Lachende Frau bezahlt ihre Rechnung im Straßencafé kontaktlos per Kreditkarte
Bezahlen

Statistisch gesehen: Deutsche lassen die Kreditkarte lieber stecken

Tanja Viebrock
von Tanja Viebrock, 13.12.2019

Man hört es immer wieder: Wenn es um das Bezahlen mit der Kreditkarte geht, verhalten wir Deutschen uns scheinbar wie die letzten Hinterwäldler. Ist das wirklich so? Wird in anderen Ländern tatsächlich so viel mehr mit dem Plastikgeld bezahlt? Die KlarMacher forschen nach!

Wer schon mal Urlaub in den USA gemacht hat, kennt das: Die Amerikaner bezahlen selbst ein einzelnes Päckchen Kaugummi mit ihrer Kreditkarte. Während man hierzulande an der Supermarktkasse schon komische Blicke erntet, wenn man die 9,34 Euro für den Feierabendeinkauf mangels Bargelds im Portemonnaie mit Karte zahlen muss. 

Tatsächlich ist die Kreditkarte in den USA das beliebteste Zahlungsmittel überhaupt. Schon im Jahr 2015 haben die Amerikaner umgerechnet rund 2,5 Billionen Euro – in Ziffern 2.500.000.000.000 – über Kreditkarten bezahlt. In Deutschland ging die Zahl in dem Jahr immerhin in die Milliarden, 85.000.000.000 Euro, um genau zu sein – doch im Vergleich zu den USA fehlen da doch einige Nullen. Im Schnitt hat damit jeder Amerikaner siebenmal so viel mit Kreditkarte bezahlt wie ein Bundesbürger. 

Deutsche können auch bargeldlos – mit der Girocard

 

Zur Ehrenrettung der Deutschen muss man aber sagen, dass wir uns allmählich mit dem bargeldlosen Bezahlen anfreunden. 2018 wurde im deutschen Einzelhandel erstmalig mehr mit Karte bezahlt als mit Bargeld. Dass allerdings hauptsächlich mit der guten alten EC-Karte, die schon seit 2007 offiziell Girocard heißt. Nur knapp sieben Prozent der Umsätze wurden mit Kreditkarten gezahlt, über 40 Prozent dagegen mit der Girocard.

(Übrigens: Mehr zur Frage Girocard oder Kreditkarte lesen Sie in diesem Artikel.)

Ganz so hinterwäldlerisch, wie es manch einer gerne darstellt, sind wir Deutschen also gar nicht. Und es wird uns auch nicht immer leicht gemacht mit der Kartenzahlung. Kreditkarten werden längst nicht überall akzeptiert. Und selbst mit der Girocard kommt man nicht immer weiter oder kann sie erst ab einem bestimmten Mindestumsatz nutzen. Andere Länder sind da deutlich weiter. Und dafür müssen wir nicht mal über den großen Teich schauen, sondern nur einige Hundert Kilometer nach Norden. Die skandinavischen Länder gelten als Vorreiter in Sachen bargeldlos bezahlen. So bezahlt rund die Hälfte der Schweden nur noch per App, in den anderen nordischen Ländern sieht es ähnlich aus.
 

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Alltag mit Kreditkarte – so funktioniert es anderswo

 

Dementsprechend ist die Kreditkartenzahlung in Skandinavien quasi schon alltäglich und tatsächlich überall möglich. Ein paar Beispiele gefällig?

  • Das Stockholmer Straßenmagazin „Situation Stockholm” kann schon seit 2013 mit Kreditkarte bezahlt werden.
  • Die Türen öffentlicher Toiletten öffnen sich in Norwegen teilweise nur noch gegen Kreditkarte.
  • Klingelbeutel sind out, in schwedischen Kirchen wird am „Kollektomat” die Karte für Opfergaben gezückt.
  • Auf dem Flohmarkt einen Sensationsfund gemacht, aber nicht genug Bargeld in der Tasche? Hierzulande meist eine Katastrophe höchsten Grades, in Skandinavien ... Sie wissen schon.
  • Ohne Plastikgeld ins Restaurant oder Tanken? In Dänemark eine schlechte Idee, denn Tankstellen, Restaurants und kleine Läden müssen kein Bargeld annehmen.

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