Kalender zeigt den Tag, an dem die Privatinsolvenz endet, im Hintergrund Feuerwerk
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Dauer der Privatinsolvenz: Schuldenfrei in 6, 5 oder 3 Jahren?

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 18.10.2019

Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit – viele Wege können in die Schuldenfalle führen. Darin ist es nicht gerade gemütlich: Die Gläubiger machen Druck, negative Schufa-Einträge nerven und vielleicht klopft schon der Gerichtsvollzieher an. Retter in der finanziellen Not kann eine Privatinsolvenz sein. Deren Dauer liegt zwischen drei, fünf und sechs Jahren. Was den zeitlichen Unterschied ausmacht, zeigen die KlarMacher.

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Mit Ausgabendisziplin raus aus der Schuldenfalle

Irgendwann können Schulden so hoch sein, dass sie praktisch nicht mehr zu begleichen sind. Dann sind Betroffene zahlungsunfähig und damit überschuldet. In dem Fall ist oft eine Privatinsolvenz der letzte Ausweg. Allerdings ein langer: Bis man schuldenfrei ist, vergehen drei, fünf oder sogar sechs Jahre. Immerhin: Alle Schulden, die dann noch offen sind, werden einem erlassen („Restschuldbefreiung“). Die Dauer bis zur Restschuldbefreiung hängt jeweils von den säumigen Zahlern ab: Je eher sie einen bestimmten Teil ihrer Verbindlichkeiten abstottern, desto schneller geht’s.

Privatinsolvenz: Dauer von drei Jahren

Damit der Spuk möglichst schon nach drei Jahren vorbei ist, müssen die Schuldner Folgendes erreichen:

  1. Sie zahlen innerhalb dieser Zeit etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) ihrer Verbindlichkeiten zurück.
  2. Sie begleichen außerdem sämtliche Verfahrenskosten, die im Rahmen der Privatinsolvenz anfallen.

Privatinsolvenz: Dauer von fünf Jahren

Für diese zweitschnellste Lösung müssen die Schuldner “nur” die Verfahrenskosten komplett bezahlen.

Privatinsolvenz: Dauer von sechs Jahren

Jede Privatinsolvenz ist spätestens nach sechs Jahren abgeschlossen. Das gilt selbst dann, wenn die Schuldner während dieser Zeit nicht einen Cent zurückgezahlt haben.

Privatinsolvenz einfach aussitzen?

Privatinsolvenz einfach aussitzen?

In Saus und Braus über die Verhältnisse leben und anschließend während der Privatinsolvenz sechs Jahre nichts zurückzahlen? Eine schlechte Idee. Denn wer sich nicht bemüht, seine finanziellen Verpflichtungen wenigstens teilweise abzubauen, dem streicht das Insolvenzgericht am Ende die Restschuldbefreiung. Und wem die Schulden selbst nach sechs Jahren in der Privatinsolvenz nicht erlassen werden, dem droht schnell (erneut) die Zwangsvollstreckung. Eine weitere Privatinsolvenz lässt sich erst nach frühestens drei Jahren beantragen.

In der Wohlverhaltensphase guten Willen zeigen

Große Bedeutung für die Dauer einer Privatinsolvenz hat die sogenannte Wohlverhaltensphase. Sie wird gerichtlich eingeleitet mit dem Ziel der Restschuldbefreiung. Für die Schuldner ist die Wohlverhaltensphase eine Art Bewährungsprobe. Sie ist der entscheidende Faktor bei der Frage, ob das Verfahren nach sechs, fünf oder drei Jahren überstanden ist. 

Dafür müssen sich die säumigen Zahler an strenge Regeln halten. Dazu gehört unter anderem auch die Pflicht zur sogenannten Erwerbsobliegenheit. Das bedeutet, dass sie einer angemessenen Arbeit nachgehen sollen. Haben sie keine, müssen sie sich eine suchen. Von ihrem Gehalt haben die Schuldner den jeweils pfändbaren Anteil an ihren Insolvenzverwalter abzugeben. Der teilt dieses Geld unter den Gläubigern auf. Je mehr zusammenkommt, desto kürzer ist die Dauer der Privatinsolvenz.

Wann beginnt die Wohlverhaltensphase? Ihr Countdown startet rückwirkend ab der Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens. Also nicht erst dann, wenn sie vom Insolvenzgericht eingeleitet wird. Sie endet nach maximal sechs Jahren. Das führt dazu, dass die gesamte Privatinsolvenz – inklusive Wohlverhaltensphase – nach spätestens dieser Zeitspanne überstanden ist.

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