Junger Mann im Rollstuhl sitzt auf einem Steg am Wasser
Versichern

Lohnt sich eine Berufsunfähigkeits- Versicherung für Studenten?

Symbolbild Leuchtturm
von Redaktion KlarMacher, 13.11.2019

Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten? So ein Blödsinn! Damit wollen doch nur wieder die Versicherungsunternehmen Geld machen; die Ausgaben kann man sich sparen! Könnte man meinen … ist aber nicht so! Tatsächlich gehört die Berufsunfähigkeitsversicherung neben der Krankenversicherung und der Haftpflichtversicherung zu den drei wichtigsten Versicherungen für Studenten. Warum die Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten so wichtig ist, erklären wir hier.

Themen in diesem Artikel

Keine gesetzliche Absicherung für Studenten

Wer nicht gerade von den Zinsen seines Vermögens leben kann – und wer kann das schon – für den ist seine Arbeitskraft unverzichtbar. Schließlich finanziert sie den eigenen Lebensunterhalt. Wer nicht (mehr) arbeiten kann, steht schnell vor einem existentiellen Problem. Zwar gibt es in Deutschland eine staatliche Absicherung für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihrem Beruf nicht nachgehen können, die sogenannte Erwerbsminderungsrente. Die bekommt aber nur, wer innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 36 Monate in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Für Studenten gilt das in der Regel nicht. Wenn sie ihren angestrebten Beruf aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht ausüben können, bekommen sie: gar nichts!

Junge Frau legt ihren Kopf erschöpft auf den vor ihr liegenden Laptop
© istock/Poike/2017  Psychische Belastungen bei Studenten können schlimmstenfalls bis zur Berufsunfähigkeit führen.

Jeder Vierte wird vorzeitig berufsunfähig

Wer jung und gesund ist, macht sich keine Gedanken über eine mögliche Berufsunfähigkeit. Die erscheint den meisten doch eher unwahrscheinlich. Tatsache ist aber, dass jeder vierte Arbeitnehmer vorzeitig seinen gewählten Beruf nicht mehr ausüben kann! Die häufigste Ursache sind dabei mit rund 31 Prozent Nervenkrankheiten. Und für junge Menschen ist das Risiko derartiger Krankheiten sogar noch höher. Erklären lässt sich das unter anderem mit dem hohen Druck an Universitäten und Fachhochschulen. Seit der Einführung des Bachelor-Mastersystems ist dieser Druck sogar noch weiter angestiegen. Diese psychische Belastung kann Depressionen und Angststörungen hervorrufen, die im schlimmsten Fall zu einer Berufsunfähigkeit führen.

Aber auch Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates („Rücken“) und Unfälle sind häufige Ursachen einer Berufsunfähigkeit. Und gerade bei Unfällen trifft es jüngere Leute sehr viel öfter als ältere – nicht zuletzt beim Sport. Unfälle und/oder ihre Langzeitfolgen können nicht nur den Abschluss des Studiums gefährden, sondern auch die Aufnahme des angedachten Berufes. Und letztlich schützt Jugend auch niemanden vor Krankheiten wie Krebs oder ähnlichem.

Berufsunfähig oder erwerbsunfähig?

Berufsunfähig oder erwerbsunfähig?

Hinsichtlich der Versicherung ist die Unterscheidung zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit von großer Bedeutung. Lassen Sie sich nicht von den günstigeren Prämien für eine Erwerbsunfähigkeitsrente verführen! 

Berufsunfähig ist, wer dauerhaft wegen einer Krankheit oder eines Unfalls seinen Beruf nicht ausüben kann. Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung springt ein, wenn der Versicherte zu mindestens 50 Prozent nicht mehr in seinem zuletzt ausgeübten Beruf weiterarbeiten kann. Eine solche Prognose muss ärztlich nachgewiesen werden. Mit „dauerhaft” sind in der Regel mindestens sechs Monate gemeint.

Erwerbsunfähig ist dagegen jemand, der gar keine berufliche Tätigkeit mehr ausüben kann. In der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Erwerbsunfähigkeit und die Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit automatisch eingeschlossen.

