Im virtuellen Wartezimmer

27.09.2011 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Im virtuellen Wartezimmer © Helder Almeida-Fotolia.comKrankheiten sind seit eh und je ein unerschöpfliches Gesprächsthema. Es ist nicht verwunderlich, dass auch im Internet unendlich viele medizinische und gesundheitsrelevante Informationen existieren und genutzt werden. Laut Eurostat (europäische Statistikbehörde) informieren sich ca. 28 Millionen Bundesbürger über Gesundheitsthemen im Internet, tauschen in Patientenforen Erfahrungen aus oder diskutieren Diagnosen und Therapien als säßen sie im Wartezimmer einer Arztpraxis.

Während man die reale Arztpraxis im Regelfalle mit einer klaren Diagnose und konkreten Verhaltensmaßregeln verlässt, kann das Surfergebnis im Netz schon sehr verwirrend oder beunruhigend sein. Auf das Stichwort „Husten“ z. B. erhält der Ratsuchende bei Google ca.4,8 Millionen Einträge. Deutlich gezieltere Ergebnisse ergibt die Suche über spezielle Portale zu medizinischen Themen. Seriöse Medizin- und Gesundheitsportale liefern neben sachlich fundierten und für den Laien verständlich aufbereiteten Erklärungen von Symptomen, Ursachen, Therapien und Medikation verschiedener Krankheit auch praktische Hilfeangebote für die Betroffenen wie z. B. Kliniksuche und –bewertung und nützliche Links zu Fachgesellschaften und Spezialinformationen. Die besten Noten im Test der Stiftung Warentest erhielten 2009 netdoktor.de und vitanet.de.

Für den Patienten bietet das Internet, was die reale Ärztewelt nicht leisten kann: 24 Stunden Verfügbarkeit ohne Wartezeiten, unendliche Geduld auch bei vielen Fragen, Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen, bequem eine zweite oder dritte Meinung und einfachen Zugang zu Fachinformationen über verschiedene Theorien und Therapiemöglichkeiten. Die professionelle Untersuchung und Behandlung durch einen ausgebildeten und anerkannten Arzt ersetzen auch die ausführlichsten Informationen der besten Experten aus dem Internet nicht. Darin sind sich Patientenvertreter, Portalbetreiber und Mediziner einig. Nicht umsonst gilt das Fernbehandlungsverbot, nach dem es Ärzten untersagt ist, unbekannte Patienten aus der Ferne persönlich medizinisch zu beraten. Fundiertes Wissen kann aber die Kommunikation zwischen Arzt und Patient wesentlich erleichtern und effizienter machen.

Bei allen Vorteilen, die die virtuelle Arztpraxis bietet, sollte der Portalnutzer kritisch bleiben. In Patientenforen schreiben meist medizinische Laien über subjektive Erfahrungen, die oft nicht übertragbar sind. Nicht immer sind die Informationen vollständig, aktuell und vertrauenswürdig. Manchmal ist die Werbung eines Pharmaunternehmens nicht vom Beitrag eines unabhängigen Anbieters zu unterscheiden. Verlässliche Informationen kann man erwarten, wenn man weiß, wer der Anbieter ist, welche Ziele und Interessen er verfolgt und wie er kontaktiert werden kann. Als wichtige Qualitätskriterien von Medizinwebsites sollten Nutzer auf Quellenangaben, nachgewiesene Verweise zu anderen relevanten Informationsquellen und Angaben zur Aktualität der Informationen achten. Empfehlenswert ist der Vergleich von Inhalten verschiedener Anbieter zu einem Thema. Spezialisierte Plattformen behandeln z. B. Herz- oder Krebserkrankungen viel ausführlicher und tiefgründiger als der virtuelle Allgemeinmediziner.

Inzwischen gibt es ob der Fülle an verfügbaren Informationen Leitsysteme wie medinfo.de im Internet, die dem Nutzer auf seine Suchanfrage eine Liste verlässlicher Links liefern. Alle Artikel durchlaufen einen redaktionellen Bewertungsprozess bevor sie in die Datenbank aufgenommen werden. Jede Website wird auf die Existenz verschiedener Qualitätsauszeichnungen geprüft und nach Art und Anzahl dieser Merkmale sortiert. Entsprechende Label zeigen dem Nutzer auf einen Blick, welche Qualitätsanforderungen erfüllt sind.
Z. B. können Informationsanbieter bei der Schweizer Stiftung Health On the Net (HON) die Zertifizierung mit dem HON-Label beantragen. Der HON-Code überprüft u. a. Autorenschaft, Belegbarkeit, Quellen, Angaben zur Aktualität sowie die Objektivität der Inhalte.

Der verantwortungsbewusste Patient versteht verlässliche und aktuelle Informationen zu Krankheit und Gesundheit im Internet als hilfreiche Ergänzung, nicht als Ersatz für den persönlichen Arztbesuch. Die Recherche hilft, gezielte Fragen zu stellen und Antworten des Arztes besser einzuordnen. Zu weit geht, wer als Patient mit fertiger Diagnose zum Arzt kommt und entsprechende Spezialuntersuchungen und Therapien einfordert. Das wäre ungefähr so als würde der Kunde beim Frisör selbst die Schere führen.

Schlagwörter: Gesundheitsportale, HON-Code, Medizinportale

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