Eine junges Paar fährt lachend in seinem neuen Auto
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Autos mit Tageszulassung: Der günstige Weg zum Neuwagen

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 03.06.2021

Sie möchten einen neuen Pkw kaufen, doch es hapert am nötigen Kleingeld? Dann könnten Sie einen Autokredit aufnehmen – oder zu einem Auto mit Tageszulassung greifen. Das sind Neuwagen zum Preis eines Gebrauchten. Das klingt zu schön, um wahr zu sein? Es stimmt aber. Denn dabei handelt es sich um einen legalen Rabatttrick, mit dem der  Autohandel Fahrzeuge viel günstiger anbietet. Günstiger sogar, als es ihm der Hersteller erlaubt. Wie der Kniff funktioniert und welche Vorteile und Nachteile er für Sie hat, machen die KlarMacher klar.

Themen in diesem Artikel

Was heißt Tageszulassung beim Auto?

Eine Tageszulassung bedeutet, dass ein Auto für einen Tag angemeldet und danach abgemeldet wird. So weit, so einfach. Nur: Wozu soll das gut sein – einen Wagen bloß für so kurze Zeit zuzulassen? Und wer macht so etwas?

Das macht (und darf) nur der Autohandel. Er nutzt Tageszulassungen für Neuwagen, die er auf Lager hat. Und warum? Weil er diese Autos anschließend zu besonders niedrigen Preisen anbieten kann.

Darum ist ein Pkw mit Tageszulassung günstiger

Mit einer Tageszulassung gelten neue Fahrzeuge als gebraucht. Wenn auch nur auf dem Papier. Was zählt ist, dass in den Papieren schon ein Besitzername steht. Und Modelle aus zweiter Hand sind in der Regel günstiger als Neuwagen. Und deshalb bekommen Sie mit dem Umweg über die Tageszulassung ein unbenutztes Auto zum Kurs eines gebrauchten. Für Sie liegt der Vorteil damit auf der Hand. Aber was hat der Handel davon? Und warum bietet er nicht einfach die Neuwagen günstiger an? Beides gute Fragen, doch dazu kommen wir später. Vorher schauen wir, was Tageszulassungen für Sie noch bedeuten können – abgesehen vom niedrigen Preis.

Die Vorteile und Nachteile für Käufer*innen

Neuwagen zum Gebrauchtwagenpreis – das ist ein attraktives Angebot. Ein Auto mit Tageszulassung ist laut ADAC bis zu 25 Prozent günstiger als der Preis, der im Prospekt steht. Das dürfte für viele Kund*innen das entscheidende Pro-Argument sein. Doch es gibt noch mehr Vorteile:

  • Dank Tageszulassung wird ein neues Auto praktisch zum Mitnahmeartikel. Schließlich steht es bereits fix und fertig beim Händler. Die Wartezeit von der Bestellung über die Produktion bis zur Auslieferung entfällt. Die Käufer*innen brauchen den Wagen lediglich bei der Zulassungsstelle und Versicherung anzumelden und schon kann’s losgehen.
  • Und falls das Fahrzeug später als gebraucht verkauft werden sollte: Beim Wertverlust gibt es da kaum einen Unterschied zwischen einem Neuwagen und einem Auto mit Tageszulassung.
Ein Auto steht mit einem weiteren im Showroom eines Autohauses
© istock/deepblue4you/2017  Eine Tageszulassung gibt es nur für neue Autos, die der Handel vorrätig hat.

