100 Jahre Weltfrauentag

08.03.2011 | Redaktion Hanseatic Bank Magazin | Kategorie Allgemeines

Weltfrauentag © Robert Kneschke - fotolia.com

„Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte“ für alle Frauen forderte Clara Zetkin, eine deutsche Sozialistin, auf dem Kongress der II. Internationale im Jahr 1910 in Kopenhagen. Auf ihre Anregung hin gibt es seit 100 Jahren den internationalen Frauentag als Kampf- und Feiertag für die Gleichberechtigung der Frauen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Das vergangene Jahrhundert verzeichnet wichtige Meilensteine in der Frauenfrage – das Frauenwahlrecht, den Gleichstellungsartikel im Grundgesetz und das Gleichstellungsgesetz.
Der Bundestag debattierte am 24. Februar 2011 anlässlich des Jubiläums über verschiedene Anträge zur Gleichstellung der Frauen; die Überprüfung des Bundesgleichstellungsgesetzes, eine Quotenregelung für Frauen in Führungspositionen, die Forderung nach einem Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft und die existierenden Unterschiede zwischen den Geschlechtern am Arbeitsmarkt. Hätten sich Regierungen bereits 1910 offiziell mit solchen Forderungen beschäftigt, wären die Initiatorinnen des internationalen Frauentages vielleicht gar nicht auf den Gedanken gekommen, mit einem speziellen Tag auf die Lage der Frauen aufmerksam zu machen und zum aktiven Kampf für ihre Rechte aufzufordern. Denn damals war das Hauptziel das für uns heute so selbstverständliche freie, geheime und gleiche Wahlrecht für Frauen.

19. März 1911 – tausende Frauen gingen zum ersten internationalen Frauentag in Deutschland, Dänemark, Österreich und in der Schweiz für das Frauenwahlrecht auf die Straße. Im Jahr 1921 auf der zweiten kommunistischen Frauenkonferenz wurde der 8. März als festes Datum für den Frauentag durchgesetzt. Historiker gehen davon aus, dass mit diesem Datum an eine Frauendemonstration in Russland am 23. Februar 1917 (nach heutigem Kalender der 8. März) erinnert werden sollte, mit der eine Streikwelle in dem instabilen Land begann, die letztlich zur Absetzung der zaristischen Regierung führte. Die Aktionen zum internationalen Frauentag waren in Deutschland ursprünglich von der proletarischen Frauenbewegung geprägt. Sie konzentrierten sich, nachdem 1918 das Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde, auf die Verbesserung der Lebenssituation der Arbeiterinnen, Arbeitszeitverkürzung, Lohngleichheit, Mutterschutz und den Kampf für Frieden und gegen Kriegsgefahr.

Nachdem der Frauentag als kommunistischer Feiertag während der Zeit des Nationalsozialismus verboten war, wurde er nach Ende des zweiten Weltkrieges 1946 in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone wieder eingeführt, aber nicht, wie im heutigen Russland, als gesetzlicher Feiertag, sondern als Tag, an dem die Frauen für ihre Leistungen in Betrieben, in der Familie und im gesellschaftlichen Leben geehrt wurden. Denn in der sozialistischen DDR herrschte vollständige Gleichberechtigung quasi per Definition. Im westlichen Deutschland gewann der Frauentag erst gegen Ende der 60er Jahre wieder an Bedeutung. Die neue Frauenbewegung, die Gewerkschaften und politischen Frauenverbände nutzten den Weltfrauentag, um ihren Forderungen nach Selbstbestimmung und beruflicher Gleichberechtigung, gegen Diskriminierung und Gewalt Ausdruck zu verleihen.

Heute ist der Feiertag auch ein Tag der internationalen Solidarität mit Frauen und Mädchen aus anderen Kulturen und anderen Teilen der Welt, in denen Frauen per Gesetz von politischer Macht ausgeschlossen und wegen ihres Geschlechts Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt sind. Seit 1975, dem UN-Jahr der Frau, begehen die Mitgliedsstaaten den „Tag der Vereinten Nation für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden“ und machen damit deutlich, dass die Durchsetzung der Menschenrechte für alle Frauen eine wichtige Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung der Staatengemeinschaft ist. „Den Ländern, in denen Frauen mitlernen und mitentscheiden dürfen, geht es besser. Keine Gesellschaft kann auf die Kraft und die Ideen der Hälfte ihres Volkes verzichten.“ (Michelle Bachelet, Vorsitzende von UN Women anlässlich der Gründung dieser neuen Frauenorganisation der Vereinten Nationen am 24. Februar 2011 in New York)

Schlagwörter: Frauenbewegung, Frauentag, Gleichberechtigung, Weltfrauentag

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