein Online-Seminar
© istock/svetikd/2020  Kurzarbeit bot auch die Chance, sich beispielsweise online beruflich weiterzubilden.

Arbeitsplätze kommen aus dem Ausland zurück

Als Anfang 2020 praktisch ganz China und andere asiatische Staaten wegen des Ausbruchs von Covid-19 dicht machten und reihenweise die Fließbänder anhielten, bekamen deutsche Unternehmen die Auswirkungen schnell zu spüren. Plötzlich bekamen sie keinen Nachschub mehr an Rohstoffen und Produkten aus Regionen, in denen das Coronavirus schon früher um sich griff als hierzulande. Und so standen auch hier bald viele Räder still. Eine direkte Folge der sogenannten Globalisierung.

Diese Abhängigkeit vom Ausland brachte manche Manager hiesiger Unternehmen und auch die Politik zum Grübeln. Sind weltweit verzweigte Lieferketten vielleicht doch nicht so günstig und zuverlässig wie gedacht? Lautet die Antwort „nein”, dann dürfte das für Arbeitnehmer hierzulande gut sein: Es könnten wieder mehr Waren in Deutschland hergestellt werden. Und das würde zusätzliche Arbeitsplätze bedeuten.

Dazu ein Beispiel: Gut 60 Prozent aller Wirkstoffe für Arzneimittel kommen aus China und Indien. Weil deren Nachschub wegen der Corona-Pandemie ins Stocken geriet, soll künftig mehr davon in Europa hergestellt werden. Der Chemie-Konzern Sanofi kündigte bereits an, zu diesem Zweck auf dem Kontinent ein neues Unternehmen zu gründen. Kostenpunkt: rund 1 Milliarde Euro. 

Eine Mitarbeiterin in einem pharmazeutischen Betrieb überwacht die maschinelle Herstellung von Tabletten
© istock/kadmy/2016  Die Pharmaindustrie ist eine jener Branchen, die Arbeitsplätze von Asien und anderen Regionen zurück nach Europa holen will.

Schub für die Digitalisierung

Die Corona-Pandemie zeigte auch: Der Druck zur Digitalisierung wächst. Ein Beispiel: Das vorher eher wenig verbreitete Arbeitsmodell Homeoffice wurde plötzlich Alltag für Millionen Arbeitnehmer. Denn um die Geschäfte trotz Lockdown weiterführen zu können, versetzen viele Unternehmen ihre Belegschaft vom Büro an den privaten Schreibtisch zu Hause.

Diese Möglichkeit zur Heimarbeit hatten sich vor der Corona-Pandemie viele Angestellte oft vergeblich gewünscht, um Job und Freizeit flexibler in Einklang zubringen. Die Chancen stehen gut, dass viele Arbeitgeber diesem Wunsch jetzt offener gegenüberstehen und Homeoffice auch in Zukunft ermöglichen. Auch andere Arbeitsabläufe wurden – soweit möglich – digitalisiert. Aus persönlichen Meetings etwa wurden Videokonferenzen. In der Folge fielen viele Geschäftsreisen und der tägliche Weg zur Arbeit weg. Das sparte Geld, Ressourcen und Zeit.

Ähnlich ging es im Bildungsbereich zu: Plötzlich saßen Kinder und Jugendliche ebenfalls im Homeoffice oder besser: Im Homeschooling, wie es jetzt heißt. Um sie für den „Fernunterricht” mit digitalen Endgeräten (zum Beispiel Tablets) auszustatten, stellte die Bundesregierung im Juli 2020 eine finanzielle Soforthilfe in Höhe von 500 Millionen Euro bereit.

Eine Schülerin sitzt in einem Klassenzimmer und tippt auf den Bildschirm eines Tablet-PCs
© istock/dolgachov/2015  Der Lockdown dürfte nicht nur dem digitalen Schulunterricht in Deutschland einen Schub verleihen.

Dazu kam noch eine gemeinsame 100-Millionen-Euro-Finanzspritze von Bund und Ländern – abgezweigt aus dem 2019 geschlossenen „Digitalpakt Schule”. Der soll bis 2024 helfen, den digitalen Schulunterricht aufzubauen und zu erhalten. Gesamtkosten: 5 Milliarden Euro, plus rund 500 Millionen Euro von den Bundesländern.

Vor Corona blieb der Bund allerdings auf einem Großteil des Geldes sitzen. Lediglich zwölf der 16 Bundesländer hatten bis März 2020 Mittel aus dem Digitalpakt beantragt. Und das nur in vergleichsweise bescheidener Höhe. Die Pandemie dürfte das ändern und sowohl die deutsche Wirtschaft als auch den digitalen Unterricht in Deutschland aus dem Dornröschenschlaf wecken.

Mehr Solidarität und Zusammenhalt

Und da ist noch etwas, das Mut macht und die Krise zur Chance werden lassen kann: Trotz allen gebotenen Abstands kamen sich die Menschen auf unterschiedliche Art und Weise näher. Wegen Homeoffice und geschlossenen Kitas und Schulen konnten Eltern mit Ihren Kinder den ganzen Tag gemeinsam verbringen. Das war zwar nicht immer für alle Beteiligten einfach und stressfrei, doch brachte der Lockdown viele Familien enger zusammen. Sonst ist so etwas meist nur während der Elternzeit oder im Urlaub möglich.

Zuvor kaum beachtete Nachbarn bekamen plötzlich ein Gesicht und halfen sich gegenseitig. Jüngere kauften für Ältere ein oder brachten Post zum Briefkasten. Und viele unterstützen sich auch weiterhin. Es gab auch mehr Zeit, zuvor vernachlässigte Freundschaften über die Entfernung hin aufzufrischen und zu pflegen. Oder sich mal wieder bei der Tante und Onkel zu melden. Und die vielleicht sonst manchmal als lästig empfundene Visite bei den Großeltern im Alters- oder Pflegeheim wurde nach Monaten des Besuchsverbots schmerzlich vermisst.

So waren es oft gerade die Kontaktbeschränkungen, die zeigten, wie wichtig der Umgang mit- und untereinander ist – ganz ohne großes Tamtam oder Party. Der persönliche Austausch mit anderen gewann wieder an Wert, eben weil er nur in engen Grenzen möglich war. Auch bemerkenswert: Viele Kartenkäufer ausgefallener kultureller Veranstaltungen verzichteten auf Entschädigung und spendeten damit das Ticketgeld den Künstlern.

Mehr Solidarität und Zusammenhalt – also, wenn das keine guten „Nebenwirkungen” von Corona sind ...

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