Autos mit Tageszulassung haben aber auch Nachteile:

  • Sie müssen das Fahrzeug so nehmen, wie es ist. Anders als bei einer Neuwagenbestellung können Sie sich keine bestimmte Farbe oder Motorisierung wünschen. Ansonsten sind Änderungen an der Ausstattung in gewissem Rahmen zwar möglich, aber meist teuer. Wer zum Beispiel nachträglich einen Ladeboden für den Kofferraum kauft, zahlt dafür deutlich mehr als ab Werk.
  • Sie stehen in den Zulassungspapieren nur als Zweitbesitzer*in. Deshalb könnten Ihnen Prämienrabatte für Neuwagen entgehen, die manche Versicherungen anbieten. Derartige Vergünstigungen bekommen in der Regel nur Erstbesitzer*innen. Und das sind bei Autos mit Tageszulassung die Autohändler. Um hier gegebenenfalls Klarheit zu haben, sollten Sie das Thema vor dem Kauf mit Ihrer Versicherung besprechen.
  • Der Countdown für die zweijährige gesetzliche Gewährleistungspflicht bei Neuwagen beginnt mit dem ersten Tag der Zulassung. Ab dann wird die Frist immer kürzer. Steht also der Wagen schon einige Wochen oder Monate im Autohaus, dann muss diese Zeit von den zwei Jahren abgezogen werden. Eventuell ist mit dem Händler eine Lösung vereinbar.

Sie sehen: Trotz des großen Preisvorteils können Autos mit Tageszulassung zu Kosten oder Verlusten an anderer Stelle führen. Ob sich der Kauf trotzdem für Sie lohnt, sollten Sie vorher durchrechnen. Das gilt auch für den Fall, dass Sie einen Autokredit aufnehmen wollen. Oder könnte für Sie Carsharing günstiger als das eigene Auto sein?

Die Regeln für eine Tageszulassung

Ein Autohaus darf nicht jedes beliebige Fahrzeug für kurze Zeit an- und abmelden und dann als Tageszulassung auf seinen Parkplatz oder in den Showroom stellen. Das ist nur unter folgenden Bedingungen erlaubt.
Der Wagen ...

  • ist neuwertig.
  • ist auf Lager.
  • ist weniger als zehn Kilometer gelaufen.
  • darf während der Zeit der Tageszulassung nicht oder nur wenig bewegt werden. 
  • hat seine Standzeit unbeschadet überstanden.
  • ist beim Verkauf nicht älter als zwölf Monate (ab Herstellungsdatum).
  • wird noch unverändert produziert.
Ein gut gelaunter Verkäufer mit einem Tablet im Auto-Showroom
© istock/skynesher/2020  Obwohl sie wegen des großen Rabatts auf Gewinn verzichten, zahlen sich Tageszulassungen auch für Autohändler aus.

Der Sinn von Tageszulassungen für Autohändler

Wer kauft einen Neuwagen zum Listenpreis? Richtig, so gut wie niemand. Denn jeder weiß, dass die Autohändler praktisch immer mit sich handeln und dabei nicht lumpen lassen. Abschläge von 10 bis 20 Prozent sind durchaus drin. Natürlich kommt es dabei auch auf die Marke, das Modell und Ihr Verhandlungsgeschick an. Allerdings hat das Entgegenkommen des Handels auch seine Grenzen. Und die legt der Hersteller fest: Er erlaubt zwar Rabatte für seine neuen Autos, aber nur bis zu einem gewissen Preisniveau. Dieses dürfen seine Verkäufer*innen nicht unterschreiten.

Doch über den Trick einer Tageszulassung können sie das. Aber das bedeutet natürlich einen Verlust für die Händler. Sie könnten mit einem höheren Preis mehr Gewinn machen. Trotzdem profitieren auch sie von dem Geschäft. Jedenfalls indirekt. Und zwar wie folgt:

  • Der Handel verpflichtet sich den Herstellern gegenüber zum Absatz von einer Mindestmenge an Fahrzeugen. Diesem Ziel können sie über Tageszulassungen näherkommen.
  • Wenn es mit den Tageszulassungen gut läuft, dann übertreffen sie sogar die vereinbarte Anzahl von verkauften Autos. Bei mehr Umsatz winkt dem  Handel seitens der Hersteller günstigere Einkaufspreise. Heißt: Für die Autohäuser bleibt bei jedem Geschäft mehr Gewinn übrig.

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