Gibt es ein Sommerloch?

02.09.2010 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Temperaturen um die 30 Grad, ein Tag am Baggersee, Sommerferien, Grillabende mit Freunden im Garten und laue Sommernächte – so stellt man sich den Sommer vor. Worauf sich der Otto-Normal-Verbraucher monatelang freut, davor graut es jedem Journalisten. Sommer! Gleichzusetzen mit Flaute, nichts los, keine Skandale, schlicht und einfach: das Sommerloch! Es ist wieder da, wie jedes Jahr um diese Zeit.

Doch gibt es ein Sommerloch? Eine nicht einfach zu beantwortende Frage. Über was sollen Medien berichten, wenn die Bundesligasaison abgeschlossen ist und nicht mal mehr der Regionalligist aus dem Dorf um die Ecke Freundschaftsspiele gibt? Auch in anderen Sportarten finden – zumindest keine wichtigen – Spiele, Wettkämpfe oder Ereignisse mehr statt (es sei denn sie kommen in einem Jahr geballt).

Normalerweise immer für eine schlagzeilenträchtige Meldung gut: unsere Politiker. Aber nein, nicht mal die sind im Sommer da und haben wieder eine neue Schreckensmeldung auf Lager oder bieten sich ein skandalöses Wortgefecht. Und ob unsere Politiker im Sommer jemals wieder mit einem Dienstwagen in den Urlaub fahren werden, ist ebenfalls fraglich.

So werden also Zeitungsredakteure, Radioreporter und Fernsehjournalisten notgedrungen ganz fürchterlich kreativ. Tiere kommen immer gut, so könnte plötzlich das Monster von Loch Ness wieder gesichtet worden sein. Oder vielleicht taucht ja auch mal wieder ein Kaiman im Baggersee auf, ein neuer Name wäre sicherlich schnell gefunden. Wer erinnert sich nicht an das “Monster vom Schlachtensee” oder den „Problembären” Bruno? Selbst Fernsehsender statten ihr Programm mit Wiederholungen aus und auch die Kandidaten aus Günther Jauchs „Wer wird Millionär“ werden in die Sommerpause geschickt.

Gerade Tageszeitungen merken diese im Englischen auch „silly season“ genannte Zeit. Keine interessanten Schlagzeilen – weniger verkaufte Zeitungen. Kein Wunder also, dass es sogar schon vor kam, dass Schlagzeilen einfach erfunden wurden. Wen interessiert es schließlich Wochen später, wenn sich herausstellen sollte, dass alles nur geflunkert war? Man erinnere sich nur an das „Rheinkrokodil”. Wochenlange Berichterstattung, ohne dass es jemals von einer Kamera erfasst wurde. So wird Berichterstattung zur reinen Spekulation und ab dann macht auch der sogenannte “News-Value”-Urlaub. Dieser besagt, dass eine Nachricht nur dann eine Nachricht ist, wenn sie einen Neuigkeitswert hat und auch belegbar ist.

Ortsschild Sommerloch © KlausGrafVielleicht sollten es Journalisten einfach genauso machen, wie wir alle: in den Urlaub fahren und einfach mal nicht darüber nachdenken, welche Schlagzeile nun wieder produziert werden muss. Ein wirklich passendes Reiseziel wäre auch schon gefunden. Ein Ort in der Nähe des Nahetals, am Rande des Soonwalds. Nordwestlich von Bad Kreuznach und inmitten von Weinbergen gelegen. Ganze sieben Winzer pflegen dort ihr Handwerk und bauen auf rund 100 Hektar Weinreben an. Eventuell wären die ja auch einmal eine Meldung wert. Aber nein, es ist Urlaub und man braucht glücklicherweise keine Story. Besser ist es, man schaut sich die Filialkirche St. Ägidius aus dem Jahre 1789 an, die den Ortsmittelpunkt bildet. Aber auch die Nachbargemeinen Sankt Katharinen, Braunweiler und Wallhausen haben so einiges zu bieten. Sicherlich wissen Sie längst, von welchem Ort die Rede ist. Nein? Wie könnte es anders sein: Wir reden vom Örtchen Sommerloch!

Schlagwörter: Flaute, Medien, Sommer, Sommerloch

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