Frau schaut aus dem Seitenfenster eines an einem Fluss geparkten Wohnmobils, im Hintergrund eine Bergkulisse
Finanzieren

Freiheit ist käuflich: Wohnmobil finanzieren – oder doch besser leihen oder leasen?

Tanja Viebrock
von Tanja Viebrock, 08.07.2019

Sachen packen und los … wohin Sie wollen, wann Sie wollen und vor allem: wie Sie wollen. Hat das Wohnmobil-Virus Sie auch erwischt? Willkommen im Club! Wer erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, kann sich eine andere Art des Reisens meist gar nicht mehr vorstellen. Früher oder später stellt sich dann die Frage nach einem eigenen Wohnmobil. Aber wie finanzieren? Und lohnt sich das überhaupt?

Themen in diesem Artikel

Wohnmobil mieten: Nicht nur als Testlauf sinnvoll

Die “Einstiegsdroge” für viele Wohnmobilisten ist oft ein Mietmobil. Und das ist auch gut so, denn für diese Art des Reisens ist nicht jeder gemacht. Und es wäre ziemlich ärgerlich, erst nach dem Kauf eines eigenen Campers festzustellen, dass einem das reichhaltige Frühstücksbuffet, das noble Badezimmer und all die anderen Annehmlichkeiten eines Hotelaufenthaltes doch sehr fehlen.

Doch selbst, wenn Sie Blut geleckt haben und für Sie kein Luxushotel der Welt mit der Freiheit auf vier Rädern mehr mithalten kann, muss es nicht zwingend der eigene Camper sein. Unter Umständen kann es sinnvoller sein, weiterhin für den Urlaub zu mieten. Das gilt vor allem dann, wenn

  • Sie keinen sicheren Stellplatz für Ihr Wohnmobil haben. Wohnmobile sind bei Dieben begehrt, das gilt nicht nur für Luxusmodelle. Auch einfache ältere Camper werden häufig gestohlen, wenn sie an der Straße geparkt werden.
  • Sie auch mal anders urlauben möchten, zum Beispiel öfter eine Fernreise unternehmen wollen.
  • Sie keine Lust oder Zeit haben, sich außerhalb des Urlaubs um das Fahrzeug zu kümmern. Ein Wohnmobil in Schuss zu halten, macht durchaus Arbeit. Es muss regelmäßig gewartet und gereinigt werden.
  • spontane Reisen und Kurztrips ohnehin nicht Ihr Ding sind.
  • Sie noch nicht absehen können, wie Ihre Lebens- und Urlaubspläne in ein paar Jahren aussehen werden.
  • Sie Wert auf modernste Ausstattung legen.
  • Ihr Budget für Reisen und Freizeit knapp oder schlecht planbar ist.
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© fan 4 van 

Wohnmobil finanzieren: Diese Möglichkeiten haben Sie

Wer mehrmals im Jahr ein Wohnmobil für den Urlaub mietet, fängt früher oder später an zu rechnen: Wäre es nicht sinnvoller, die 100 bis 150 Euro Mietgebühr pro Tag in einen eigenen Camper zu stecken? Es gibt die Faustregel, dass sich die Anschaffung eines eigenen Reisemobils rechnet, wenn man pro Jahr mindestens sechs Wochen unterwegs ist. Aber Faustregeln sind eben auch nur grobe Richtwerte. Letztendlich kommt es immer auf die eigene Situation an.

Bei einem günstigen Gebrauchtmodell rechnet sich der Kauf schon viel schneller. Und wenn das eigene Reisemobil erst einmal in der Garage steht, ist mancher Besitzer oft viel mehr unterwegs als ursprünglich gedacht. Aber Faustregeln hin oder her, Fakt ist: Ganz billig ist der Spaß grundsätzlich nicht. Auch Gebrauchtfahrzeuge kosten immer noch eine ordentliche Stange Geld. Das ist zwar ärgerlich. Aber wenigstens bekommen Sie für ein Wohnmobil relativ leicht einen Kredit. Warum das so ist?