Studenten bekommen günstige Tarife

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Versicherungen – aber leider auch eine ziemlich teure. Hier zeigt sich ein Vorteil eines Abschlusses schon in jungen Jahren: Die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung richten sich nämlich maßgeblich nach dem Alter bei Versicherungsbeginn. Das Risiko, dass Sie die Versicherung tatsächlich benötigen, wird mit zunehmendem Alter immer höher – und damit auch die Versicherungsprämien. Außerdem haben junge Menschen in der Regel noch keine Vorerkrankungen. Gut so, denn die bedeuten oft höhere Beiträge. Vielleicht wird der Antrag sogar abgelehnt.

Wer sich schon als Student versichert, sichert sich dauerhaft günstige Beiträge. Über die gesamte Versicherungslaufzeit kommt da meistens weniger zusammen als bei jemanden, der erst später eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt.

Junge Frau lässt sich ein Formular von einer Ärztin erklären
© istock/nortonrsx/2018  Den Fragenkatalog zu Ihrem Gesundheitszustand sollten Sie wahrheitsgemäß mit Hilfe Ihres Arztes ausfüllen.

Das sollten Sie beim Vertragsabschluss beachten

Sehen Sie sich die Vertragsbedingungen genau an, bevor Sie sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden. Die Konditionen unterscheiden sich zum Teil erheblich – und zwar nicht nur hinsichtlich der Kosten. Zwar sollten auch die betrachtet werden, aber nicht die ausschlaggebende Rolle spielen. Andere Faktoren sind für eine „gute“ Berufsunfähigkeitsversicherung viel entscheidender. Folgende Punkte sollten Sie beachten:

  • Betrag: Die vereinbarte monatliche Rente sollte mindestens 1.000 bis 1.250 Euro betragen. Achten Sie auf eine Nachversicherungsgarantie. Die erlaubt es Ihnen, den Vertrag später anzupassen. Etwa, wenn sie nach Ihrem Abschluss besonders viel verdienen. Oder Sie haben geheiratet und ein Kind bekommen. In diesen Fällen wollen Sie im Fall der Fälle vielleicht eine höhere Rente bekommen. Oder es gibt Verträge mit einer Dynamik. Das bedeutet, Beiträge und mögliche Rentenhöhe steigen regelmäßig automatisch. So wird die Inflation ausgeglichen.
  • Laufzeit: Die einmal vereinbarte Laufzeit kann nachträglich nicht verändert werden, deshalb sollte von vornherein eine Laufzeit bis zum regulären Rentenalter vereinbart werden.
  • Berufsbild: Der Vertrag sollte eine möglichst genaue Beschreibung des abgesicherten Berufs enthalten sowie den Verzicht auf abstrakte Verweisung. Sonst könnte der Versicherer Sie nämlich im Zweifel auf einen anderen Beruf verweisen – egal, ob Sie den überhaupt ausüben können oder möchten. Die konkrete Verweisung dagegen ist vorteilhaft für Sie als Versicherungsnehmer. Sie bezieht sich auf den Fall, dass Sie tatsächlich eine neue, anders geartete Tätigkeit aufnehmen – aber diese neue Tätigkeit ist nicht mit der alten vergleichbar, was Verdienst und/oder soziale Anerkennung angeht. Dann würde die Versicherung weiter zahlen.
  • Befristung von Rentenzahlungen: Die Auszahlung einer Rente sollte unbefristet bewilligt werden; andernfalls müssten Sie alle 12 oder 24 Monate einen neuen Antrag stellen.
  • Rückwirkende Leistungen: Damit sichern Sie sich Leistungen ab dem Zeitpunkt, an dem Sie auch tatsächlich berufsunfähig geworden sind, auch wenn die offizielle Bestätigung erst später erfolgt.
  • Weltweite Gültigkeit: Viele Verträge setzen einen Wohnsitz in der EU voraus. Besonders junge Leute wissen aber oft noch nicht, wo es sie beruflich einmal hin verschlägt. Die Police sollte deshalb weltweit gelten.
  • Studententarife: Diese Tarife bieten zwar anfangs sehr günstige Konditionen, die Beiträge steigen aber oft nach einigen Jahren steil an. Eine genaue Prüfung lohnt daher.

Wichtig: Die Versicherung stellt vor Abschluss umfassende Fragen zu Ihrem Gesundheitszustand. Beantworten Sie diese unbedingt wahrheitsgemäß; ziehen Sie gegebenenfalls Ihren Arzt hinzu. Sonst kann die Versicherung später eine Zahlung möglicherweise verweigern.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

3

Das könnte Sie auch interessieren: