Fairphones – Alternative für ein gutes Gewissen?

10.02.2014 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Telefonieren, surfen, filmen, fotografieren und mehr gehören zu den Technikstandards, auf die nur wenige noch verzichten möchten. Längst sind konventionelle Handys von iPhones & Co verdrängt worden.

Jetzt etabliert sich ein niederländisches Unternehmen am Markt, das mit Smartphones wirbt, die umweltfreundlich hergestellt werden. Zur Firmenphilosophie gehört auch, dass faire Löhne gezahlt und verbesserte Arbeitsbedingungen geboten werden. Wer ein Fairphone der gleichnamigen Marke kauft, unterstützt die Prinzipien der Fairness und der Nachhaltigkeit.


Neue Ansätze für Umwelt und Arbeitsbedingungen


Die in Amsterdam ansässige Fairphone B.V. Gesellschaft hat ein Mobiltelefon entwickelt, das bei der Herstellung weitestgehend Schäden für die Umwelt vermeidet und ohne Ausbeutung von Arbeitskräften gefertigt wird.

Im Focus stehen Aspekte wie die Müllvermeidung durch spezielle Recyclingprogramme, eine lange Haltbarkeit und bezahlbare Reparaturmöglichkeiten. Daneben berücksichtigt das Unternehmen auch ethische Gesichtspunkte bei den Produktionsbedingungen. In direkter Kooperation mit dem Auftragsfertiger in China werden sozialverträgliche Arbeitsbedingungen verhandelt. Der Einsatz sogenannter konfliktfreier Rohstoffe aus überprüften Minen in armen Regionen soll verhindern, dass von Gewinnen Bürgerkriege unter anderem im Kongo-Konflikt finanziert werden.

Fairphone strebt mit ihrer Strategie das Ziel an, Warlords, die den Abbau in diesen Minen kontrollieren, den Boden zu entziehen. Transparente Lieferketten sollen künftig diesen Missbrauch eindämmen. Das Unternehmen unterstützt darüber hinaus als Stiftung unterschiedliche Entwicklungshilfeprojekte wie Conflict-Free Tin. Unter Fairness und Nachhaltigkeit versteht Fairphone unterschiedliche Kriterien. So geht ein Teil des Verkaufserlöses an Projekte in Entwicklungsländer. Mit dem Geld soll die Weiterverarbeitung des umweltschädlichen Elektroschrotts gestützt werden, um einer dauerhafte Einlagerung zu verhindern.

 
Bislang werden Fairphones bei einem chinesischen Auftragsfertiger hergestellt. Das Augenmerk liegt bei den individuellen Arbeitsbedingungen, die laut Fairphone die üblichen Mindestanforderungen an Arbeitszeit und Entlohnung der Arbeiter erfüllen müssen.

Der niederländische Pionier in Sachen Fairness und Nachhaltigkeit erntet bei Menschenrechtsorganisationen und Umweltverbänden viel Lob. Ziel soll auch sein, andere Elektronikunternehmen von dieser Herstellungsphilosophie zu überzeugen.

„Faire“ Smartphones: Revolution im High-Tech-Bereich?


Das erst seit kurzer Zeit erhältliche Fairphone bedient bereits eine große Fangemeinde und dies mit wachsender Tendenz. Jedoch verfolgen Interessenten dieser revolutionären Idee auch mit Skepsis die technische Entwicklung. So gehören zum Produkt nur wenige selber entwickelte Technologien. Vielmehr greift Fairphone auf vorhandene Technologie zurück.

 
Wer als Nutzer mit den Fähigkeiten eines Smartphones der Mittelklasse zufrieden ist, findet beim Fairphone eine solide Funktionsfähigkeit wie UMTS, eine Kamera, WLAN und GPS. Erste unabhängige Tests belegen, dass diese Geräte kaum Probleme beim Handling bereiten.

Mängel wie ein Rotstich bei Kameraaufnahmen, betreffen nur wenige bereits ausgelieferte Modelle, für deren Behebung möglicherweise bald ein Update zur Verfügung gestellt wird. Wer ein Leichtgewicht im schmalen Design sucht, wird möglicherweise beim Fairphone enttäuscht sein, denn das Gerät ist nicht nur dicker als andere Smartphones, sondern bringt auch mehr Gewicht mit.

Dafür kann das mit einem vorinstallierten Betriebssystem ausgestattet Fairphone mit zwei Sim-Karten betrieben werden und verfügt über zwei Kameras und einen ordentlichen Flashspeicher. Wer möchte, kann als Alternative auch ein freies Betriebssystem installieren.

 
Fairphone contra Smartphone: individuelle Ansprüche als Entscheidungskriterien


Dass es möglich ist, auch in der Tech-Industrie für transparente Lieferketten und faire Arbeitsbedingungen zu sorgen, hat Fairphone bereits bewiesen. Doch soll ein Gerät auch persönliche Ansprüche erfüllen. Wer etwa mit seinem Handy bezahlen möchte, muss beim Fairphone auf dieses Extra verzichten.

Nicht zufriedenstellend ist aktuell noch die Betriebszeit des Akkus. Auch Wenigtelefonierer müssen ihr Gerät meist nach wenigen Tagen an eine Steckdose hängen. Der Akku lässt sich jedoch problemlos entnehmen und vereinfacht auch das Recycling. Das Display des Fairphones wird mit zwei Schichten hergestellt und weist die oberste einen Schaden auf, lässt sie sich einfach austauschen, ohne dass der Sensorteil erneuert werden muss.

 
Auf Kritik stößt beim Fairphone der Umgang mit sensiblen Kundendaten. Wer auf seine Bestellbestätigung via E-Mail wartet muss wissen, dass personenbezogene Daten wie Adresse, Telefonnummer und Geburtsdatum unverschlüsselt gesendet werden.

Eher verhalten fällt auch die Begeisterung von Nutzern aus, die einen schnellen Prozessor oder eine leistungsstarke Kamera suchen. Für den aktuellen Preis von derzeit 325 Euro für ein Fairphone werden hohe Erwartungen nicht erfüllt. Für den schmalen Geldbeutel finden Konsumenten preiswertere Geräte mit ähnlichen Standards.

 
Für alle, die auf Transparenz setzen, ist ein Fairphone kaum zu toppen. Rund 13 Euro vom Kaufpreis werden dafür verwendet, dass Coltan und Zinn aus Quellen stammen, die bestimmte Richtlinien erfüllen müssen. Das Unternehmen legt offen, welche Beträge in soziale Projekte fließen und wie sich der Kaufpreis im Detail zusammensetzt.

 
Im zweiten Quartal 2014 soll eine weitere Auflage des Fairphones den Markt erreichen. Nicht mehr als schätzungsweise 25.000 Stück werden anvisiert, um die Beziehungen zwischen Kunden und Zulieferern persönlich zu gestalten.

Anders als klassische Unternehmen will Fairphone nicht mit hohen Stückzahlen den Preis drücken, sondern für faire Löhne und Umweltschutz einstehen. Für alle, die einen kleinen Beitrag zu Veränderungen am Markt leisten möchten, ist eine Investition in das Fairphone sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Schlagwörter: Fairphone, Mobiltelefon, konfliktfreie Rohstoffe, faire Arbeitsbedingungen, Recycling, Umweltschutz

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