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In-App-Käufe: Wie entkommt man der Kostenfalle?

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 15.06.2021

Neulich im kostenlosen Fantasy-Game: Voller Tatendurst stehen Sie vor dem Endgegner. Da meuchelt Sie hinterrücks einer seiner Schergen und setzt Sie damit für eine Stunde außer Gefecht. Erst danach gibt Ihnen das Spiel ein neues Leben und die Chance, den Kampf fortzusetzen. Das dauert zu lange? Kein Problem, per In-App-Kauf können Sie sofort weitermachen. Gratis ist das Game aber dann nicht mehr. Auch andere Apps locken mit Erweiterungen und Extras für Geld. Wie Sie der kostspieligen Versuchung einen Riegel vorschieben, zeigen die KlarMacher.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • In-App-Käufe sind kostenpflichtige Extras innerhalb einer App.
  • Die tatsächlichen Kosten sind nicht immer klar erkennbar.
  • Den Zugang zu In-App-Käufen kann man sicherheitshalber einschränken.

Was sind In-App-Käufe?

Der Name verrät es schon: In-App-Käufe finden innerhalb einer App statt. Damit schalten Sie für Geld eine Extra-Funktion für die jeweilige App frei. Anders ausgedrückt: Sie erwerben so Vorteile, die Sie sonst nicht bekommen würden oder sich hart erarbeiten müssten. Solche zusätzlichen Verbesserungen und Fähigkeiten gibt es in mehreren Varianten. Ein paar Beispiele:

  • Sie kommen innerhalb einer Spiele-App leichter voran – weil Sie ein Level überspringen können, stärker werden oder ohne Wartezeit weiterspielen dürfen.
  • In Reise-Apps schalten Sie weitere Karten frei oder bekommen mehr Informationen zu den Reisezielen.
  • In Office-Apps erhalten Sie per In-App-Kauf zusätzliche Funktionen.
  • Werbung in einer App können Sie per In-App-Kauf ausschalten.

In-App-Käufe gibt es meistens in Apps, die Sie kostenlos herunterladen können. Die App-Anbieter wollen damit möglichst viele Nutzer*innen anlocken. Diese können die App zwar tatsächlich kostenlos nutzen, müssen sich aber oft mit einer spärlich ausgestatteten Basisversion begnügen. Geld verdienen die Anbieter erst, wenn sich genügend Nutzer*innen auf In-App-Käufe für mehr Funktionen einlassen.

Wie bezahlt man bei In-App-Käufen?

Für einen In-App-Kauf werden Sie in der Regel zu dem App Store geleitet, in dem Sie die App auch heruntergeladen haben. Wenn Sie ein Android-Gerät besitzen, ist das der Google Play Store. Dort können Sie jeweils eine der folgenden Zahlungsarten auswählen:

  • Kredit- und Debitkarte
  • Abrechnung über die Handyrechnung
  • PayPal
  • Guthaben- oder Geschenkgutscheine

Wenn Sie ein iPhone besitzen, brauchen Sie zunächst eine Apple-ID. Damit erstellen Sie Ihr persönliches Benutzerkonto. Darin hinterlegen Sie Ihre bevorzugte Zahlweise. Sie haben dieselbe Auswahl wie bei Android, zusätzlich noch Apple Pay. Die gilt dann auch für alle weiteren Apple-Dienste, zum Beispiel für mehr Speicherplatz in der iCloud.

Mann blickt fröhlich auf sein Smartphone, in der Hand eine Kreditkarte
© istock/filadendron/2018  App-Anbieter stellen viele Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung, darunter auch Kreditkarten.

Was ist die Gefahr bei In-App-Käufen?

In-App-Käufe können zur Kostenfalle werden. Immerhin legen es manche Anbieter geradezu darauf an, möglichst viele Nutzer*innen zu immer neuen Käufen zu bewegen. Vor allem Spiele-Apps sind häufig so gestaltet, dass man ohne die kostenpflichtigen Extras keinen großen Spaß daran hat. Für Kinder kann das sehr verführerisch sein – und für die Eltern teuer. Gerade der junge Nachwuchs hat noch kein Gefühl für Geld und lässt sich leichter locken. Deshalb häufen sich manchmal Rechnungen über mehrere Tausend Euro an.

Einer der Tricks, die zu mehr Käufen verleiten sollen: die Ersatzwährung. Für die Freischaltung der Extras wird kein konkreter Eurobetrag genannt. Stattdessen kostet die neue Waffe für die Spielfigur zum Beispiel 300 Münzen oder 1.000 Diamanten. Im echten Leben aber werden für In-App-Käufe harte Euro fällig. Wegen dieser undurchsichtigen Zahlweise ist oft nicht ganz klar, was eigentlich wie viel kostet. Mehr noch: Wer per Ersatzwährung bezahlt, vergisst leicht, dass dahinter echtes Geld steckt.

Eine andere In-App-Versuchung ist die „Lootbox“. Das ist eine Kiste oder ein ähnlicher Behälter innerhalb eines Spiels, in dem einige Gegenstände verborgen sind. Das können Waffen sein, Münzen, Zauberkräfte oder was immer in dem Spiel nützlich ist. Die Lootbox kann man innerhalb des Spiels gewinnen, finden – oder in manchen Fällen eben auch kaufen. Den genauen Inhalt so einer Lootbox erfährt man aber erst beim Öffnen. Das Prinzip ist also ähnlich wie beim Lotto: Spielen in der Hoffnung auf den großen Gewinn.

Haften Eltern für ihre Kinder?

Haften Eltern für ihre Kinder?

Für Jurist*innen ist ein In-App-Kauf ein Kaufvertrag. Den dürfen Kinder aber nur mit der Zustimmung ihrer Eltern abschließen. Wenn es deren Einwilligung aber nicht gibt, weil das Kind die App heimlich installiert und das Passwort für die Bezahlung irgendwie erschlichen hat? Dann existiert auch kein rechtsgültiger Vertrag, und die Eltern können das Geld für In-App-Käufe zurückverlangen.

Anders sieht es aus, wenn die Eltern die In-App-Käufe ermöglichen. Zum Beispiel, indem sie dem Kind gezeigt haben, wie es In-App-Käufe bezahlt und welche Informationen und Passwörter es dafür braucht. In diesem Fall hätte das Kind aus juristischer Sicht eine „Anscheinsvollmacht“. Dann könnten In-App-Käufe rechtlich einwandfrei sein, auch wenn ihnen die Eltern nicht jedes Mal ausdrücklich zugestimmt haben. 

Wie kann man sich vor unbeabsichtigten Käufen schützen?

Die Anbieter machen den Nutzer*innen das Bezahlen möglichst einfach und bequem. Umso leichter kann es passieren, dass man etwas ohne weiter darüber nachzudenken kauft. Sie wollen das verhindern? Das geht so:

  • Hinterlegen Sie keine feste Zahlungsweise im App Store. Dann werden Sie erst in dem Moment des Kaufs danach gefragt. Ein unbedachter Einkauf ist damit ausgeschlossen.
  • Legen Sie ein Passwort für In-App-Käufe an. Das geht sowohl bei einem Betriebssystem von Apple (iPhone, iPad oder Mac) als auch mit einem Android-Gerät (z. B. einem Smartphone von Samsung). Das Passwort wird dann bei jedem Kauf abgefragt. Wie Sie es einrichten, können Sie hier über den Apple-Support beziehungsweise die Google Play-Hilfe nachlesen.
  • Nutzen Sie Guthabenkarten. Die funktionieren ähnlich wie Prepaidkarten zum Telefonieren und sind unter anderem im Supermarkt und an der Tankstelle zu haben. Bei einem In-App-Kauf gibt man den Code der Karte ein und lädt damit einen Euro-Betrag auf das Benutzerkonto. So behalten Sie die Kosten im Blick. Speziell für Kinder ist das geeignet, weil sie nur das Geld ausgeben können, das auf der Karte hinterlegt ist.
  • Nutzen Sie die Familienfreigabe. Das geht, wenn Sie ein Familienkonto besitzen, auf das alle Familienmitglieder zugreifen und In-App-Käufe tätigen können. Der Clou: Käufe von Kindern müssen Sie erst freigeben. Wie Sie die Familienfreigabe einrichten und In-App-Käufe erlauben, lesen Sie hier im Apple-Support beziehungsweise in der Google Play-Hilfe.
  • Deaktivieren Sie In-App-Käufe. Dann sind überhaupt keine In-App-Käufe mehr möglich. Allerdings geht das nur bei Apple-Geräten. Wie Sie vorgehen, lesen Sie im nächsten Kapitel.
Tochter spielt mit dem Smartphone, während die Mutter ihr über die Schulter blickt
© istock/Phynart Studio/2019  Mit einer Familienfreigabe kann Ihr Kind ohne Ihre Zustimmung keine In-App-Käufe vornehmen.

Kann man In-App-Käufe stornieren?

Kann man In-App-Käufe stornieren?

Ja. Allerdings hängt es davon ab, um welche App es sich handelt und wie lange der Kauf her ist.

Apple hat für diese Fälle die Seite „reportaproblem.apple.com“ eingerichtet. Mehr dazu finden Sie auf dieser Seite.

Wann Sie welchen In-App-Kauf bei Google Play (Android) zurückgeben können und das Geld erstattet bekommen, erfahren Sie auf dieser Seite.

In-App-Käufe deaktivieren

In-App-Käufe können Sie komplett sperren – zumindest in Apple-Geräten. Das geht so:

  1. Wählen Sie „Einstellungen“ > „Bildschirmzeit“ > „Bildschirmzeit aktivieren“.
  2. Wählen Sie „Fortfahren“ und geben Sie an, ob Sie die Einrichtung für Ihr eigenes Smartphone einrichten oder für das Ihres Kindes. Kehren Sie nach der Auswahl und den Anweisungen zurück zur Übersicht „Bildschirmzeit“.
  3. Wählen Sie „Beschränkungen“ und aktivieren Sie den Schieberegler. Geben Sie nach Aufforderung Ihren Code ein.
  4. Wählen Sie „Käufe im iTunes & App Store“ > In-App-Käufe.
  5. Setzen Sie das Häkchen bei „Nicht erlauben“.

Für Ihr eigenes Benutzerkonto geht es noch einfacher:

  1. Wählen Sie „Einstellungen“ > „Bildschirmzeit“ > „Beschränkungen“ > „Erlaubte Apps“.
  2. Deaktivieren Sie per Schieberegler „iTunes Store“ und „Book Store“.

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