Ein Wohnmobil mit Fahrradträger fährt entlang eines Sees durch eine Gebirgslandschaft
© istock/Cookelma/2018  Es gibt diverse Möglichkeiten, den Traum vom eigenen Wohnmobil zu finanzieren.

Weil ein Wohnmobil – anders als ein Pkw – in den ersten Jahren kaum an Wert verliert. Und sich relativ verlustarm weiterverkaufen lässt. Selbst für ältere Modelle bekommen Sie noch einen ordentlichen Preis. Vor allem dann, wenn Sie ein wenig Zeit und Arbeit in Ihr rollendes Zuhause investiert und die Ausstattung optimiert haben. Das kann die Kosten für die Finanzierung komplett wieder aufheben.

Aber wie genau finanzieren Sie Ihr Wohnmobil denn jetzt?

Möglichkeit 1: Ratenkredit aufnehmen und bar bezahlen

Wer sein Fahrzeug direkt beim Kauf komplett bezahlt, kann oft einen Rabatt heraushandeln. Und beim Kauf von privat haben Sie im Normalfall ohnehin keine andere Wahl, als den Kaufpreis zum Vertragsabschluss auf den Tisch zu legen – beziehungsweise den Betrag auf das Konto des Verkäufers zu überweisen. Mit einem herkömmlichen Ratenkredit wie dem DirektKredit der Hanseatic Bank in Kooperation mit der SWK Bank haben Sie den benötigten Betrag innerhalb kurzer Zeit auf Ihrem Konto. Diese Art der Finanzierung ist daher insbesondere bei kurzfristigen guten Angeboten sinnvoll, da Sie schnell reagieren können.

Möglichkeit 2: Wohnmobil mit einem Autokredit finanzieren

Spezielle Wohnmobilkredite gibt es nicht, ein solches Fahrzeug kann aber über einen Autokredit finanziert werden. Im Prinzip funktioniert das für Sie wie bei einem ganz normalen Kredit – Sie zahlen Monat für Monat Ihre Rate und am Ende der Laufzeit sind Sie schuldenfrei. Der Unterschied zum normalen Ratenkredit: Er ist zweckgebunden für die Finanzierung des Fahrzeugs. Das Wohnmobil ist für die Bank eine zusätzliche Absicherung, deshalb sind die Zinsen mitunter etwas niedriger als bei einem Ratenkredit. 

Der Preis dafür ist, dass die Bank den Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) als Sicherheit einbehält. Das bedeutet: Bis der Kredit abbezahlt ist, gehört Ihr Wohnmobil quasi der Bank, nicht Ihnen. Sie können es also nicht ohne Weiteres verkaufen. Diese Form der Finanzierung kann eine Lösung sein, wenn Sie aufgrund Ihrer Bonität Schwierigkeiten haben, einen herkömmlichen Kredit zu bekommen. Durch das Wohnmobil als Sicherheit steigen Ihre Chancen.

Ein junges Paar im Gespräch mit einer Kundenberaterin
© istock/skynesher/2012  Händler bieten die passende Finanzierung gleich mit an. Praktisch, aber nicht unbedingt die günstigste Lösung.

Möglichkeit 3: Finanzierung über den Händler/Drei-Wege-Finanzierung

Wenn Sie Ihr neues Reisemobil bei einem Händler kaufen, bietet dieser Ihnen häufig auch eine Fahrzeugfinanzierung an. Das ist zwar praktisch, doch Sie sollten die Konditionen genau prüfen. In der Regel ist eine solche Händlerfinanzierung nichts anderes als ein Kredit, der über eine Partnerbank des Händlers läuft. In vielen Fällen kommen Sie mit einem Kredit bei Ihrer Hausbank günstiger weg.

