Dick vermummter Mann im Schneesturm
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Kalte Progression: Warm wird nur der Steuerkasse

Symbolbild Leuchtturm
von Redaktion KlarMacher, 20.12.2019

Der Chef ist zufrieden mit Ihrer Arbeit und zeigt das mit einer Gehaltserhöhung. Grund zur Freude? Könnte man meinen, aber .... Es kann passieren, dass Sie sich trotz höherem Bruttogehalt auf Dauer tatsächlich sogar weniger leisten können! Glauben Sie nicht? Ist aber so! Der Grund dafür ist die sogenannte kalte Progression. Wie es dazu kommt, erklären wir hier.

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Kalte Progression = Heimliche Steuererhöhung

Kalte Progression – das klingt nicht gut und ist es auch nicht. Denn tatsächlich ist die kalte Progression nichts anderes als eine Steuererhöhung durch die Hintertür. Und die kann dazu führen, dass Sie sich trotz regelmäßiger Gehaltserhöhungen auf Dauer weniger leisten können als vorher. Die kalte Progression wird daher manchmal auch „heimliche” oder „schleichende Steuererhöhung” genannt. Schuld an ihrem Zustandekommen ist eine Kombination aus der in Deutschland geltenden Steuerprogression und der Inflation.

Faktor 1: Inflation

Die Preise für Waren und Dienstleistungen in Deutschland steigen jedes Jahr, meistens zwischen einem und zwei Prozent. Das heißt nichts anderes, als dass Sie sich für Ihren Lohn oder Ihr Gehalt jedes Jahr weniger kaufen können. Um Ihren Lebensstandard halten zu können, müssten Sie also eigentlich jedes Jahr eine Gehaltssteigerung von knapp zwei Prozent bekommen.

Warum eine Inflation trotzdem politisch gewollt ist, lesen Sie im Artikel “Was, so viel kostet das jetzt!?” – Darum macht die Inflation alles teurer.

Faktor 2: Steuerprogression

In Deutschland gilt ein progressiver Steuertarif. Das bedeutet ganz einfach: Je mehr jemand verdient, umso höher steigt der Prozentsatz, den er als Einkommensteuer zahlt. Die Progression soll dafür sorgen, dass Gutverdiener mehr zum Gemeinwohl beitragen als Geringverdiener. Der Gedanke ist an sich ja auch nicht schlecht. Nur führt eine Gehaltserhöhung, die vielleicht gerade einmal die Inflation ausgleicht, oftmals zu einem Sprung in eine höhere Steuerstufe. Und damit zu einem prozentual größeren Anteil an Steuern. Die Einkommensteuertabelle berücksichtigt nämlich keine Inflation!

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Weniger Kaufkraft trotz Gehaltserhöhung

Für Arbeitnehmer lohnt es sich nicht, wenn eine Gehaltserhöhung gerade einmal die Inflation ausgleicht. Die Progression führt zu einer höheren Steuerbelastung, das Nettoeinkommen steigt also weniger stark als das allgemeine Preisniveau. Das heißt: Sie können sich weniger leisten als vorher. Genau das wird als kalte Progression bezeichnet. 

Beispiel: Ein alleinstehender Arbeitnehmer mit Steuerklasse I verdient 3.500 Euro brutto im Monat. Er bekommt eine Gehaltserhöhung in Höhe der Inflationsrate von zwei Prozent, also 70 Euro monatlich.

Von der Gehaltserhöhung bleiben monatlich 43 Euro netto, das entspricht 1,6 Prozent mehr. Bei einer Inflationsrate von zwei Prozent sinkt die Kaufkraft, sprich das Realeinkommen unseres Beispiel-Arbeitnehmers, um 0,4 Prozent. Selbst wenn er also jedes Jahr einen Gehaltsaufschlag in Höhe der Inflation bekäme, könnte er sich trotzdem mit der Zeit immer weniger leisten.

Was Sie bei einer Gehaltserhöhung netto zu erwarten haben, können Sie mit dem Lohn- und Einkommensteuerrechner der Bundesregierung leicht ausrechnen.

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