Umweltbewusst mit Rückenwind

25.10.2011 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

E-Bike © ferkelraggae - Fotolia.comE-Bikes sind das „Mega-Thema Nr. 1 der Fahrradbranche“. So hieß es auf der diesjährigen internationalen Fahrradmesse EUROBIKE. Das Geschäft mit den akkubetriebenen Zweirädern wächst kontinuierlich. Modellvielfalt, modernes Design, leistungsfähige Motoren und Batterien mit großer Reichweite machen Elektroräder für neue Zielgruppen attraktiv und verändern ihr Image des Senioren- oder Versehrtenfahrrads.

Heute gibt es neben dem klassischen Fahrrad, auch Mountainbikes, Liegeräder, Lastenfahrräder oder Klappräder mit Elektroantrieb. Sogar in der Rennradausführung sind sie auf dem Markt und werden gekauft.

Die Fahrradbranche unterscheidet nach der Art des Elektroantriebs zwischen Pedelecs (Pedal Electric Cycle) und dem E-Bike im engeren Sinne. Letzteres ist ein Fahrrad mit elektrischem Zusatzantrieb, der unabhängig von den Tretbewegungen funktioniert. Der Fahrer entscheidet, ob der Antrieb elektrisch oder mechanisch erfolgt. Überschreitet die Höchstgeschwindigkeit 20 km/h, wird das E-Bike rechtlich als Kleinkraftrad betrachtet und ist führerschein- und versicherungspflichtig. E-Bikes boomen in vielen chinesischen Großstädten, da Zweiräder mit Verbrennungsmotor aufgrund der Umweltbelastung verboten sind.

In Deutschland überwiegen die Pedelecs in der e-mobilen Fahrradwelt. Ein Pedelec kombiniert Muskelkraft und Elektroantrieb. Der in den Rahmen oder die Radnabe integrierte Zusatzantrieb funktioniert nur, wenn der Fahrer die Pedalen bewegt. Der Motor unterstützt und erleichtert die Tretarbeit. Der Unterstützungsgrad wird über die Trittfrequenz oder die Pedalkraft des Fahrers gesteuert. Endet die Tretkraftunterstützung bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h, gelten Pedelcs verkehrsrechtlich als Fahrrad. Schnelle Pedelecs, deren Motoren erst bei höheren Geschwindigkeiten abriegeln, sind zulassungspflichtig wie ein Mofa.

Verglichen mit den Elektrorädern aus der Nische Reha-Fahrzeug sind die heutigen Modelle kaum noch von normalen Fahrrädern zu unterscheiden. Die zusätzlichen Geräte und Instrumente sind kleiner, leichter und geschickt integriert, Materialien, Rahmen und Steuerung entsprechend der vorgesehenen Nutzung abgestimmt. Reichweite und Lebensdauer der Akkus wurden durch die Anwendung moderner Lithium-Technologien deutlich erhöht und können bequem entfernt und an einer beliebigen Steckdose aufgeladen werden.

Die praxistauglichen Fahrzeuge machen das Fahren mit Rückenwind zur attraktiven Fortbewegungsmöglichkeit. Nicht nur Postzusteller und Kurierdienste sind mit dem E-Bike schneller und bequemer unterwegs. Radwandern oder Sightseeing per Rad machen erst richtig Spaß, wenn man ohne Angst vor der nächsten Steigung oder dem kräftigen Gegenwind Landschaft und Sehenswürdigkeiten genießen kann. Für viele nicht ganz so sportliche Mitmenschen sorgt die zusätzliche Motorkraft dafür, dass sie sich überhaupt auf’s Rad wagen und Freude am Radeln haben.

Angesichts hoher Kraftstoffpreise, verstopfter Straßen und heikler Parkplatzsituation ist das Pedelec auch für den innerstädtischen Weg zur Arbeit eine Alternative. Vorausgesetzt der Chef zahlt ein gutes Gehalt, denn ein Elektrofahrrad ist keine billige Sache. Oder man wohnt in einer der im Zusammenhang mit dem Entwicklungsplan Elektromobilität der Bundesregierung ausgewählten Modellregionen. Dann stellt vielleicht die Firma, staatlich gefördert, Pedelecs für innerstädtische Dienstfahrten oder auch für Pendler zur Verfügung.

Wer selbst ein gutes, sicheres E-Bike kaufen will, muss mindestens einen vierstelligen Betrag, durchschnittlich 1.500 € investieren. Räder für ein paar hundert Euro aus dem Baumarkt erhalten von Experten keine guten Kritiken ebenso wenig wie Bausätze zum Nachrüsten herkömmlicher Fahrräder. Durch das zusätzliche Gewicht und die hohe Geschwindigkeit wird das Material stark beansprucht und schnell zum Sicherheitsrisiko. Trotz wegweisender Verbesserungen ist der Akku immer noch die Schwachstelle des E-Bikes. Nach ca. vier bis fünf Jahren oder 1.000 Aufladungen muss ein Lithium-Ionen-Akku z. B. in der Regel teuer ersetzt werden. Die angegebene Reichweite des Akkus ist ein Richtwert und hängt auch von der energiesparenden Fahrweise und der Geländebeschaffenheit ab. Im Stadtverkehr hat das eher nachgeordnete Bedeutung. Auf einer längeren Tour in bergigem Gelände wird die Fahrt mit leerem Akku schnell zum schweißtreibenden Spaßkiller.

Das große Potenzial des ehemals belächelten Elektrofahrrads ist erkannt. An der technischen Weiterentwicklung und Verbesserung der nötigen Infrastruktur wird intensiv gearbeitet und geforscht. In Meckenbeuren steht z.B. ein Biketower – ein Parkhaus und gleichzeitig eine Akku-Wechsel-Station für E-Bikes und Pedelecs. Im Test sind auch Fahrradgaragen mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach als Stromquelle für den Akku. Das E-Bike könnte für kurze Strecken das ideale, weithin akzeptierte, umweltfreundliche Fahrzeug werden, wenn die Akzeptanz weiter steigt und der Preis fällt.

Schlagwörter: E-Bike, Elektrofahrrad, Pedelec

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