Manche Fahrzeughändler bieten auch eine Drei-Wege-Finanzierung an. Die ist auf den ersten Blick verlockend, denn die monatlichen Raten fallen vergleichsweise niedrig aus. Dafür ist allerdings eine Anzahlung fällig. Und das dicke Ende kommt zum Schluss – in Form einer relativ hohen Schlussrate. Am Ende der Laufzeit haben Sie drei Möglichkeiten: Sie können die Schlussrate zahlen und das Wohnmobil gehört Ihnen. Wenn Sie die benötigte Summe nicht haben, können Sie eine Anschlussfinanzierung abschließen. Oder Sie geben das Fahrzeug an den Händler zurück.

Ähnlich wie beim Leasing gilt für die Rückgabe an den Händler eine bestimmte Kilometergrenze und das Wohnmobil muss in einem guten Zustand sein. Sonst kommen weitere Kosten auf Sie zu. Sinnvoll ist eine solche Drei-Wege-Finanzierung eigentlich nur in zwei Fällen:

  • Wenn Sie wissen, dass Sie zum Ende der Laufzeit genug Geld für die Schlussrate zur Verfügung haben; zum Beispiel, weil kurz zuvor ein Sparvertrag ausläuft oder Ihre Lebensversicherung ausgezahlt wird.
  • Wenn Sie unschlüssig sind, ob das ausgewählte Modell wirklich das richtige Wohnmobil ist. Falls es nicht zu Ihnen passt, können Sie es zum Laufzeitende zurückgeben und sich nach einem anderen Fahrzeug umsehen.

Behalten Sie das Wohnmobil, kommt Sie eine solche Drei-Wege-Finanzierung teurer zu stehen als ein Ratenkredit.

Junge Frau sitzt mit einer Tasse in der Hand auf der Türschwelle eines Wohnmobils und bewundert die Berglandschaft
© istock/Click_and_Photo/2018  Urlaub jenseits vom Massentourismus – kein Problem mit dem Wohnmobil.

Wohnmobil leasen: Freiheit mit Einschränkungen

Leasing gibt es auch für Wohnmobile. Das Prinzip ist das gleiche wie beim PKW-Leasing: Sie leisten eine Anzahlung, zahlen während der vereinbarten Laufzeit eine monatliche Gebühr, und am Ende der Leasingdauer entscheiden Sie, was mit Ihrem fahrbaren Urlaubsbegleiter passiert:

  • Sie zahlen den Betrag, der zum vollen Kaufpreis noch fehlt und behalten das Wohnmobil oder
  • Sie geben das Fahrzeug an den Händler zurück.

Je nach Vertrag besteht manchmal auch die Möglichkeit, das Wohnmobil weiter zu leasen.

Möglicherweise haben Sie schon mal von den Nachteilen des Autoleasings gehört. Oder einen geplagten Leasingwagen-Fahrer jammern hören, dass er zu viele Kilometer auf dem Tacho oder Kratzer im Lack hat. Je nach Vertrag darf das Fahrzeug nämlich zum Vertragsende nur eine bestimmte Kilometerzahl zurückgelegt haben. Oder es muss noch einen bei Vertragsabschluss vereinbarten Restwert haben. Ansonsten wird eine Nachzahlung fällig.

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© ZDF wiso 

Das ist beim Pkw oft schon nervig, bei einem Wohnmobil kann es einem den Spaß noch viel mehr vermiesen. Zum Beispiel, wenn Sie auf einen spontanen Wochenendtrip verzichten müssen, weil Ihre jährlichen Kilometer nach dem Sommerurlaub schon nah am Limit sind. Außerdem reist es sich deutlich entspannter, wenn Sie sich keine Sorgen machen müssen, dass jeder Kratzer möglicherweise eine Nachzahlung nach sich zieht. 

Besonders ärgerlich ist aber, dass Sie das Wohnmobil nicht nach Ihren Vorstellungen umgestalten und einrichten können. Denn das Fahrzeug gehört nicht Ihnen, sondern dem Leasingunternehmen. Und das möchte es im Originalzustand zurück, um es weiterzuverkaufen, wenn Sie es nicht behalten wollen. Während der Leasingdauer haben Sie in “Ihrem” Wohnmobil also nicht mehr Freiheiten als in einem Mietmobil.

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