Ganz großes Kino – die 61. Berlinale

08.02.2011 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Sony-Center am Postdamer Platz © BerlinaleWenn am 10. Februar 2011 der Film „True Grit“ von Ethan und Joel Coen im Berlinale Palast am Potsdamer Platz ausgestrahlt wird, beginnt eines der wichtigsten Festivals der internationalen Filmindustrie und das bedeutendste kulturelle Ereignis der Hauptstadt – die 61. Berlinale.
Für zehn Tage wird Berlin zum Mittelpunkt für Filmschaffende und Kinoliebhaber. Die Berlinale gilt mit etwa 300.000 öffentlich verkauften Eintrittskarten als das größte Publikumsfestival in der Welt des Films. Begeisterte Kinogänger stehen bereits am frühen Morgen in langer Schlange vor den Kassen der Festivalkinos, um eine der begehrten Eintrittskarten zu ergattern, andere warten abends am roten Teppich vor dem Berlinale-Palast auf die Stars und Berühmtheiten. Ca. 19.000 Fachbesucher und Journalisten aus 128 Ländern sind akkreditiert. Hier treffen Künstler auf Geschäftsleute, junge Talente auf Entdecker, Fans auf Stars und kritische Juroren auf engagierte Filmemacher.

Für die Berlinale 2011 haben Festspielleiter Dieter Kosslick und sein Beraterteam wieder ein vielfältiges Programm an Filmprojekten aus aller Welt zusammengestellt. Große Namen wie Demi Moore, Liam Neeson, Vanessa Redgrave, Ralph Fiennes, Wim Wenders, Andreas Veiel sind nur einige der Publikumsmagneten.

Im öffentlichen Programm der Berlinale laufen ca. 400 Filme aller Genres, Längen und Formate, meist als Welt- oder Europapremiere.
Das Herzstück ist der internationale Wettbewerb. Hier werden 22 Spielfilme präsentiert, 16 davon wetteifern um die begehrten Hauptpreise des Festivals. Eine international besetzte Jury unter dem Vorsitz der Schauspielerin Isabella Rossellini vergibt den Goldenen Bären für den „Besten Film“.

Themenschwerpunkte der Sektionen Panorama und Forum sind in diesem Jahr Familie, private Beziehungen und Fragen nach der eigenen Identität ebenso wie moderne Medien und ihre Wirkung auf den Menschen. Das gemeinsame Filmprojekt beider Sektionen „Dreileben“ zeigt drei Spielfilme verschiedener Regisseure, die dieselbe Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen.

In der Perspektive Deutsches Kino debütieren die beiden Filmemacher Lisa Sperling und Florian Kläger ganz aktuell mit ihrem Dokumentarfilm „Stuttgart 21 – Denk mal!“. Die Retrospektive ist dem schwedischen Regisseur Ingmar Bergmann gewidmet und in der Hommage wird der Schauspieler Armin Müller-Stahl geehrt.

Das vollständige Programm aller Sektionen, die Spielstätten sowie alle Informationen zum Kartenvorverkauf sind unter www.berlinale.de zu finden.

Die Geschichte der Internationalen Filmfestspiele Berlin begann am 6. Juni 1951. Unter dem Motto „Schaufenster zur freien Welt“ wurde die erste Berlinale mit Hitchcocks Film „Rebecca“ eröffnet. Die Gründung der Festspiele geht auf eine kulturpolitische Initiative der drei Westalliierten zurück mit dem Ziel, den ehemaligen Ruf Berlins als europäische Kultur- und Filmstadt wiederzubeleben sowie die Verständigung zwischen den Völkern zu fördern. Nachdem 1956 der internationale Filmproduzentenverband die Berlinale zum A-Festival erklärte, wurde die Publikumsabstimmung durch eine internationale Fachjury ersetzt und das Profil der Festspiele wurde differenzierter, künstlerisch anspruchsvoller und internationaler. Während in den 50er Jahren Filme und Stars des Hollywood-Kinos den Wettbewerb prägten, verlagerte sich der Schwerpunkt in den 60er Jahren nach Westeuropa, da osteuropäische Filme hinter dem Eisernen Vorhang blieben. Gegen Ende des Jahrzehnts war das Festival mit nur wenigen Stars und kaum erstklassigen Filmen keine echte Konkurrenz zu den Veranstaltungen von Cannes und Venedig.

Im Jahr 1970 kam es zum größten Eklat. Michael Verhoevens Vietnam-Film „o.k.“ wurde als amerikafeindlich und dem Reglement widersprechend kritisiert und vom Wettbewerb ausgeschlossen. Die gesamte Jury trat zurück und die Bären wurden nicht vergeben. Als Folge davon entstand 1971 das Internationale Forum des jungen Films, kurz Forum, als Plattform für die Werke junger Künstler, die sowohl in kinematographischer als auch inhaltlicher Hinsicht neue Wege gehen, radikal experimentieren und unvoreingenommen Grenzen überschreiten. Manche erfolgreiche Karriere begann im Forum, Nick Gomez´ z. B. der mit „Law of Gravity“ 1993 den Wolfgang-Staudte-Preises gewann und heute mit Serien wie „Dexter“ oder „True Blood“ große Erfolge feiert.

In den folgenden Jahren gewann das Festival mit Filmen aus Afrika, Südamerika und Asien an Globalität und Attraktivität. Ab 1974 waren auch wieder Filme aus den Ostblockländern im Programm. Das Spektrum der Festspiele wurde durch neue Sektionen mit eigenen Zielsetzungen und speziellem Profil breiter.
1978 entstand das Kinderfilmfestival, heute die Sektion Generation, das interessante Filme für und um Kinder und Jugendliche präsentiert. Eine Kinder- und Jugendjury zeichnet die besten Filme mit dem Gläsernen Bären aus.
1986 wurde aus der Info-Schau die eigenständige Sektion Panorama. Das Panorama stellt internationale Spielfilmproduktionen des Arthouse- und Autorenkinos sowie die interessantesten Dokumentarfilme aus aller Welt vor. Publikum und Pressevertreter erhalten die Möglichkeit, nach der Aufführung mit Produzenten, Regisseuren und Schauspielern über den Film zu diskutieren.
Seit einigen Jahren gibt es die Berlinale Shorts als Sektion mit einer eigenen Jury, das Berlinale Special für aktuelle Arbeiten großer Filmemacher und die Wiederaufführung von Klassikern und den Berlinale Talent Campus eine Initiative zur Nachwuchsförderung.

Was auch passierte, die Festspiele waren zu jeder Zeit Spiegel politischer und gesellschaftlicher Ereignisse, Entwicklungen und Stimmungen. Wirtschaftswunder, Vietnam-Krieg, Studentenrevolte, Mauerfall, Irakkrieg, Integration waren ebenso Themen in den Filmprojekten wie auch in den Diskussionen und Veranstaltungen. Und immer war es die Gratwanderung zwischen Kunst, Kommerz und Politik – ein Kulturspiegel.

Schlagwörter: Berlinale, Filmfestspiele, Kino

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