Energiewende – auch zu Hause?

28.06.2011 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Energiewende © Stephan Leyk Fotolia.comStrom ist Strom, wenn er aus der Steckdose kommt. Mit Ökostrom leuchten die Lampen nicht heller. Spätestens seit der nuklearen Katastrophe von Fukushima jedoch ist es vielen umweltbewussten Endverbrauchern – im Gegensatz zu ihren elektrischen Endgeräten – nicht gleichgültig woher ihr Strom kommt und wie dessen Erzeugung auf Umwelt und Klima wirkt. Nun braucht nicht gleich jeder ein eigenes Windrad im Garten, mit dem Wechsel zum richtigen Ökostromanbieter ist auch schon ein wichtiger Schritt zur Energiewende getan.
Als Öko- oder grüner Strom gilt elektrische Energie, die aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Erdwärme umweltverträglich erzeugt wird. Aber auch Ökostrom lässt sich nur begrenzt speichern und nicht in Dosen an Kunden verkaufen. Er muss vom Windkraftwerk oder der Photovoltaikanlage zum Verbraucher transportiert werden. Ein separates Leitungsnetz für den grünen Strom gibt es nicht. Er wird in das öffentliche Stromnetz zusammen mit dem „schmutzigen“ Strom aus fossilen Brennstoffen oder Atomkraft eingespeist und kommt als Strommix, in dem der Ökostrom im Jahr 2010 einen Anteil von ca. 16,5 % hatte, beim Endverbraucher an.

Wenn ohnehin alles in einen Topf bzw. eine Leitung kommt, wie kann dann der Wechsel zu einem Ökostromanbieter zum Klima- und Umweltschutz beitragen? Die Stromversorgung funktioniert über einen Verdrängungswettbewerb. Jeder Stromerzeuger darf genau so viel Strom in das Netz einspeisen, wie von seinen Kunden abgenommen wird. Das heißt, je mehr Verbraucher Ökostrom beziehen, umso mehr Strom aus regenerativen Quellen gelangt bis in die Steckdosen und verringert den Anteil des Kohle- und Atomstroms. Der Verbraucher bekommt zwar in den meisten Fällen den im nächstgelegenen Kraftwerk produzierten Strom. Er kann aber sicher sein, dass die von ihm verbrauchte Strommenge zu den mit dem gewählten Anbieter vereinbarten Bedingungen tatsächlich produziert wird.

Allerdings ist die die Bezeichnung „Ökostrom“ weder genau definiert noch geschützt. So kann ein deutscher Anbieter z. B. Strom aus skandinavischen Wasserkraftwerken über REC-Zertifikate einkaufen und ganz legal als Ökostrom verkaufen, obwohl der deutsche Strommix davon gar nicht beeinflusst wird. Gegen Etikettenschwindel helfen Gütesiegel unabhängiger Organisationen wie das „Grüner Strom Label“ oder „OK power“, die die Qualität der Angebote hinsichtlich Klima-, Ressourcen- und Umweltschutz bewerten. Denn nur, wenn der Anbieter zum Ausbau alternativer Energieanlagen und zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beiträgt, kann er ruhigen Gewissens mit seinem Ökostromtarif als Umweltgewinn werben. Die Gütesiegel berücksichtigen u.a. auch Alter und Umweltverträglichkeit der Erzeugeranlagen, die Verwendung von Fördergeldern und Gewinnen für Neuanlagen und die Ausweitung der Ökostromerzeugung. Über die Vergabekriterien der Gütesiegel und Zertifikate informieren z. B. www.stromauskunft.de, die Verbraucherzentralen oder die Stiftung Warentest.

Der Wechsel zu einem Ökostromanbieter lohnt sich nicht nur wegen des guten Gefühls, umweltbewusst gehandelt zu haben. Die Preisunterschiede zu konventionell erzeugtem Strom sind nicht so gravierend und viele regionale Unternehmen bieten Ökostromtarife, die unter dem Basistarif des örtlichen Grundversorgers liegen. Der Verbraucher füllt nur ein Formular für den Wechsel aus – um Kündigung und Abrechnung kümmert sich der neue Anbieter. Die durchgängige Stromversorgung bleibt garantiert, im Notfall springt das örtliche Versorgungsunternehmen ein. Wer das beste Ökostromangebot für sich sucht, muss zunächst Tarife mit vielen unterschiedlichen Details vergleichen. Vertragslaufzeiten, Zahlweise, Preisgarantie, Wechselprämie, Gütesiegel – mit Tarifrechnern und Vergleichsportalen wie z. B. dem Testsieger der Stiftung Warentest www.verivox.de kann man Kriterien einzeln berücksichtigen oder ausschließen und damit die vielfältigen Angebote transparent und vergleichbar machen. Verbraucherschützer raten zu Verträgen ohne Vorkasse, Kaution oder feste Abnahmemengen mit Laufzeiten bis zu maximal einem Jahr und kurzen Kündigungsfristen. So kann der Kunde schnell reagieren, wenn sich die Preise ändern und immer wieder neu entscheiden, wie grün sein Strom sein soll.

Schlagwörter: Grüner Strom, Gütesiegel, Ökostrom, Strommix

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