Die Sonne scheint nicht länger ...

22.03.2011 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Sommerzeit © Kaarsten - fotolia.com

Haben Sie sich nicht auch an so manchem dunklen Winterabend mit klirrender Kälte, Eis und Schnee die Sommerzeit herbeigewünscht – Sonnenschein, Urlaub am Meer, taghelle Abende im Biergarten oder Sonnenbaden nach Feierabend auf dem heimischen Balkon? Haben Sie dabei auch an die gesetzliche Sommerzeit gedacht? Inwiefern und wann die sommerliche Idylle Wirklichkeit wird, bleibt vage. Die Sommerzeit kommt ganz sicher – per Verordnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie auf der Grundlage von §5 des Einheiten- und Zeitgesetzes, und zwar am 27. März 2011, 03:00 Uhr.
Für die einen ist es gerade mal das lästige Umstellen aller Uhren, die noch nicht auf Funksignale reagieren; für andere bis zu zwei Wochen Stress pur, weil ihr Körper sich nur schwer an den früheren Tagesbeginn gewöhnen kann. Viele Menschen überlegen jedes Jahr zweimal aufs Neue, ob denn die Uhr nun eine Stunde vor oder eine zurück gestellt werden muss. Aber egal wie sympathisch uns die Zeitumstellung ist, seit 1980 findet sie regelmäßig im März und Oktober statt.

Unter dem Eindruck der Ölkrise in den 70er Jahren beschlossen die meisten Länder der Europäischen Gemeinschaft 1975 eine Zeitverschiebung im Sommer einzuführen, um durch bessere Ausnutzung des Tageslichtes Energie zu sparen. Deutschland passte sich fünf Jahre später seinen Nachbarn an, nachdem die ostdeutsche Regierung ebenfalls der Einführung zugestimmt hatte.

Völlig neu war die Idee allerdings nicht. Bereits Benjamin Franklin soll sich Gedanken um die „Verschwendung“ von Tageslicht gemacht haben. Erstmals realisiert wurde die Zeitumstellung dann 1916 in den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Ländern. Nach Ende des ersten Weltkrieges verschwand sie wieder, um postwendend im nächsten Krieg als stromsparende Maßnahme wiederzukehren, die bis 1949, zwischendurch sogar mit einer weiteren Stunde Hochsommerzeit, erhalten blieb.

Inzwischen ist erwiesen, dass erhoffte Energiespareffekte nicht eintreten. Die Einsparung an Beleuchtungsenergie wird insbesondere in den Frühjahrs- und Herbstmonaten durch zusätzliche Strom- und Heizkosten in den Morgenstunden kompensiert. Die Sonne scheint ja nicht länger, sie geht nur später unter, dafür aber auch eine Stunde später auf. Davon profitieren zwar Jogger, Radler, Spaziergänger und Hobbygärtner, die nach getaner Arbeit gerne bei Tageslicht unterwegs sind, insgesamt aber fallen positive wie negative Auswirkungen der Sommerzeit kaum ins Gewicht.

Das veranlasste die FDP-Fraktion 2007 zu beantragen, die Bundesregierung solle sich im Zuge ihrer EU-Ratspräsidentschaft für die Abschaffung der Zeitumstellung und die Einführung der Sommerzeit als gesetzliche Zeit in der EU einsetzen. Doch selbst wenn der Deutsche Bundestag einen solchen Antrag annehmen würde, es dauerte vermutlich Jahre, bis die Änderung in Kraft träte. Ein Alleingang, so wie der des russischen Präsidenten Medwedew, der unlängst seine Pläne zur Abschaffung der Winterzeit bekanntgab, ist für einen einzelnen EU-Mitgliedsstaat unmöglich, da die stetig zunehmende Vernetzung in nahezu allen Lebensbereichen Synchronisierung und einheitliche Regelungen erfordert. Wer viel mit dem nichteuropäischen Ausland telefoniert, kann ein Lied davon singen. Als wären die unterschiedlichen Zeitzonen – allein in den USA gibt es vier davon – nicht schon Herausforderung genug, nein, in vielen Staaten gibt es ebenfalls eine Zeitumstellung, nur leider folgt die keinen einheitlichen Regeln. Die Zeitzonen selbst sind schon das Ergebnis einer weltweiten Harmonisierung, hatte doch bis ins späte 19. Jahrhundert jeder größere Ort seine eigene Zeit, die nach dem Stand der Sonne bestimmt wurde. Der grenzüberschreitende Eisenbahnverkehr machte die Problematik deutlich. War die Zeit des Abfahrtortes, des Zielortes oder die der Zwischenhalte die maßgebliche Zeit für den Fahrplan? Auf der Meridiankonferenz 1884 in Washington einigten sich die Teilnehmerländer auf eine allgemeingültige Weltzeit (Greenwich Mean Time, seit 1972 Coordinated Universal Time = UTC) und die Einteilung der Welt in 24 Zeitzonen. Seit 1893 gilt in Deutschland die mitteleuropäische Zeit (MEZ = UTC + 1) als gesetzliche Zeit.

Angesichts solcher Probleme erscheinen der Aufwand für Fahrplananpassungen, die Neu-Justierung von Uhren und zeitgesteuerten Geräten und der kollektive Mini-Jetlag eher geringfügig.

Die Zeitumstellung wird uns wohl noch lange erhalten bleiben, auch wenn zahlreiche Sommerzeitgegner schweres Geschütz gegen sie auffahren. Ihre Argumente reichen von gesundheitlichen Schäden, über unnötigen Aufwand bis hin zur verfassungswidrigen Einmischung in das Privatleben der Bürger.

Freuen Sie sich lieber auf länger helle Abende und nutzen sie diese für Aktivitäten an der frischen Luft. Dann stellt sich auch Ihre innere Uhr schnell auf Sommerzeit – ob gesetzlich oder meteorologisch – ein.

Schlagwörter: Sommerzeit, Winterzeit, Zeitumstellung

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