Zwei Rentner sitzen an einem Tisch und trinken Kaffee
Vorsorgen

Zuschuss-Pflicht für Arbeitgeber: Die Betriebsrente wird attraktiver

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 06.02.2019

Stellen Sie sich vor, Sie sind in Rente – und merken es kaum. Natürlich, einiges ist schon anders. Vor allem brauchen Sie nicht mehr zu arbeiten. Trotzdem können Sie sich praktisch so viel leisten wie vorher. Und das, obwohl Ihre gesetzliche Rente deutlich geringer ist als Ihr früheres Einkommen. Kann das sein? Ja, wenn Sie sich rechtzeitig um eine zusätzliche Rente kümmern. Zum Beispiel mit einer betrieblichen Altersvorsorge.

 

Themen in diesem Artikel

Ab 2019 ist der Arbeitgeberzuschuss für bestimmte Verträge Pflicht

Die gesetzliche Rente allein genügt kaum noch für ein sorgloses Auskommen im Alter. Vor allem zahlreiche, ehemalige Geringverdiener machen bereits diese bittere Erfahrung. Entweder, weil sie wegen ihrer geringen Rente von Altersarmut bedroht sind und/oder Grundsicherung bekommen. Davon haben Sie auch schon gehört? Gut. Aber sorgen Sie bereits für Ihren Ruhestand zusätzlich vor?

Falls nicht, können Sie Ihre staatliche Altersstütze zum Beispiel mit einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV) aufstocken. Wenn Sie ein bestimmtes Modell der betrieblichen Altersvorsorge gewählt haben, muss Ihr Arbeitgeber zukünftig sogar einen Zuschuss dafür leisten. Dazu ist er nämlich ab 2019 verpflichtet. Und das ist nicht der einzige Vorteil des neuen Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BSRG), das seit Anfang 2018 in Kraft ist.

Die Grundsicherung im Alter – wer bekommt sie?

Die Grundsicherung im Alter – wer bekommt sie?

Die Grundsicherung ist eine staatliche, finanzielle Hilfe zur Lebensführung. Sie gehört zu den Sozialleistungen und wird unter anderem Menschen gewährt, deren Rente oder Vermögen nicht zum Lebensunterhalt ausreicht. Laut Faustregel der Deutschen Rentenversicherung ist das derzeit bei einem monatlichen Einkommen von weniger als 838 Euro der Fall. Im Dezember 2017 bezogen 544.000 Menschen Grundsicherung im Alter.

So funktioniert die betriebliche Vorsorge

Es gibt fünf Arten der betrieblichen Altersvorsorge:

  • Direktversicherung
  • Pensionskasse
  • Pensionsfonds
  • Direktzusage
  • Unterstützungskasse

Eine dieser Möglichkeiten muss Ihr Arbeitgeber Ihnen anbieten, wenn Sie danach fragen. Er darf aber selbst entscheiden, welche Option er wählt. Bei jedem dieser Modelle wird über die Jahre auf unterschiedliche Weise Geld für Ihre betriebliche Altersvorsorge angespart.

Einige Arbeitgeber zahlen den vollen Beitrag für ihre Mitarbeiter. Viele Arbeitnehmer übernehmen den Beitrag aber auch selbst, indem sie monatlich einen Teil ihres Gehalts einzahlen. Das nennt sich Entgeltumwandlung – und auf die hat jeder Arbeitnehmer ein Recht. Den monatlichen Beitrag legt Ihr Arbeitgeber für Sie möglichst gewinnbringend an, meistens über eine Direktversicherung.

Eine dritte Möglichkeit ist: Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Beitragszahlung. Dann wird der Beitrag teilweise aus der Entgeltumwandlung bezahlt und teilweise durch den Zuschuss des Arbeitgebers. Ab 2019 ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, einen Zuschuss von 15 Prozent für einen Betriebsrentenvertrag mit Entgeltumwandlung beizusteuern.

Und was passiert bei einem Jobwechsel? Muss Ihr neuer Arbeitgeber die betriebliche Altersvorsorge übernehmen? Nein. Jedenfalls ist er gesetzlich nicht dazu verpflichtet. Allerdings sind viele Unternehmen von sich aus dazu bereit.

