Carsharing – Alternative für rationale Großstädter?

28.02.2012 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Carsharing © Kzenon-Fotolia.comEin Auto zu besitzen ist teuer, nicht nur wegen des hohen Anschaffungspreises oder steigender Kraftstoffkosten. Selbst wenn der Wagen nur in der Garage steht, muss der Besitzer für Versicherung, Steuern, Wartung und Pflege aufkommen. Beim Carsharing teilen sich durchschnittlich mehr als 20 Fahrer die Fixkosten für einen Wagen und sind so kostengünstig mobil. 

Zweifellos hat der Besitz eines eigenen Fahrzeugs große Vorteile; Unabhängigkeit, Bequemlichkeit oder Flexibilität. Wer möchte schon den Wochenendeinkauf zu Fuß nach Hause bringen oder ständig auf die Uhr schauen, um den letzten Bus nicht zu verpassen? Aber rechtfertigen diese Vorteile die Tatsache, dass ein Privatwagen durchschnittlich mehr als 22 Stunden am Tag ungenutzt steht und trotzdem Geld kostet?

Für rationale Menschen, die ein Auto in erster Linie als Fortbewegungs- und Transportmittel sehen und damit keine Status- oder Imagewirkung verbinden, kann Carsharing eine kostensparende, umweltfreundliche Mobilitätsalternative sein. In allen deutschen Großstädten und in immer mehr größeren Orten gibt es Carsharing-Unternehmen, die an festen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichenden Stellplätzen Fahrzeuge unterschiedlicher Klassen zum „Teilen“ zur Verfügung stellen.

Voraussetzung für die Nutzung sind ein gültiger Führerschein und ein abgeschlossener Vertrag mit dem Anbieter. Danach erhält der Fahrer eine Chipkarte, mit der er entweder den Wagen selbst oder den Tresor mit den Wagenschlüsseln öffnet. Nach der Buchung über Telefon oder Internet, gewöhnlich rund um die Uhr möglich, kann die Fahrt im gewünschten Fahrzeug angetreten werden. Dank moderner Bordcomputertechnik werden Zeit und gefahrene Kilometer minutengenau aufgezeichnet und meist monatlich abgerechnet.

Für wen rechnet sich Carsharing?

Finanziell rentiert sich Carsharing, wenn der Nutzer nicht täglich auf einen Wagen angewiesen ist und im Jahr weniger als ca. 10.000 Kilometer fährt. Gebucht werden kann ab einer Stunde und meist beliebig lange. Kurzstreckenfahrer sparen besonders viel. Für Urlaubsreisen oder längere Fahrten fällt ein Vergleich häufig zugunsten eines Mietwagens aus. (Rechenbeispiele für verschiedene Situationen liefert der Finanztest 03/2012 „Carsharing: Teile und spare“ der Stiftung Warentest)

Der Carsharing-Teilnehmer zahlt in der Regel ein einmaliges Aufnahmeentgelt, eine Kaution und eine nutzungsunabhängige jährliche oder monatliche Gebühr. Nutzungsabhängig für die tatsächlichen Fahrten wird ein Tarif mit einer Zeit- und einer Kilometerkomponente berechnet, die bereits die Kraftstoffkosten enthält. Ein Blick in die Nutzungsbedingungen lohnt sich, da die unterschiedlichsten Sonderkonditionen wie z. B. Vergünstigungen für Vielfahrer und ÖPNV-Nutzer, Kooperationen mit Mietwagenfirmen, Begrenzung der Nutzungsdauer, überregionale Nutzung etc. möglich sind.

Carsharing - eine komromisslose Alternative?

Neben dem finanziellen Nutzen durch die eingesparten Anschaffungs- und Unterhaltungskosten bietet Carsharing auch andere nicht zu unterschätzende Vorteile:
- Der Fahrer bucht und fährt. Um Versicherung, Umweltplaketten, TÜV, Reifenwechsel, Wartung und Pflege kümmert sich der Carsharing-Anbieter. Viele bieten auch einen Pannendienst.
- Die Unternehmen stellen gewöhnlich sehr gut ausgestattete neuere Fahrzeuge zur Verfügung.
- Der Nutzer ist nicht an einen Fahrzeugtyp gebunden und kann flexibel für jeden Zweck das passende Auto buchen, z.B. auch Cabrios oder Kleintransporter.
- Tanken, Reinigung und Reparaturen sind Sache des Anbieters.
- Die Modalitäten zwischen Besitzer und Benutzern des Fahrzeugs sind klar vertraglich geregelt.

Eine echte Alternative ist Carsharing aber nur, wenn der Fahrer bereit ist, für den wirtschaftlichen Nutzen einige Kompromisse in Sachen Bequemlichkeit und Unabhängigkeit einzugehen. Fahrer „geteilter“ Autos müssen in Kauf nehmen, dass
- die Fahrt erst nach vorheriger Buchung und nur von der Carsharing-Station aus angetreten und auch nur dort beendet werden kann,
- die gebuchte Nutzungsdauer verbindlich und nicht immer verlängerbar ist,
- der gewünschte Wagentyp gerade nicht oder nicht an der bevorzugten Station vorhanden ist. (Das Risiko liegt lt. bcs bei durchschnittlich 10% und kann durch rechtzeitige Reservierung minimiert werden.)
- die Angebote oft regional begrenzt sind.

Der Bundesverband CarSharing e. V. (bcs) bietet auf seiner Webseite umfangreiche Informationen und eine deutschlandweite Suchfunktion für Carshring-Unternehmen und -Vereinen www.carsharing.de.

Schlagwörter: Carsharing, Gelegenheitsfahrer, Mobilität

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