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Das beste Rezept bei der Diagnose “Berufsunfähigkeit”

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 17.07.2019

Ein Unfall, eine Krankheit oder seelische Probleme – viele Gründe führen zur Berufsunfähigkeit. Betroffene sind dann nicht mehr in der Lage, ihren Job zu machen. Die Konsequenz: Mit der Beschäftigung verlieren sie gleichzeitig ihr Einkommen. Zwar gibt es eine staatliche Unterstützung, doch die fällt in der Regel sehr spärlich aus. Deshalb ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll. Sie zahlt eine monatliche Rente in individueller Höhe und hilft so, den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für alle Erwerbstätigen sinnvoll.
  • Wer seine Arbeitskraft verliert, kann mit Berufsunfähigkeitsversicherung seinen Lebensstandard halten.
  • Die Ursache für die Berufsunfähigkeit ist unerheblich.
  • Die Beiträge sind steuerlich absetzbar, ihre Höhe hängt vom Einzelfall ab.

Berufsunfähigkeit kann jeden treffen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jeder vierte Berufstätige in Deutschland, der eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgeschlossen hat, muss sie früher oder später in Anspruch nehmen. So schreibt es die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) Ende 2018 in einer Mitteilung. Das zeigt: Fast jedem kann es passieren, dass er nicht mehr in der Lage ist, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten.

Bei den finanziellen Folgen hilft eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Sie springt finanziell ein, wenn Menschen nachweislich aus gesundheitlichen Gründen für mindestens sechs Monate nicht mehr arbeiten können. Und deshalb nichts mehr verdienen. Sie erhalten dann eine monatliche Rente, bis sie entweder wieder einsatzfähig sind oder das Rentenalter erreichen. Je nach vereinbarter Höhe kann die BU den Einkommensverlust komplett ausgleichen.

Die Ursache der Berufsunfähigkeit spielt übrigens keine Rolle. Es kommt lediglich auf den Grad der eingeschränkten Arbeitskraft an. In der Regel zahlt die Versicherung, sobald eine 50-prozentige Beeinträchtigung vorliegt. In dem Fall geht die Versicherung davon aus, dass ein Geschädigter wesentliche Tätigkeiten in seinem Job nicht mehr ausführen kann. Es gibt die BU als eigene, selbstständige  Hauptversicherung. Sie kann aber auch ein Zusatz bei einer Risikolebensversicherung oder Kapitallebens- beziehungsweise Rentenversicherung sein.

Wer keine Berufsunfähigkeitsrente hat, bekommt unter Umständen eine staatliche Erwerbsminderungsrente. Sie ist allerdings kein gleichwertiger Ersatz, weil die Zahlungen vergleichsweise gering ausfallen. Die Erwerbsminderungsrente entspricht in der Regel nur einem Drittel Ihres letzten Bruttogehalts. Sie macht also bei Weitem nicht das vorherige Einkommen wett. Deshalb ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll.

Ein Mann sitzt verzweifelt und deprimiert im Büro vor einem Laptop.
© istock/courtneyk/2019  Nervenkrankheiten, Depressionen und Burnout sind die häufigsten Ursachen, für die eine Berufsunfähigkeitsversicherung einspringen muss.

Das macht am häufigsten krank

Für junge und gesunde Menschen mag Berufsunfähigkeit beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit nach einem Problem von älteren Semestern klingen. Und in der Tat steigt die Wahrscheinlichkeit dafür mit der Anzahl der Lebensjahre an. Doch das heißt nicht, dass Berufseinsteiger dagegen immun sind. Das zeigt ein Blick in eine Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) von 2016. Spitzenreiter ist dort nicht etwa ein körperliches Gebrechen, das eher Ältere trifft.

Häufigste Ursachen für Berufs- und Erwerbsunfähigkeit

  1. Nervenkrankheiten (32 %)
  2. Beeinträchtigungen des Skelett- und Bewegungsapparats (24 %)
  3. Krebs und andere bösartige Geschwülste (15 %)
  4. Unfälle (9 %)
  5. Erkrankungen des Herz- und Gefäßsystems (7 %)
  6. Sonstige Erkrankungen (14 %)

Zu den Nervenkrankheiten zählen auch psychische Probleme wie Depressionen und Burnout. Und die treten bekanntlich unabhängig vom Alter auf. Sie treffen sogar immer öfter jüngere Erwerbstätige. Viele, die darunter leiden, sind unter 40, wie der GDV betont.

So hoch sollte die Berufsunfähigkeitsrente sein

Wie viel Berufsunfähigkeitsrente Sie erhalten, hängt von Ihnen ab. Es ist allerdings sinnvoll, sie ausreichend zu bemessen. Ausreichend bedeutet, dass Sie Ihnen bei Bedarf zumindest in finanzieller Hinsicht ein sorgenfreies Leben ermöglicht.

Im Idealfall zahlt die Versicherung mindestens 60 bis 80 Prozent Ihres letzten Nettoverdienstes. Laut GDV lag 2016 die Jahresrente unter den Hauptversicherungen bei knapp 12.000 Euro. Macht also 1.000 Euro pro Monat.

Ein Arzt horcht die Lunge einer jungen Patientin ab.
© istock/RicardoImagen/2019  Eine Berufsunfähigkeit kann auch jüngere Arbeitnehmer treffen.

Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Bei den Kosten kommen mehrere Faktoren ins Spiel. Einer ist die vereinbarte Versicherungssumme. Logisch: Je mehr Sie von der Berufsunfähigkeitsversicherung als Rente bekommen möchten, desto mehr müssen Sie für die Prämie bezahlen. Ein weiterer Punkt ist Ihre gesundheitliche Verfassung. Dafür müssen Sie sich einer Risikoprüfung unterziehen. Haben Sie beispielsweise Vorerkrankungen oder Anfälligkeiten, wird die BU für Sie teurer.

Drittes wesentliches Kriterium in der Kostenfrage ist Ihr ausgeübter Beruf. Für Jobs, bei denen laut Statistik weniger Unfälle und Erkrankungungen vorkommen, wird ein geringerer Beitrag fällig als für gefährlichere Tätigkeiten. Übrigens: Für Studenten, Berufseinsteiger, Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst gibt es oft günstigere Tarife. 

Unterm Strich ist die Preisspanne sehr groß. Abhängig von den Voraussetzungen kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab etwa 20 Euro bis zu 150 Euro oder mehr pro Monat. Obwohl sie grundsätzlich sinnvoll ist – bei sehr hohen Kosten für die Berufsunfähigkeitsversicherung stellt sich schon die Frage, ob sie sich lohnt. Denn wer sie nicht nutzt, bekommt in der Regel nichts von seinen Beiträgen zurück.

Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich?

Immer wieder ist zu hören, dass die Versicherungen die Auszahlung der Rente verweigern. Und wer dagegen vorgehe, müsse sich auf zermürbende Gerichtsverfahren einstellen. Solche Fälle gibt es, doch sie sind in der Minderheit. Tatsächlich kommen rund 70 Prozent der Anbieter ihrer vereinbarten Pflicht nach.

Allerdings gibt es vor der Zahlung meistens einen Anerkennungsprozess, sprich: Betroffene müssen ihre Arbeitsunfähigkeit beweisen. Nicht immer geben sich die Versicherungen dabei mit einem ärztlichen Attest zufrieden. Sie können zusätzlich eine Tätigkeitsbeschreibung des zuletzt ausgeübten Jobs einfordern. Damit wollen sie einschätzen, inwieweit die Erkrankung für den Job überhaupt eine Rolle spielt.

Kommt es zu einem gerichtlichen Verfahren, dann sind die Chancen für Versicherte und Versicherungen ausgeglichen. Jede Seite gewinnt rund eine Hälfte aller juristischen Auseinandersetzungen. Das hat das Magazin Finanztest in einem Rechtsgutachten ausgewertet.

Ein älteres Ehepaar lässt sich in Sachen Berufsunfähigkeitsversicherung von einer Anwältin beraten.
© Will die Berufsunfähigkeitsversicherung keine Rente auszahlen, empfiehlt sich eine juristische Beratung.  istock/courtneyk/2018

Berufsunfähigkeitsversicherung und Steuern

Die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung lassen sich von dem zu versteuernden Einkommen abziehen. Das Finanzamt erkennt sie als Sonderausgaben an. Dabei unterscheidet es zwischen einer Hauptversicherung und einer Zusatzversicherung.

Als Hauptversicherung lässt sich die Berufsunfähigkeitsversicherung für Arbeitnehmer und Beamte bis zu einer Höhe von 1.900 Euro (Selbstständige: 2.800 Euro) pro Jahr absetzen. Zumindest theoretisch. Der Grenzbetrag von 1.900 Euro beziehungsweise 2.800 Euro gilt nämlich für sämtliche Vorsorgeaufwendungen zusammen, also auch für die Prämien für Kranken- oder Pflegeversicherung. Allein sie übersteigen oft die Marke von 1.900 Euro beziehungsweise 2.800 Euro. Alle Kosten über diese Marke hinaus können Sie also nicht mehr absetzen.

Als Zusatzversicherung einer Lebens- oder Rentenversicherung können alleinstehende Versicherte ihre Beiträge bis zur Höchstgrenze von 20.000 Euro (Verheiratete: 40.000 Euro) geltend machen. Vorausgesetzt, die BU wurde als Lebens- oder Rentenversicherung im Rahmen einer Rürup-Rente abgeschlossen.

Mehr zu diesen Fragen lesen Sie im Ratgeber "Berufsunfähigkeitsversicherung: Was ist steuerlich absetzbar?"

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