Kalender zeigt den Tag, an dem die Privatinsolvenz endet, im Hintergrund Feuerwerk
Wissen

Dauer der Privatinsolvenz: Schuldenfrei in 6, 5 oder 3 Jahren?

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 18.10.2019

Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit – viele Wege können in die Schuldenfalle führen. Darin ist es nicht gerade gemütlich: Die Gläubiger machen Druck, negative Schufa-Einträge nerven und vielleicht klopft schon der Gerichtsvollzieher an. Retter in der finanziellen Not kann eine Privatinsolvenz sein. Deren Dauer liegt zwischen drei, fünf und sechs Jahren. Was den zeitlichen Unterschied ausmacht, zeigen die KlarMacher.

Themen in diesem Artikel

! Neues Insolvenzrecht ab Oktober 2020 !

! Neues Insolvenzrecht ab Oktober 2020 !

Die Regeln, wie sie in diesem Artikel dargestellt sind, wurden 2020 abgeschafft. Stattdessen ist es jetzt möglich, dass Sie nach drei Jahren schuldenfrei sind, ohne dass Sie 35 Prozent Ihrer Schulden plus Verfahrenskosten zahlen müssen. Dafür gilt:

  • Sie müssen mit anwaltlicher Hilfe oder der Unterstützung von einer Beratungsstelle versuchen, sich mit Ihren Gläubigern über den Schuldenabbau zu einigen.
  • Wenn keine Einigung gelingt, wird ein Insolvenzverfahren eröffnet.
  • Alles, was von Ihrem Besitz gepfändet werden darf, geht an Ihre Gläubiger.
  • Danach beginnt die Wohlverhaltensphase. Für sie gelten die gleichen Regeln wie bisher, wie sie auch in diesem Artikel beschrieben sind.
  • Nach drei Jahren (gerechnet ab dem Beginn des Insolvenzverfahrens) werden Ihnen dann alle restlichen Schulden erlassen.

Diese Regelungen gelten für alle Insolvenzverfahren, die ab dem 1. Oktober 2020 eröffnet wurden. Allerdings: Es gilt eine Testphase bis zum 30. Juni 2025. Dann will die Regierung prüfen, wie sich die neuen Regeln auswirken. Sonst könnten wieder die alten Regeln in Kraft treten.

Mit Ausgabendisziplin raus aus der Schuldenfalle

Irgendwann können Schulden so hoch sein, dass sie praktisch nicht mehr zu begleichen sind. Dann sind Betroffene zahlungsunfähig und damit überschuldet. In dem Fall ist oft eine Privatinsolvenz der letzte Ausweg. Allerdings ein langer: Bis man schuldenfrei ist, vergehen drei, fünf oder sogar sechs Jahre. Immerhin: Alle Schulden, die dann noch offen sind, werden einem erlassen („Restschuldbefreiung“). Die Dauer bis zur Restschuldbefreiung hängt jeweils von den säumigen Zahlern ab: Je eher sie einen bestimmten Teil ihrer Verbindlichkeiten abstottern, desto schneller geht’s.

Privatinsolvenz: Dauer von drei Jahren

Damit der Spuk möglichst schon nach drei Jahren vorbei ist, müssen die Schuldner Folgendes erreichen:

  1. Sie zahlen innerhalb dieser Zeit etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) ihrer Verbindlichkeiten zurück.
  2. Sie begleichen außerdem sämtliche Verfahrenskosten, die im Rahmen der Privatinsolvenz anfallen.

Privatinsolvenz: Dauer von fünf Jahren

Für diese zweitschnellste Lösung müssen die Schuldner “nur” die Verfahrenskosten komplett bezahlen.

Privatinsolvenz: Dauer von sechs Jahren

Jede Privatinsolvenz ist spätestens nach sechs Jahren abgeschlossen. Das gilt selbst dann, wenn die Schuldner während dieser Zeit nicht einen Cent zurückgezahlt haben.

Privatinsolvenz einfach aussitzen?

Privatinsolvenz einfach aussitzen?

In Saus und Braus über die Verhältnisse leben und anschließend während der Privatinsolvenz sechs Jahre nichts zurückzahlen? Eine schlechte Idee. Denn wer sich nicht bemüht, seine finanziellen Verpflichtungen wenigstens teilweise abzubauen, dem streicht das Insolvenzgericht am Ende die Restschuldbefreiung. Und wem die Schulden selbst nach sechs Jahren in der Privatinsolvenz nicht erlassen werden, dem droht schnell (erneut) die Zwangsvollstreckung. Eine weitere Privatinsolvenz lässt sich erst nach frühestens drei Jahren beantragen.

In der Wohlverhaltensphase guten Willen zeigen

Große Bedeutung für die Dauer einer Privatinsolvenz hat die sogenannte Wohlverhaltensphase. Sie wird gerichtlich eingeleitet mit dem Ziel der Restschuldbefreiung. Für die Schuldner ist die Wohlverhaltensphase eine Art Bewährungsprobe. Sie ist der entscheidende Faktor bei der Frage, ob das Verfahren nach sechs, fünf oder drei Jahren überstanden ist. 

Dafür müssen sich die säumigen Zahler an strenge Regeln halten. Dazu gehört unter anderem auch die Pflicht zur sogenannten Erwerbsobliegenheit. Das bedeutet, dass sie einer angemessenen Arbeit nachgehen sollen. Haben sie keine, müssen sie sich eine suchen. Von ihrem Gehalt haben die Schuldner den jeweils pfändbaren Anteil an ihren Insolvenzverwalter abzugeben. Der teilt dieses Geld unter den Gläubigern auf. Je mehr zusammenkommt, desto kürzer ist die Dauer der Privatinsolvenz.

Wann beginnt die Wohlverhaltensphase? Ihr Countdown startet rückwirkend ab der Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens. Also nicht erst dann, wenn sie vom Insolvenzgericht eingeleitet wird. Sie endet nach maximal sechs Jahren. Das führt dazu, dass die gesamte Privatinsolvenz – inklusive Wohlverhaltensphase – nach spätestens dieser Zeitspanne überstanden ist.

Grafik Dauer Privatinsolvenz

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

393
19

Das könnte Sie auch interessieren: