Junger Mann sitzt mit Stift in der Hand am Tisch, vor ihm Rechnungen und ein Taschenrechner
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Die KlarMacher testen Finanz-Apps: Was können digitale Haushaltsbücher?

Tanja Viebrock
von Tanja Viebrock, 15.08.2019

Ihre Einnahmen und Ausgaben notieren Sie immer noch in einem zerfledderten Haushaltsbuch? Oder gar nicht? Und prompt verlieren Sie hier und da den Überblick über Ihre Finanzen? Kann vielleicht eine App helfen? Die KlarMacher Thorsten und Tanja haben sich auf die Suche begeben. Der eine hat iOS und nutzt eine App nur, wenn er drauf gestoßen wird. Die andere hat Android und freut sich über jede neue Idee für ihr Smartphone. Welche App hat wem am besten geholfen?

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„Daily Budget”: Schneller Einstieg für iPhone-Nutzer (Thorsten)

Thorsten:

Lange Zeit dachte ich, ich hätte mein Geld gut im Blick. Zumindest gilt der Spruch „Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig” normalerweise nicht für mich. Aber wo das Geld hin ist, weiß ich beim Blick auf den Kontostand trotzdem nicht immer.

Also doch mal eine App ausprobieren? Die Kollegin Tanja hält das ja immer für die Standardlösung. Sollte eines dieser Programme womöglich auch für mich geeignet sein? Auf meiner Reise durch den App Store wecken gleich mehrere virtuelle Haushaltsbücher meine Neugier. Nach dem Herunterladen merke ich: Sie funktionieren alle nach einem ähnlichen Prinzip. Zunächst gibt man einmalig die fixen Einnahmen und Ausgaben wie Gehalt, Miete und Versicherungen ein. Dann erfasst man jede tägliche Ausgabe – und die App zeigt auf einen Blick, wie viel Geld noch zur Verfügung steht. Aber egal, wie übersichtlich das Design bei den meisten Apps auch ist: Wie ich was eingebe, wo ich was sehe, das musste ich mir jedes Mal mühsam zusammenreimen. Geübte App-Spezialisten wie Tanja sehen darin vielleicht kein Problem. Ich schon.

Neuer Tag, neues Budget – aber wie viel eigentlich?

Mit dieser App geht es plötzlich ganz einfach: Bei „Daily Budget” (für iOS, keine Android-Version verfügbar) komme ich ohne langes Herumprobieren schnell voran. Denn die Haushaltsbuch-App führt mich beim Start durch die wichtigsten Einstellungen. Dabei lege ich gleich die regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben fest. Besonders praktisch: Aus den Infos errechnet die App das persönliche Tagesbudget. So weiß ich, wie viel mir pro Tag für Einkäufe, Unternehmungen und spontanes Oh-das-will-ich-haben zur Verfügung steht. Wenn ich unter diesem Limit bleibe, steigt logischerweise das Budget für die nächsten Tage. Oder ich kann eine Summe zum Ansparen eingeben, etwa für eine Reise. Das nötige Kleingeld dafür wird im Anspar-Zeitraum vom Tagesbudget abgezogen.

Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.

Eine Datei mit den gespeicherten Zahlen kann ich mir als Back-up einfach per Mail zuschicken. Funktionen wie Diagramme über mein Zahlungsverhalten, PIN-Schutz oder Sparziel-Kategorien bleiben mir in der Gratis-Version allerdings verwehrt. Die gibt es nur in der Pro-Version für rund zehn Euro (Stand: Juli 2019).

Günstiger ist da „MoneyControl” (für iOS und für Android), denn dort gibt es die uneingeschränkte Premium-Version kostenlos, sobald man sich ein WebApp-Konto erstellt. Doch ohne Tutorial blieben mir hierin viele Funktionen lange verborgen.

„fymio”: Ist die Android-App schlauer als ich selbst? (Tanja)

Tanja:

Ich benutze ja für alles Mögliche Apps, aber ein Haushaltsbuch-Tool habe ich lange Zeit für überflüssig gehalten. Bis ich auf Werbung für „fymio” gestoßen bin: ein Tool, das allen Ernstes behauptet, die „erste mitdenkende Finanz-App” zu sein. Solche Aussagen sind für mich eine stehende Provokation. Klar, dass das überprüft werden muss. Also: App installiert (gibt es für Android und iOS) und getestet, wie viel Intelligenz in dem Stück Programmierarbeit steckt. 

Und tatsächlich: Trotz anfänglicher Skepsis ist die App immer noch auf meinem Smartphone. Und das, obwohl auch ich – da sind Thorsten und ich ausnahmsweise mal einer Meinung – dachte, dass ich eine Haushaltsbuch-App nicht zwingend brauche. Doch ich musste einsehen, dass die App mir manche Entscheidungen wirklich einfacher macht. Auch wenn sie natürlich (Achtung: Spoiler!) nicht so richtig mitdenkt. Aber sie lernt immerhin dazu – was ja schon mehr ist, als mancher Haushaltsbuchhalter tut.

Genauigkeit vs. Bequemlichkeit: Faulheit siegt über Datenschutz

Anders als bei Thorstens App muss man bei „fymio” seine fixen Einnahmen und Ausgaben nicht per Hand eingeben. Stattdessen gewährt man der App Zugriff auf seine Konten – bei mir sind es mein Girokonto, meine Kreditkarte und PayPal. Dann werden die Zahlungsein- und -ausgänge automatisch ausgelesen. Für Datenschutz-Fanatiker ist das vermutlich keine Option, aber ich finde es sehr praktisch. Immerhin hat das Fraunhofer-Institut die Sicherheit der App bestätigt. Und der Anbieter ist ein deutsches Kreditinstitut und nicht irgendein unbekanntes Start-up in einer Steueroase in Übersee. Das reicht mir.

Die Ausgaben sortiert die App automatisch in Kategorien wie Wohnen & Telekommunikation, Mobilität, Freizeit oder Lebenshaltung ein. Das klappt in vielen Fällen sehr gut. Bei manchen Ausgaben muss man der App aber erst einmal beibringen, in welche Kategorie sie gehören. Meine Miete ist zum Beispiel zunächst unter „Finanzen” erfasst. Verzeihbar, wenn der Empfänger ein Spar- und Bauverein ist.

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Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.

© fymio 

Die Bequemlichkeit des automatischen Auslesens hat noch einen weiteren Haken: Das, was man bar bezahlt, wird nicht erfasst. Mir persönlich ist das egal, da ich ohnehin viel mit Karte bezahle und auch keine Lust hätte, jedes Eis per Hand einzugeben. Und in der App werden ja immerhin die Barabhebungen erfasst, also weiß ich zumindest, wie viel Kleinkram ich bar bezahlt habe.

App vs. Tanjas Hirn: 1:0 für den Algorithmus

Das ist zwar alles praktisch, aber nicht sonderlich spektakulär. Wo denkt „fymio” denn jetzt mit? Ihr Ass spielt die App beim sogenannten „fymio”-Check aus – der Funktion, die mich letztendlich überzeugt hat. Hier sieht man beim Start der App auf einen Blick, wie viel Geld man bis zum nächsten Gehaltseingang noch zur freien Verfügung hat. Das finde ich deutlich aussagekräftiger, als mit einem Tagesbudget zu planen. Nach ein paar Monaten weiß die App recht genau, wann welche Ausgaben anstehen, und zieht alles, was bis zur nächsten Lohntüte noch ansteht, gleich ab.

Klar könnte ich das auch selbst ausrechnen. Aber Kosten, die nur alle drei Monate oder sogar nur einmal jährlich anfallen, habe ich zugegebenermaßen nicht immer im Kopf. Und tatsächlich bringen Dinge wie die Abbuchung der Kfz-Steuer, die bei mir mitten im Jahr fällig ist, mein Konto schon mal gefährlich nah an die roten Zahlen. Die App kann solche Ausgaben einfach mit Datum versehen speichern und sie automatisch berücksichtigen. Das als „Mitdenken” zu bezeichnen finde ich zwar übertrieben. Aber sich Dinge merken kann sie – und das sogar besser und zuverlässiger als mein Hirn.

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