Mehr als nur sehen durch Augmented Reality

01.06.2012 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Augmented Reality © Adam Radosavljevic - Fotolia.comEin sprechendes Wahlplakat? Der „Tagesprophet“ aus den Harry-Potter-Romanen lässt grüßen! Wer aber während des Berliner Wahlkampfes 2011 Wahlplakate der Grünen mit der passenden Handy-App betrachtete, sah eine Videobotschaft von Renate Künast auf dem Display (http://gruene-berlin.de/machs-mobil). Was wie Magie anmutet, heißt Augmented Reality (AR) und erweitert die Realitätswahrnehmung des Smartphonebenutzers. Sie gilt als Zukunftstechnologie mit hohem Potenzial und begeistert ob der vielfältigen phantastischen Anwendungsmöglichkeiten, die Leben und Arbeit angenehmer und effizienter machen können.

Unter Augmented Reality, deutsch erweiterte Realität, versteht man Verfahren mit deren Hilfe die sichtbare Wirklichkeit eines Kamerabildes um zusätzliche digitale Informationen z. B. Bilder, Texte, Videos aus dem Internet ergänzt wird, die das Bild auf dem Display eines elektronischen Gerätes überlagern. Durch die Wahrnehmungserweiterung in Echtzeit können Nutzer relevante digitale Daten durch AR-Systeme im realen Leben abrufen und interaktiv benutzen.

Augmented Reality – keine neue Erfindung

Ganz neu ist die Technik nicht. Militärpiloten nutzen seit Jahren AR-Anwendungen, um echte Bilder durch einsatzrelevante Informationen zu ergänzen. Schon in den 1960er Jahren experimentierte Ivan Sutherland mit einem „Datenhelm“ (Head-Mounted-Display). 1992 entwickelte Tom Caudell, er prägte den Begriff „Augmented Reality“, AR-Systeme für Boeing, um Schaltpläne für Flugzeuge direkt in das Sichtfeld des Monteurs einzublenden und so den Arbeitsablauf effizienter zu gestalten. Die breite Anwendung der Technik scheiterte jedoch an den Möglichkeiten, Virtuelles und Reales mit einander zu verbinden. Die verwendeten Displays waren unhandlich, groß und schwer und übertrugen die virtuellen Bilder nur mit Verzögerung.

Heute weit verbreitete mobile Hochleistungsgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs vereinen mit GPS, Kamera und Internetverbindung alle Voraussetzungen für die Anwendung von AR auf der Konsumentenebene. Jedes reale Objekt kann mit einer eigenen Website verknüpft werden, die zusätzliche Informationen liefert. Das passende Miniprogramm auf dem Smartphone (App) stellt über GPS-Koordinaten oder sogenannte Marker die Verbindung zum Nutzer her und schon erscheint z. B. der Inhalt der Lego-Verpackung dreidimensional auf dem Bildschirm.

Augmented Reality im Alltag

Für die Kunden ist das ein digitales Erlebnis mit echtem Nutzwert. Kein Wunder, dass sich viele der interaktiven Apps rund ums Einkaufen drehen. Schon sprechen Experten von einer Revolution des Handels, weil Kunden mit Hilfe ihrer intelligenten Handys nicht nur die passenden Geschäfte in unmittelbarer Nähe finden, sondern auch direkt im Laden Preise vergleichen, Produktinformationen abrufen oder vor Ort Dinge ausprobieren können wie z. B. bei Sisheido in Tokio mit dem „Digitalen Kosmetikspiegel“.

Der Informationsfluss funktioniert auch umgekehrt und erlaubt Händlern aufgrund der zwangsläufig gesammelten Daten gezielt Sonderangebote oder Werbung zu platzieren. In der Online Ausgabe der Zeitschrift Wirtschaftswoche zeigt ein fiktiver Shopping-Tag eindrucksvoll, was alles möglich ist. Auch als Touristen werden Smartphone-Besitzer bald nicht mehr auf die AR-basierten Apps verzichten wollen. Denn Programme, die fremdsprachige Speisekarten übersetzen, Hintergrundinformationen zu Sehenswürdigkeiten geben, die angesagten Restaurants einer fremden Stadt anzeigen und mit digitalen Wegweisern das Verlaufen verhindern, machen das Smartphone zum intelligenten Reiseführer wie z. B. „Wohin? 3D“.

Die Palette der Anwendungen von erweiterter Realität reicht von Spielereien zu Werbezwecken über interaktive Bedienungsanleitungen und Spiele bis hin zum Einsatz in der Medizin oder Bauplanung. Forscher und Entwickler arbeiten an einsatzfähigen Lösungen für die Montage komplizierter Technik, mit denen interaktive Schritt-für-Schritt-Anleitungen die Arbeitsprozesse deutlich verkürzen könnten. Auch im Operationssaal kann AR hilfreich sein, wie dieses Video beweist. Google verkündete die Entwicklung einer Datenbrille, die die virtuellen Informationen direkt vor das Auge bringt, ohne das Sichtfeld zu verdecken. Erweiterte Realität unabhängig vom Handy könnte dann möglicherweise so aussehen.

Noch steckt die Entwicklung von Augmented Reality in den Kinderschuhen. Von der tatsächlichen Nützlichkeit der Anwendungen wird abhängen, ob aus visionärer Technikfaszination alltagstaugliche Technologien für jedermann werden.

Schlagwörter: Apps, AR, Augmented Reality, Erweiterte Realität, Smartphone

RSS Artikel abonnieren (RSS)
Twitter Folge uns auf Twitter
Newsletter Newsletter abonnieren