Zensus 2011 – Fakten, Fakten, Fakten

25.01.2011 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Fragebogen © luchshen

Am 9. Mai 2011 ist Stichtag für den europaweiten Zensus 2011 – und Mitmachen ist Pflicht. Warum der Staat die Daten so dringend braucht und wie viel Aufwand ihm das Wert ist, erfahren Sie hier.
Unter dem Motto „Wissen, was morgen zählt“ starten derzeit die ersten Vorbefragungen für den Zensus 2011 – eine europaweite Volks-, Gebäude- und Wohnungszählung zum Stichtag 9. Mai 2011. Der Zensus beinhaltet einen umfangreichen Fragenkatalog und soll beispielsweise ermitteln, wie viele Personen welchen Alters in Deutschland leben, wie viele Wohnungen in welcher Größe es gibt oder auch womit Gebäude beheizt werden – die Teilnahme ist Pflicht laut Zensusgesetz. Die tatsächlichen Fragebögen lassen sich vorab als Muster unter www.zensus2011.de einsehen.

Eine ähnliche Anstrengung gab es letztmalig 1987 unter dem Namen „Volkszählung“ in der BRD und 1981 in der damaligen DDR. Was auch schon das Problem der Sache aus staatlicher Sicht aufzeigt: Der aktuelle Datenbestand zur Planung ist also im günstigsten Fall 24 Jahre alt und im schlechtesten 30 Jahre – ein Zeitraum, in dem es immerhin den Mauerfall und die Wiedervereinigung gab, oder auch die weltweite Finanzkrise.

Als Notbehelf haben sich die staatlichen Statistiker bislang damit begnügt, in einer so genannten „Fortschreibung“ die Entwicklung der Bedingungen weiter hochzurechnen und die Ergebnisse mit dem so genannten „Mikrozensus“ bei einem Prozent der Bevölkerung stichprobenhaft gegen zu prüfen. Eine Methode auf recht wackeligen Beinen: So zeigte sich schon bei der Volkszählung von 1987, dass die fortgeschriebene Anzahl der Erwerbstätigen um gut 1 Millionen Personen zu niedrig war, die Zahl der Wohnungen hingegen um rund 1 Millionen zu hoch.

Die Ergebnisse des Zensus 2011 sollen diese Datenbasis jetzt wieder bereinigen, denn die ausgewerteten Angaben werden dringend gebraucht, zum Beispiel bei:

-Feststellung der amtlichen Einwohnerzahl
-Planung der Wohnungsbauprogramme
-Ausbau der Infrastruktur und Verkehrsplanung
-Einteilung der Wahlkreise
-Stimmverteilung der Länder im Bundesrat
-Finanzierung der öffentlichen Haushalte
-Steuerschätzungen
-Datenabgleich mit bestehenden Registerstellen

Anders als 1987 in der BRD, wo noch aufwändig alle Haushalte umfassend befragt wurden, reicht es dieses Mal aber, nur rund 30% der Bevölkerung zu befragen. Der Grund dafür ist das diesmal verwendete „registergestützte Verfahren“. Das heißt nichts anderes, als dass die sowieso so schon umfangreichen Datenbestände in den einzelnen staatlichen Stellen, wie den Ordnungs- und Meldeämtern oder der Bundesagentur für Arbeit ebenfalls für den Zensus genutzt werden. Dieses Verfahren rechnet sich für den Staat, der statt geschätzter 1,4 Milliarden Euro für eine traditionelle Volksbefragung „nur“ zirka 450 Millionen Euro ausgibt.

Allerdings ist es auch genau diese Art der Zusammenführung von persönlichen Daten, die Kritik bei einigen Datenschützern auf den Plan gerufen hat: Mit Hilfe des Zensus führe der Staat auf unzulässige Art personen- und haushaltsbezogene Daten zusammen und mache diese auswertbar. Zudem seien dann diese Daten 4 Jahre lang zentral gespeichert, was die Gefahr des Missbrauchs noch erhöhe. Eine entsprechende Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe hatte dennoch keinen Erfolg, so dass ein Drittel aller Deutschen demnächst mit großem Aufwand befragt werden wird, um „zu wissen, was morgen zählt“.

Links

www.zensus2011.de

www.gesetze-im-internet.de/zensg_2011/index.html

Schlagwörter: Datenschutz, Mikrozensus, Volksbefragung, Zensus 2011

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