Cyber-Mobbing – Schattenseiten des Internets

24.12.2011 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Cyber-Mobbing © Mikael Damkier-Fotolia.com„Es braucht 20 Jahre um einen guten Ruf aufzubauen, aber nur fünf Minuten, ihn zu zerstören.“ (Warren Buffett) Und im Internet kann das noch viel schneller gehen! Wer will schon mit einer Firma zu tun haben, für die die Internet-Suchmaschine eine Ergebnisliste mit Negativschlagzeilen liefert? Welchen Eindruck hat die virtuelle Welt von einer Person, zu deren Namen peinliche Partyfotos erscheinen? Mit zunehmender Vernetzung und der umfassenden Nutzung neuer Medien erreichen Rufschädigung und Mobbing neue Dimensionen.

Mobbing, das wiederholte absichtliche Beleidigen, Belästigen, Bedrohen und Bloßstellen anderer durch z. B. Verbreitung von Gerüchten oder vertraulichen Informationen, hat es innerhalb sozialer Gruppen schon immer gegeben. Findet Mobbing im Internet durch E-Mails, Blogs, Instant Messengers, in sozialen Netzwerken oder auf Videoportalen statt, erhält es als Cyber-Mobbing (auch Cyber-Bullying) eine ganz andere Reichweite und Intensität:
- Nachrichten verbreiten sich extrem schnell und sind nach Veröffentlichung nicht mehr zu kontrollieren.
- Das Publikum ist unüberschaubar groß und kann mitmachen, ohne das Opfer zu kennen.
- Der Täter kann anonym agieren. Das sorgt beim Opfer für Verunsicherung und senkt die Hemmschwelle für demütigende und beleidigende Aktionen beim Täter. Schüler verunglimpfen z. B. ihre Lehrer wie es bei realem persönlichen Kontakt nicht vorkommen würde.
- Die Angriffe bleiben weder zeitlich noch räumlich begrenzt. Sie greifen rund um die Uhr in das Privatleben ein, es sei denn man verzichtet ganz auf die Nutzung des Internets.
- Das Internet „vergisst“ nicht. Einmal gespeicherte Bilder oder Texte sind kopier- und reproduzierbar und können auch nach Jahren an völlig unerwarteten Stellen wieder auftauchen.

Cyber-Mobbing ist insbesondere ein Problem unter Jugendlichen. Die umfassende Nutzung sozialer Netzwerke und Chatrooms ist für sie selbstverständlicher Alltag. Häufig fehlt aber die entsprechende Medienkompetenz, um die Folgen und die Tragweite ihrer Aktionen einschätzen zu können.
Experten raten Eltern und Lehrern, Kinder schrittweise und begleitend an digitale Medien heranzuführen, aktiv Konsequenzen und Gefahren aus der virtuellen Welt zu thematisieren und ihnen den sorgfältigen Umgang mit persönlichen Daten zu zeigen.

Mobbing-Angriffe sind kein Kavaliersdelikt. Betroffene sollten sich wehren, aber nicht durch Gegenangriffe auf dem gleichen Niveau. Beenden Gespräche mit verdächtigten Tätern z. B. in der Schule die Angriffe nicht, können sich Opfer an die Betreiber der Internetseiten wenden und die Entfernung rufschädigender Fotos oder Beiträge verlangen, notfalls mit zivilrechtlichen Mitteln. Eine strafrechtliche Verfolgung der Täter wegen Verleumdung oder übler Nachrede ist wegen der Anonymität im Netz oft schwierig und langwierig.

Informationen, Hilfe und Anregungen zum Thema gibt es auf Webseiten wie klicksafe.de, schau-hin.info, juuuport.de und teensonphone.de (hier informieren und beraten Jugendliche als Scouts zu Mobbing und Abzocke), internetvictims.de, saferinternet.de oder auch bei spezialisierten Anwälten.

Man muss nicht unbedingt direkten Mobbing-Angriffen ausgesetzt sein, um mit negativen Folgen der „Freiheit im Internet“ konfrontiert zu werden. Manchmal reicht ein unvorteilhaftes Urlaubsfoto oder eine unbedacht geäußerte Meinung in einem Forum, um dem eigenen Ruf zu schaden. Nach einer repräsentativen Umfrage des BITCOM (November 2010) informieren sich 49 % der Unternehmen vor dem Vorstellungsgespräch im Internet über ihre Bewerber. Personalmanager recherchieren über Suchmaschinen, in sozialen Netzwerken mit beruflichem Schwerpunkt, aber auch bei Facebook oder StudiVZ. Vielleicht weiß der potenzielle Arbeitgeber schon mehr über den Bewerber als dieser selbst.

Die wichtigsten Präventivmaßnahmen gegen böse Überraschungen:
- Die Kontrolle über persönliche Daten behalten, Adresse, Telefon etc. nicht an Unbekannte weitergeben.
- Privatsphäre durch die Schutzfunktionen in sozialen Netzwerken sichern.
- Im Netz, soweit es möglich ist, anonym bleiben. Für private Foren ist der richtige Name nicht erforderlich.
- Meinungen sachlich, kompetent und kontrolliert äußern.
- regelmäßig recherchieren, was über die eigene Person im Netz veröffentlicht ist.
Wer mit der eigenen Präsenz im Internet nicht zufrieden ist, muss selbst daran arbeiten. Profile in Netzwerken und Websites erscheinen zuerst in den Ergebnislisten der Suchmaschinen und bestimmen somit die Außenwirkung. Viele positive Einträge in einem Forum verdrängen die schädlichen Äußerungen.

Inzwischen hat sich ein Dienstleistungszweig für Online-Reputation-Management entwickelt. Die Anbieter recherchieren, was über ihre Kunden im Netz zu lesen ist, bieten Hilfe an bei der Löschung rufschädigender Einträge und Bilder und arbeiten aktiv am guten Ruf ihrer Mandanten.

Schlagwörter: Cyber-Mobbing, Präsenz im Internet, Rufschädigung

RSS Artikel abonnieren (RSS)
Twitter Folge uns auf Twitter
Newsletter Newsletter abonnieren