Stressbewältigung ist erlernbar

27.03.2012 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Stressbewältigung ist erlernbar © lichtmeister - Fotolia.comNoch Mitte des vorigen Jahrhunderts war das Wort Stress allenfalls ein Fachbegriff in der Biologie oder Werkstoffkunde. Heute ist Stress ein Alltagsphänomen beruflich wie privat, das jeder auf seine Art und Weise zu meistern versucht. Dass immer mehr Menschen an der Stressbewältigung scheitern, zeigt der deutliche Anstieg stressbedingter körperlicher Beschwerden und psychischer Erkrankungen.

Nach Schätzungen der Krankenkassen sind etwa 20 Prozent aller Berufstätigen vom Burnout-Syndrom betroffen. Ein Krankheitsbild, das noch vor wenigen Jahren kaum diagnostiziert wurde. Als Ursache für die Zunahme stressbedingter Probleme gelten die massiven Veränderungen im Berufsalltag. Die stetige Arbeitsverdichtung und wachsende Komplexität der Aufgaben, Mehrfachbelastungen, umfangreiche Reisetätigkeit und nicht zuletzt die ständige Verfügbarkeit und Informationsflut durch Handy und moderne Online-Kommunikation führen immer häufiger zu unvorhergesehenen, unbekannten und daher Stress auslösenden Situationen.

Stressbewältigung gelingt den Menschen mit unterschiedlichem Erfolg. Während die einen unter Zeitdruck die besten Ideen zu Papier bringen, bereitet den anderen der nahende Abgabetermin bereits schlaflose Nächte. Was tatsächlich als Stress empfunden wird, ist abhängig von der individuellen Sichtweise und Wahrnehmung der Umwelt und der persönlichen Bewertung eines Ereignisses. Stress entsteht, wenn eine Situation als unkontrollierbar eingeschätzt oder wenn aufgrund von Denkgewohnheiten und Wertesystemen die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten und das „Gefahrenpotenzial“ einer Situation unter- bzw. überschätzt werden. Sieht eine Person z. B. Perfektion als gesellschaftliche Norm und Fehler als Versagen an, wird sie schneller unter Stress geraten als der Minimalist, der mit geringerem Aufwand ein zwar nicht perfektes aber akzeptables Ergebnis erzielt.

Wann wird Stress gefährlich?

Die Stressreaktion des Körpers an sich ist nicht gesundheitsschädigend und kann sogar als angenehm und leistungssteigernd empfunden werden. Gefährlich wird es, wenn die Stresssituation nicht endet und die Belastungen und Herausforderungen die Bewältigungsmöglichkeiten dauerhaft übersteigen. Dann macht Stress krank.

Der Versuch, den Stress durch noch bessere Anpassung, intensivere Arbeit, effizientere Informationen zu bewältigen, endet zwangsläufig in einer Erschöpfungsspirale. Der Ausweg führt über eine grundlegende Änderung der Lebensumstände, eigenen Ansprüche und Denkmuster. Oft sind das bewährte Verhaltensweisen, die jahrelang das Erfolgsrezept bildeten. „Alles, was wir sind, ist das Ergebnis dessen, was wir gedacht haben.“ (Buddha) Nicht ohne Grund nutzen Stresstherapeuten Methoden und Konzepte aus der fernöstlichen Philosophie, die an der Veränderung von Wahrnehmung und Zeitempfinden sowie ungünstiger Bewertungs- und Einstellungsmuster ansetzen (z. B. Konzept der Achtsamkeit, Mindfulness-Based Stress Reduction-MBSR).

Erkennen Sie die Stressauslöser

Auch ohne buddhistische Meditation muss Stress im Job nicht zu Magengeschwüren und Burnout-Syndrom führen. Erfolgreiche Stressbewältigung setzt die Einsicht voraus, dass Veränderung beim eigenen Verhalten beginnt. Zunächst sind die persönlichen Stressauslöser und Stresssymptome zu identifizieren, um neben den allgemein gültigen Empfehlungen zur Vorbeugung auch für die individuelle Situation wirksame Maßnahmen zur Verringerung von Stress zu finden.

Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf und vernünftiger Ernährung und regelmäßige sportliche Betätigung sind Voraussetzungen für körperliche Fitness. Intakte soziale Beziehungen zu Familie und Freunden sorgen für ein gesundes Gegengewicht zum beruflichen Alltag und ermöglichen Ablenkung und Entspannung für Körper und Geist.

Kompetenter Umgang mit Stress erfordert effizientes Zeit- und Reizmanagement, gutes Kommunikationsvermögen und Konfliktfähigkeit. Einfache Dinge wie das Telefon abstellen, um eine Aufgabe konzentriert beenden zu können; bewusst Pausen einlegen, um Energie zu tanken; Arbeiten zu delegieren und Probleme offen anzusprechen, tragen dazu bei dauernde Überlastung zu vermeiden.

Das Hinterfragen der Ansprüche an sich selbst und Erwartungen an andere sowie die bewusste Einschätzung der Stresssituation aus einem anderen Blickwinkel können den zusätzlichen inneren Druck verringern. Was passiert wirklich, wenn ich nein sage? Welche Konsequenzen zieht das eventuelle Scheitern meines Projektes nach sich? Wie gehe ich damit um?

Welche konkreten Methoden und Techniken wirklich helfen und wie man sie erfolgreich erlernt und einübt, muss jeder Berufstätige selbst herausfinden. Hilfe und Unterstützung gibt es in Literatur, Ratgebern, zahlreichen Kursen und Seminaren. Die Zeit dafür ist gut investiert.

Schlagwörter: Burnout, Stress im Job, Stressbewältigung

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