Neue Betriebsrente ab 2018: Das muss man wissen

Klicken Sie hier, um die Inhalte von YouTube anzuzeigen.

Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.

Das steckt hinter dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BSRG)

Das klingt für Sie ganz sinnvoll und praktisch? Das ist es auch. Deshalb nutzt mehr als die Hälfte (57 Prozent/Stand: Ende Juni 2015) der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten die Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge. Aber vor allem in kleineren bis mittleren Betrieben besteht noch Nachholbedarf. Auch Geringverdiener bleiben oft außen vor, obwohl das Thema besonders für Sie wichtig ist.

Um das zu ändern, hat die Bundesregierung die Zusatzvorsorge finanziell noch attraktiver gemacht. Und zwar mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BSRG), das seit 1. Januar 2018 gilt. Es bringt Ihnen als Arbeitnehmer gleich mehrere Vorteile.

Die Steuerlast sinkt

Bereits bevor das neue Gesetz erlassen wurde, konnten Sie mit der Entgeltumwandlung Steuern und Sozialabgaben sparen. Dank des Betriebsrentenstärkungsgesetzes sparen Sie noch mehr. Vorsorgebeiträge sind nun bis zu einer Höhe von acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der allgemeinen Rentenversicherung West steuerfrei (vorher waren es nur vier Prozent). Das entspricht einem bAV-Höchstbeitrag im Jahr 2020 von 552 Euro monatlich oder 6.624 Euro im Jahr.

Geblieben ist hingegen die Sozialversicherungsfreiheit von vier Prozent. Hier liegt der Höchstbeitrag 2020 bei 276 Euro im Monat oder 3.312 Euro im Jahr. So viel können Sie also jeweils steuerfrei in Ihre betriebliche Altersvorsorge stecken.

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze (BBG)?

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze (BBG)?

Von dem Bruttogehalt, das ein Arbeitnehmer bekommt, werden Beiträge für die Sozialversicherung abgezogen. Die Höhe dieser Beiträge ist aber auf ein bestimmtes Maximum begrenzt. Wenn das Gehalt eine festgelegte Höchstgrenze übersteigt, ändert sich die Höhe der Beiträge nicht mehr.

Mehr dazu erfahren Sie im Artikel „Beitragsbemessungsgrenze: Wer drüber ist, zahlt weniger".

Der Arbeitgeber schießt zu

Verdienen Sie vergleichsweise wenig, dann erleichtert Ihnen das BSRG den Einstieg in die betriebliche Altersvorsorge. Unter zwei Voraussetzungen: Erstens, wenn Sie höchstens 2.200 pro Monat verdienen. Zweitens, wenn Sie Ihr Chef jährlich mit 240 bis 480 Euro bei Ihrer Vorsorge unterstützt. In dem Fall gewährt der Staat dem Arbeitgeber Steuererleichterungen. Das soll für ihn Anreiz sein, bei der Vorsorge für Beschäftigte mit geringerem Einkommen mitzumachen.

Ein zusätzlicher Vorteil: Seit 2018 werden lebenslange Renten in einer monatlichen Höhe zwischen mindestens 100 und 205,50 Euro nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet. Unterm Strich bedeutet das mehr Geld für die Bezieher der staatlichen Zuwendung.

Die Nachzahlung ist möglich

Legen Sie eine berufliche (Zwangs-)Pause ein, dann verdienen Sie vorübergehend weniger bis nichts. Das ist zum Beispiel während Elternzeit, Pflegezeit oder eines langen unbezahlten Urlaubs so. In solchen Fällen ist es schwierig oder sogar unmöglich, weiter regelmäßig in die betriebliche Altersvorsorge einzuzahlen. Das BSRG erlaubt nun Nachzahlungen für beitragsfreie Zeiten bei einer weiterlaufenden Anstellung. Das heißt: Für insgesamt zehn Jahre eines ruhenden Arbeitsverhältnisses können Sie die bAV-Beiträge in einer Höhe von bis zu acht Prozent der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze nachschießen.

Die betriebliche Altersvorsorge ist übrigens nicht die einzige Möglichkeit für eine Zusatzrente. Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel zum Rentensystem in Deutschland.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

34
10